Fühle mich ertappt

„Dass Journalisten häufig Probleme mit dem Lesen von Statistiken haben, ist bekannt. Wer in Mathe eine Fünf hatte, war meist gut in Deutsch. Und so wurde man halt Journalist.“

Mehr hier: „Die Süddeutsche Zeitung ist echt süß“, Carta vom 30.12.2010

Ich glaube, ich bin ein bisschen in Wolfgang Michal verliebt.

Und der Grund, warum ich sowas Kurzes nicht auf Twitter verheize: Ich finds immernoch doof.

Auch Axel Hacke hat Angst

Wer nachmittags fern sieht ist entweder arbeitslos oder arbeitet beim Fernsehen. Ich gehöre (noch) zu Ersterem (zu Zweiterem im Übrigen in naher Zukunft auch nicht), drück mich dann aber doch erfolgreich vor barbarasalesch’schem Do-it-your-self-Auswanderern sondern schau was Interessantes.

Eben gerade kam auf EinsFestival eine sehr sehenswerte Reportage über meinen Lieblingskolumnisten Axel Hacke*. Den hab ich immer gern gelesen als ich noch Student und nicht erwerbslos war und mir ein Wochenend-Abo der Süddeutschen Zeitung leisten konnte.

Sicher, wer brauch heute noch ein Zeitungsabo. Ich könnte seine Texte auch online lesen aber ich hab keine Lust, meinen Laptop mit auf den Balkon zu nehmen, meine Brille (die ich NUR zum Fernsehen und am Computer brauche!) aufzusetzen und mit Mühe den Mauszeiger zu bewegen, weil ich nämlich auf meinem entspiegelten Bildschirm nichts sehe, wenn sie Sonne drauf scheint. Das stört mein Lesevergnügen immens. Außerdem mag ich Papier.

Wie dem auch sei. „Ein Tag mit Axel Hacke“ war deshalb so interessant, weil ich jetzt weiß, dass der Mann, der immer so lustig über das Leben schreibt, auch privat ein ganz spaßiger Zeitgenosse zu sein scheint. Ist ja nicht immer so. Ich bin auch ein großer Max Goldt-Fan. Dreimal war ich bisher bei seinen Lesungen und gehe immer mit dem Gefühl, dass der privat eher unspaßig ist. Aber das weiß ich natürlich nicht.

Axel Hacke weiß viel Schlaues zu erzählen. Muss man ja als Journalist. Zumindest als gut bezahlter mit hoher Reputation. Er hat in der Sendung bei einem Cappuccino in einem stinknormalen Münchner Café etwas gesagt, das mich zum einen wundert, das ich aber zum andern auch voll unterschreiben kann: „Jeder Autor hat Angst davor, den Computer anzuschalten und die leeren Seiten füllen zu müssen“.

Es wundert mich, weil er (sicher) einen Haufen Geld damit verdient, Leute zu amüsieren und das auch jede Woche aufs neue schafft. Also kein Grund, Angst zu haben. Ich kann es aber unterschreiben, weil es mir genau so geht. Immer diese Gedanken, wenn man mit flauem Gefühl im Magen die Mail an die Redaktion mit den neusten geistigen Ergüssen abschickt: „Was, wenn was nicht stimmt? Will das überhaupt irgendjemand lesen? Hab ich alles richtig gemacht?“ Beschwerden kamen nie. Nun ja, einmal hab ich bei einem Dorffest auf einem Bauernhof in meinem Artikel keine Werbung für die dort vorgestellte, vollautomatische Melkmaschine gemacht. Eine, die die Euter der Kühe scannt und dann genau weiß, wo sie die Saugstutzen zum melken ansetzen muss. Der betreffende Bauer hat sich deshalb bei meinem Chefredakteur beschwert, woraufhin dieser mich angerufen hat und wissen wollte, was da los war. Wir haben viel gelacht.

Axel Hacke hat also auch Angst vorm Schreiben. Wundervoll. Ob Axel Hacke schon immer Angst vorm Schreiben hatte? Auch mit Mitte 20, als er sicher voller Elan und Tatendrang als Jungredakteur bei der Süddeutschen anfing? Darf man am Anfang seiner Karriere überhaupt Angst haben? Oder ist das erst okay, wenn man eh alles erreicht hat. Oder ist Angst gerade dann überflüssig, weil man ja eh weiß, dass man gut ist.

