Mojo?

Ich finds ja schon ein bisschen dreist, wie sich meine Freunde in letzter Zeit aus der Verantwortung stehlen. Die heiraten in Scharen oder paaren sich zumindest recht verplichtend. Entgehen einfach dem ganzen Stress mit einem gesagten oder gedachten „Ja“.

Da wird man auch als noch so toughe Person ein bisschen nachdenklich. Und nein, das wird kein verzweifelter Schmerzensschrei eines Singles. Mir gehts grad ganz gut so. Ich bin in sechs Wochen sowas von weg und so eine Beziehung wiegt mehr als die 20 kg, die ich als Übergepäck nach Argentinien  mitnehmen darf.

Was ich mich nur frage: Wie fühlt man sich denn so, wenn man weiß, dass man den Rest seiner Tage mit ein und dem selben Menschen verbringen will? Wie ist es, wenn alle Fragezeichen verschwunden sind? Was wenn man nicht nach einer Nacht denkt, dass man sich das eben durchaus hätte sparen können?

Die Freunde scheinen alle sehr glücklich mit dem Gedanken zu sein. Aber was ist denn dann, wenn man den richtigen Menschen liebt? Ist man dann entspannter, konzentrierter, satter? Kann man Dinge tun, die man vorher noch nicht konnte? Schneidet mans ich die Fingernägel anders? Schmeckt das Essen besser? Schwitzt man weniger? Ist man netter zu Mitmenschen? Genießt man das Gefühl, launisch sein zu können, weil der andere einen sowieso liebt und das verzeiht? Verträgt man mehr oder weniger Alkohl? Muss man spontan anfangen, zu tanzen? Bekommt man immer Kuchen, wenn man will? Fahren einen nie mehr Kinder mit Fahrrädern um? Kann man fliegen?

Ich hab ernsthaft keine Ahnung. Also falls jemand was weiß…

Wir Jammerlappen

Ich ärgere mich maßlos über das Spiegel-Special – Wir Krisenkinder. Eigentlich ärger ich mich eher darüber, dass ich das für 6,80 Euro gekauft habe und feststellen musste, dass ein Drittel der Texte mit gleichen Wortlaut bereits im normalen Spiegel und in der NEON zu lesen waren.

Aber da darf man sich nicht wundern. Ist zurzeit eh das aller liebste Thema der Medien: Wir erklären der Nuller-Generation wie sie ist und wie sie zu sein hat und das in allen Facetten, die das Schubladendenken so zu bieten hat. Wir sind Egoschweine ohne Identität, die für nichts mehr auf die Straße gehen. Wir sind Webfuzzis mit weißen Stöpseln in den Ohren, die irgendwas mit Medien machen. Wir wollen gut Geld verdienen, Weltreisen machen und gleichzeitig umgeben von teuren Möbeln stilsicher verranzt in deutschen In-Vierteln wohnen. Und wir wissen so gar nicht was das Leben bringen wird. Schön.

Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Es wundert deshalb nicht, dass den Redakteuren irgendwann die Texte dazu ausgehen. Aber es muss ja auf Teufel komm raus ausgereizt werden! Nur wen kümmert das? Ich erinnere mich an keine Generation, die mehr Zeit damit verbracht hat, sich darüber Gedanken zu machen, was sie verändern könnten als wirklich etwas zu verändern. Ein Teil der 68er ist auf die Straße gegangen und hat sich mit Wasserwerfern beschießen oder vermöbeln lassen. 1848 haben das schon mal welche gemacht und auch einiges gerissen. Ok ohne Wasserwerfer. Heute gibt’s Menschen, die auch für irgendwas einstehen. Einige engagieren sich bei Greenpeace, andere wollen die Monarchie zurück und gründen dafür Vereine. Das ist seltsam aber okay. Immerhin etwas. Darüber könnte man doch mal schreiben.