Am Schluss der Sendung, als man Axel Hacke bei einer Lesung auf der Bühne sah, erklärte er dem Publikum, dass die Veranstaltung gefilmt würde – aus therapeutischen Gründen zur Steigerung seines Selbstbewusstseins. Vielleicht sollte ich mal bei der ARD anfragen und um einen Beitrag über meine Person bitten. Nur: Interessiert das überhaupt jemanden?

* Bild 3. Und die Mediathek der ARD sollte vielleicht nochmal überarbitet werden, sonst hätte ich an dieser Stelle einfang auf die Sendung verlinkt.

Aus dem SZ-Magazin*

Der Plattpfirsich: Das obstgewordene Rothenburg ob der Tauber.

Wegen solcher Sätze wollte ich eigentlich mal Journalist werden.

* „Das Prinzip Plattpfirsich“, SZ-Magazin Nr. 31, 31. Juli 2009, S. 6

Wir Jammerlappen

Ich ärgere mich maßlos über das Spiegel-Special – Wir Krisenkinder. Eigentlich ärger ich mich eher darüber, dass ich das für 6,80 Euro gekauft habe und feststellen musste, dass ein Drittel der Texte mit gleichen Wortlaut bereits im normalen Spiegel und in der NEON zu lesen waren.

Aber da darf man sich nicht wundern. Ist zurzeit eh das aller liebste Thema der Medien: Wir erklären der Nuller-Generation wie sie ist und wie sie zu sein hat und das in allen Facetten, die das Schubladendenken so zu bieten hat. Wir sind Egoschweine ohne Identität, die für nichts mehr auf die Straße gehen. Wir sind Webfuzzis mit weißen Stöpseln in den Ohren, die irgendwas mit Medien machen. Wir wollen gut Geld verdienen, Weltreisen machen und gleichzeitig umgeben von teuren Möbeln stilsicher verranzt in deutschen In-Vierteln wohnen. Und wir wissen so gar nicht was das Leben bringen wird. Schön.

Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Es wundert deshalb nicht, dass den Redakteuren irgendwann die Texte dazu ausgehen. Aber es muss ja auf Teufel komm raus ausgereizt werden! Nur wen kümmert das? Ich erinnere mich an keine Generation, die mehr Zeit damit verbracht hat, sich darüber Gedanken zu machen, was sie verändern könnten als wirklich etwas zu verändern. Ein Teil der 68er ist auf die Straße gegangen und hat sich mit Wasserwerfern beschießen oder vermöbeln lassen. 1848 haben das schon mal welche gemacht und auch einiges gerissen. Ok ohne Wasserwerfer. Heute gibt’s Menschen, die auch für irgendwas einstehen. Einige engagieren sich bei Greenpeace, andere wollen die Monarchie zurück und gründen dafür Vereine. Das ist seltsam aber okay. Immerhin etwas. Darüber könnte man doch mal schreiben.

Stattdessen wird immer nur darüber berichtet, dass wir ziemliche Faulpelze sind. Ja, die meisten zwischen 20 und 35 sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Ja, wir wissen fast alle nicht, was Sache ist. Und ja, es gibt viele viele, die so unglaublich individualistisch sind, dass sie gar nicht merken, dass alle anderen in exakt den gleichen Klamotten rumlaufen, die gleiche Musik hören und den gleichen beschissenen Job als Freie in der Agentur XY haben.

Ich will interessante Specials. Über junge Menschen, die Dinge tun, die ich noch nicht kenne. Unser Genereation geht es verdammt gut. Wir tendieren nur dazu, permanent zu jammern. So wie ich. 6,80 Euro für so einen Mist! Naja, das Cover war gülden. Immerhin.

in Gedanken

Manchmal macht man Dinge so in Gedanken und merkt gar nicht, dass man sie tut. Ich mach das dauernd. Midestens zwei Mal die Woche lege ich in Gedanken meinen Autoschlüssel irgendwohin und such ihn die restlichen fünf Tage. Ich hab eingekauft und leg den Käse in Gedanken auf die Tiefkühltruhe in der Garage. Nach zwei Wochen wunder ich mich über den Gestank nach saurer Milch. Manchmal stell ich in Gedanken mein Auto irgendwohin und such das dann morgens um vier. Das kann aber auch am Bier liegen.

Ich bin immer in Gedanken, weil ich immer mindestens drei Sachen auf einmal im Kopf habe: Hunger, schön draußen…, muss unbedingt noch zur Bank. Oder: Hunger, die Katze is soo süß, noch zwei wichtige Mails schicken. Oder (wie vorhin): Hunger, hehe dieser Barney…, so jetzt nur noch die Präsentation auf den Stick schieben und dann ist alles klar für die Prüfung. Alles in Gedanken.

Und dann sitz ich Auto auf dem Weg zu meiner aller aller aller letzten fu***n Uni-Prüfung in my whole life und fange an zu schwitzen. Ja, es sind 33 Grad und meine Klimaanlage ist kaputt, aber das ist nicht der Grund. Hab ich wirklich vorhin die Powerpoint-Datei per Drag’n’Drop auf meinnen Stick gezogen während ich mich über Barney Stanson schlappgelacht habe? Hm. Noch eine Stunde bis zur Prüfung. Selbst wenn dem nicht der Fall ist, kann ich nochmal nach Hause fahren, die Datei speichern und ohne Probleme pünktlich zurück sein. Ach und selbst wenn ich nicht fahre. Hab ja alles im Kopf. Qualitätsmanagement im Journalismus. Suck it. Hält eh keiner Konsequenz durch. Quintessenz gut herausgerarbeitet. Danke. 1,0.

Es ist jetzt 14:36 noch knapp 20 Minuten bis zur Prüfung und ich blogge. Ich sitze weder im Auto und heize mit 120 Sachen durch den Wald, noch schlag ich meinen Kopf gegen Glastüren. Nein, ich sitze an einem Rechner in der Uni und bin ganz entspannt. Manchmal mach ich gute Sachen in Gedanken. Ich erinner mich nur nicht mehr daran.

Na denn mal: Waidmanns Heil.

Ich bin Robin

Ich tu momentan wirklich nicht viel. Ich geh arbeiten und  schau Serien. „Two and a half men“ ist durch und jetzt „How I met your mother“ endlich im Original. Und was soll ich sagen? Ich bin Robin! (plus 10… ok… 15 Kilo).

Die Gemeinsamkeiten sind frappierend!

  • Wir haben die gleiche Frisur und sehen blond recht beschissen aus.
  • Wir hassen Baseballfilme
  • ich bin ebenfalls eine drittklassige Journalistin
  • Sie hat genau die Lederjacke, die ich schon seit Jahren suche
  • Wir stehen eher auf Hunde als auf Katzen
  • Ich könnte auch Teil dieses Dialogs sein: Barnie: „Father issues… hot.“ – Robin: „I know. I was this close to beeing a huge slut.“
  • Sie springt in jedes verfügbare Fettnäpfchen, zieht zwei drei Bahnen darin, taucht unter und strampelt sich nur mit größter Mühe wieder an Land.
  • Sie hat auch… Bindungsschwierigkeiten
  • Mit Luftpistolen auf  Zielscheiben ballern ist der größte Spaß überhaupt!
  • ich hab die „If I don’t shave, I must behave“-Regel schon lange lange vor der Serie entwickelt
  • Wenn überhaupt dann lieber zwei Ichs, als ein Wir. Außerdem kriegen wir das böse L-Wort nur schwer über die Lippen.
  • Wir gehen beide auf einen Slebstfindungstrip  nach Argentinien
  • Sie kommt zurück und wird genau so spießig und karrieregeil wie ich in etwa vier Jahren auch sein werde.

Jaahaaa. noch Fragen? I totally think that’s sooo obivous! Und ich sollte echt aufhören, amerikanische Sitcoms in der Endlosschleife  zu schauen. Ich träum mittlerweile schon in dem Slang. oO

Desinteresse

Dieser Dialog ist bezeichnend. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur mit so geht. Ein Dilemma.