Stattdessen wird immer nur darüber berichtet, dass wir ziemliche Faulpelze sind. Ja, die meisten zwischen 20 und 35 sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Ja, wir wissen fast alle nicht, was Sache ist. Und ja, es gibt viele viele, die so unglaublich individualistisch sind, dass sie gar nicht merken, dass alle anderen in exakt den gleichen Klamotten rumlaufen, die gleiche Musik hören und den gleichen beschissenen Job als Freie in der Agentur XY haben.

Ich will interessante Specials. Über junge Menschen, die Dinge tun, die ich noch nicht kenne. Unser Genereation geht es verdammt gut. Wir tendieren nur dazu, permanent zu jammern. So wie ich. 6,80 Euro für so einen Mist! Naja, das Cover war gülden. Immerhin.

Neulich in der Kantine

Ich: jaaa und da hab ich das jetzt halt mal bestellt und wart noch auf das Geld und… Wer is er? (???)

Sie: Wer?

Ich: Er! (!!!)

Sie (dreht sich um): Ach der sitzt bei mir im Büro.

Ich: Aha. Nett.

Sie: Joa auf jeden. Aber n bissl doof.

Ich: Wie doof?

Sie: So vom Kopf her.

Everything is shit
via

Wenn ich das mal sagen kann, hab ichs geschafft… auf meine kranke Art und Weise.

in Gedanken

Manchmal macht man Dinge so in Gedanken und merkt gar nicht, dass man sie tut. Ich mach das dauernd. Midestens zwei Mal die Woche lege ich in Gedanken meinen Autoschlüssel irgendwohin und such ihn die restlichen fünf Tage. Ich hab eingekauft und leg den Käse in Gedanken auf die Tiefkühltruhe in der Garage. Nach zwei Wochen wunder ich mich über den Gestank nach saurer Milch. Manchmal stell ich in Gedanken mein Auto irgendwohin und such das dann morgens um vier. Das kann aber auch am Bier liegen.

Ich bin immer in Gedanken, weil ich immer mindestens drei Sachen auf einmal im Kopf habe: Hunger, schön draußen…, muss unbedingt noch zur Bank. Oder: Hunger, die Katze is soo süß, noch zwei wichtige Mails schicken. Oder (wie vorhin): Hunger, hehe dieser Barney…, so jetzt nur noch die Präsentation auf den Stick schieben und dann ist alles klar für die Prüfung. Alles in Gedanken.

Und dann sitz ich Auto auf dem Weg zu meiner aller aller aller letzten fu***n Uni-Prüfung in my whole life und fange an zu schwitzen. Ja, es sind 33 Grad und meine Klimaanlage ist kaputt, aber das ist nicht der Grund. Hab ich wirklich vorhin die Powerpoint-Datei per Drag’n’Drop auf meinnen Stick gezogen während ich mich über Barney Stanson schlappgelacht habe? Hm. Noch eine Stunde bis zur Prüfung. Selbst wenn dem nicht der Fall ist, kann ich nochmal nach Hause fahren, die Datei speichern und ohne Probleme pünktlich zurück sein. Ach und selbst wenn ich nicht fahre. Hab ja alles im Kopf. Qualitätsmanagement im Journalismus. Suck it. Hält eh keiner Konsequenz durch. Quintessenz gut herausgerarbeitet. Danke. 1,0.

Es ist jetzt 14:36 noch knapp 20 Minuten bis zur Prüfung und ich blogge. Ich sitze weder im Auto und heize mit 120 Sachen durch den Wald, noch schlag ich meinen Kopf gegen Glastüren. Nein, ich sitze an einem Rechner in der Uni und bin ganz entspannt. Manchmal mach ich gute Sachen in Gedanken. Ich erinner mich nur nicht mehr daran.

Na denn mal: Waidmanns Heil.