ich: „If anyone is on Twitter, set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians‘ access to the internet down. Cut & paste & pass this on please.“ keine ahnung obs was bringt… aber ich habs mal gemacht
sie: mom… wobei: wäre es nich schlauer, wenn die iraner einfach ihre settings ändern??
ich: ja, aber sag das denen mal… kannst ja ma ne telefonkette starten *g
sie: dafür ist twitter doch da!
ich: dann poste deine Idee da und hoff, ein iraner liest das… ich glaub achmadineshad tiwtter auch heimlich…. aufm klo
sie: neee. der diktiert und lässt twittern
ich: aufm klo
sie: ja, klar
ich: gott, ich politbanause
sie: ?
ich: alles demonstriert…studenten gegen die bildungspolitk, iraner für demokratie, webfuzzis gegen websperren, irgendwer sicher für mehr zwiebeln auf hotdogs…und mich geht einfach nix was an. bitter.
sie: hm. hast anderes im kopf. ich protestiere nicht, weil ich objektiv bleiben muss. deswegen darf ich ja auch in keiner partei sein.
ich: hm du bist ja auch echter journalist…bei ner echten zeitung…mit anspruch und so
sie: ja, irgendwie schon. in der uni habe ich damals schon mitgemacht, bei den streiks und so.
ich: ja ich auch gegen studiengebühren. aber ich fühl mich halt echt abnormal desinteressiert.
sie: ich kenne das aber auch, dass man abstumpft. gerade als journalist wird meine hemmschwelle immer höher. also, klar gibt es dann sachen, da sagt man: hey, krass. aber es berührt mich dann nicht. ist auch oft etwas unheimlich
ich: naja aber das is halt son journalisten ding. das abstumpfen. ich informier mich ja noch nicht mal drüber, weil ich einfach keine lust habe. les momentan nicht mal nachrichten im netz. schau maximal tagesthemen. das wars.
sie: ja, aber auch vielleicht weil du auf medien keinen bock hast.
ich: stimmt.

Mund zu!

Ich hasse es so sehr, dass ich nie so verdammt selten einfach aufstehe und meinen Mund aufmache, wenn mir etwas nicht passt. Entweder ich bin zu feige und will Konflikten aus dem Weg gehen oder ich hab keine Ahnung vom Thema oder es juckt mich einfach doch zu wenig. Manchmal auch alles gleichzeitig.

Man hätte heute soviel sagen können: Zu Ignoranz, zu Arroganz, zu verkopfter Bürokratie, zu hierachischen Strukturen, zu Geld, zur übertriebenen Bedeutung von Geld, zu rausgeschmissenem Geld, zu BWL, zu gegelten Haaren, zu Solarien, zu Patriarchie, zu General Intrest, zu relevanten Zielgruppen, zu unrelevanten Zielgruppen, zu Mühe, zu Kreativität, zu Innovation, zum Totschweigen jourlistischer Qualität…. etc.

Hat man aber nicht. Stattdessen saß man da und hat an der Wasserflasche genuckelt. Und fühlt sich jetzt schon wieder unwohl, das gebloggt zu haben…

Ich wäre in den späten 60ern nicht mit den Studenten mitmarschiert. Ich hätte zu Hause auf meinem Balkon gesessen, linke Zeitungen gelesen und Gras geraucht. Stiller, feiger Protest.

Gedanken über die Journaille

Nein, bin noch nicht nach Argentinien abgehauen. Ich war übers Wochenende im tiefen Tal der Zahlen und Statistiken und hab mich gestern sehr durstig mit explodiertem Taschenrechner wieder empor gekämpft.

Und ich hab mir gestern bei meinem wohlverdienten Stapel Zeitungen so meine Geanken über guten und schlechten Journalismus gemacht.

Gut: Evelyn Roll, Rebecca Casati, Axel Hacke, Alexander Osang

Schlecht: Alle anderen (insbesondere der hier).

Mag jetzt sein, dass meine Präferenzen eher beim literarischen Journalismus liegen. Aber Texte von anderen Journalisten sind nunmal so unglaublich fad.

3,2,1…

Es bricht eine neue Zeitrechnung an.

Das Internet hat ab heute 10 14:37 Uhr ein neues Highlight und meine Umfrage geht heute um 18 Uhr zu Ende. Das heißt, dass ich a) ab jetzt richtig für echte Leser schreibe und nicht nur für ein CMS und b) ab morgen einen riesen Batzen Statistiken auswerten darf. Da ich (wie ich gestern festgestellt habe) noch nicht mal einen einfachen Prozentsatz ausrechnen kann, ohne dass Blödsinn rauskommt, dürfte das unterhaltsam werden.

Sollte ich bis Sonntag nichts mehr gebloggt haben, liegt das daran, dass ich weinend und zusammengkrampft unter dem Schreibtisch liege. Oder dass ich mit der Katze durchgebrannt bin. Nach Argentinien. Flüge sind grad billig.