Desinteresse

Dieser Dialog ist bezeichnend. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur mit so geht. Ein Dilemma.

ich: „If anyone is on Twitter, set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians‘ access to the internet down. Cut & paste & pass this on please.“ keine ahnung obs was bringt… aber ich habs mal gemacht
sie: mom… wobei: wäre es nich schlauer, wenn die iraner einfach ihre settings ändern??
ich: ja, aber sag das denen mal… kannst ja ma ne telefonkette starten *g
sie: dafür ist twitter doch da!
ich: dann poste deine Idee da und hoff, ein iraner liest das… ich glaub achmadineshad tiwtter auch heimlich…. aufm klo
sie: neee. der diktiert und lässt twittern
ich: aufm klo
sie: ja, klar
ich: gott, ich politbanause
sie: ?
ich: alles demonstriert…studenten gegen die bildungspolitk, iraner für demokratie, webfuzzis gegen websperren, irgendwer sicher für mehr zwiebeln auf hotdogs…und mich geht einfach nix was an. bitter.
sie: hm. hast anderes im kopf. ich protestiere nicht, weil ich objektiv bleiben muss. deswegen darf ich ja auch in keiner partei sein.
ich: hm du bist ja auch echter journalist…bei ner echten zeitung…mit anspruch und so
sie: ja, irgendwie schon. in der uni habe ich damals schon mitgemacht, bei den streiks und so.
ich: ja ich auch gegen studiengebühren. aber ich fühl mich halt echt abnormal desinteressiert.
sie: ich kenne das aber auch, dass man abstumpft. gerade als journalist wird meine hemmschwelle immer höher. also, klar gibt es dann sachen, da sagt man: hey, krass. aber es berührt mich dann nicht. ist auch oft etwas unheimlich
ich: naja aber das is halt son journalisten ding. das abstumpfen. ich informier mich ja noch nicht mal drüber, weil ich einfach keine lust habe. les momentan nicht mal nachrichten im netz. schau maximal tagesthemen. das wars.
sie: ja, aber auch vielleicht weil du auf medien keinen bock hast.
ich: stimmt.

dämlich und faul

ich habe selten so ahnungslos vor einem Programm gesessen wie vor SPSS. Ich hab wirklich ganz ganz ganz wenig schimmer davon, was ich da tu. ich weiß weder wie man ergebnisse benennt, noch umwandelt, noch irgendwie untereinander verknüpft. ich weiß nur wie man die unmittelbaren antworten auf die 20 fragen auswerten kann. also das minimalprogramm (was evtl sogar reichen würde). mehr nicht. das ist dämlich.

es gibt im netz etliche tutorials, die alle irgendwo in irgendeinem kapitel das erklären, was ich brauche. leider hab ich aber ein konzentrationsproblem und kriegs nicht hin, einen text mit mehr als zwei absätzen aufmerksam von vorne bis hinten zu lesen, ohne zwischendrin an irgendetwas anderes zu denken. so wichtige dinge wie „was ess ich denn heute?“ oder „oh schau mal die katze macht witzige sachen!“. die war echt lustig vorhin. hat mit der pfote oben hinterm drucker durch das loch gegriffen und das quietschentchen… SEHT IHR!!! ich müsste mich also einfach nur mal auf den hintern setzen, die umwelt abschotten und in beisein des bösen programms ein tutorial nach dem anderen lesen und alle optionen durchprobieren. mach ich aber nicht. das ist faul.

Kleines Diplom-Tief

Die Magisterarbeit meines Cousins über „Nukleare Irgendwasstrategien im Kontext globaler Irgendwasumstände zwischen den USA und Nord-Korea“ in den Fächern Politikwissenschaften und Englisch (Note 1,0) lässt meine Diplomarbeit irgendwie… arm aussehen.

Aber es hilft, das Worddokument drei Mal am Tag zu öffnen und einfach nur durchzuscrollen, wenn ich sonst schon keine Lust habe, irgendetwas daran zu machen.

Die 10 Gebote

Nach nunmehr vier Monaten in der Straßenumfragebranche habe ich einiges gelernt. Soviel, dass ich mit meinem fundierten Straßenumfragenwissen fundierten Tipps und Tricks für eine gelungen Straßenumfrage geben kann. Also:

  1. Lächle. Immer. So lang bis dir schlecht wird. Und darüber hinaus.
  2. Vergiss deinen persönlichen Geschmack. Lautet die Zielgruppe männlich zwischen 25 und 40, dann ist das so. Wer auf die Schönen wartet, steht ewig rum.
  3. Wenn ein Mann vor dir wegrennt, renne nicht hinterher.
  4. Stell dich an eine enge Furt (max. 2 Meter Breite). Am besten zwischen Schaufenster und U-Bahn-Eingang. Sie müssen an dir vorbei und laufen so direkt in die Falle.
  5. Meide Promoter. Sie schwatzen dir die Knochen ihrer Großmutter auf bevor du überhaupt zu Wort kommst.
  6. Meide die Nachbarschaft von Promotern. Die nerven Passanten schon genug. Deine Chncen sind dann merklich geringer.
  7. Entwickle ein Gespür für die Zielgruppe. Gutgekleidete Banker mit Schleimfrisur machen so einen Unfug eh nicht mit.
  8. Kontrolliere das Gespräch. Einer unter 50 Befragten hört nicht mehr auf zu Reden. Bestimme, wann Schluss ist.
  9. Wenn du Bilder der Befragten machen musst, sorge für eine gute ethnische Mischung der Befragten. Knifflig in Gegenden wie Neukölln oder dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.
  10. Nie Pärchen anquatschen. Ganz besonders nicht bei Fragen nach sexuellen Präferenzen.

Amen.

Das Kind hat einen Namen

Mittlerweile bin ich mit der Diplomarbeit so weit fortgeschritten, dass ich mir Gedanken über einen geeigneten, aussagekräftigen Titel machen kann.

Meine Umfrageteilnehmer haben zum größten Teil sehr konstruktive Kritik an dem zu untersuchenden Webauftritt geübt:

„Ich finde es chaotisch, unübersichtlich, vollgerümpelt mit Werbung, dünner Inhalt, Klatsch und Tratsch – ein Trauerspiel“

oder

„Zu tendenziell“

Daher mein Titelvorschlag:

„Tendenziell eher ein Trauerspiel – Eine Analyse und Nutzerumfrage zu xy, dem neugestalteten Lokal-Portal von xy.de“

Das trifft (völlig wertfrei betrachtet) sowohl auf das Ergebnis meiner Forschung zu als auch auf meine (bislang) 70-seitige Ausarbeitung. Das ist quasi brilliant!

172 Tage bis weg

Ich muss gestehen, dass ich die letzten zwei Monate echt gezögert habe. Will ich wirklich weg? Ich meine WIRKLICH weg. Ein One-Way-Ticket ans andere Ende der Welt zu buchen, ist irgendwie nicht so einfach wie fünf Tage Club-Urlaub auf Malle zu ordern. (never did, never will)

Aber jetzt endlich.

Jetzt ist es fix. In exakt 172 Tagen bin ich weg. Und ich hab keinen Schimmer wann ich zurückkomme. Vielleicht komm ich nicht mal in Buenos Aires an. Air Comet klingt schon so nach Absturz. Naja egal. War der billigste Flug.

Irgendwie tut das gut, so gar nicht zu wissen was passieren wird. Bisher wusste ich immer zumindest ansatzweise, was mich erwartet.

2005: Studium beginnt. Campus is n Katzensprung von meinem Zuhause entfernt. Menschen werden schon alle on Ordnung sein. Läuft irgendwie.

2007: Praktikum in Hamburg. Verlag kennt man. WG wird schon passen. Menschen werden in Ordnung sein. Läuft irgendwie.

2008: Praktikum in München. s. 2007

2009: Argentinien. Fünf Wochen bei der Familie, Sprache lernen und dann? Keine Ahnung.

Rumreisen klar. Solange bis das Geld knapp wird und dann arbeiten. Solange bis wieder Geld da ist und dann wieder rumreisen. Tauchschein machen. Menschen kennenlernen. Rumgammeln. Irgendann ernsthaft Gedanken über die Zukunft machen. Dann entweder dort dauerhaft Wurzeln schlagen. Job, Hochzeit, Kinder, Rinderfarm. Oder eben nicht. In dem Fall bin ich Frühjahr 2010 wieder da.