Montserrat the Christmas Poo

Many dressy moments werde ich im Sommer beiwohnen. Zwei Hochzeiten und eine Diplomfeier und dafür muss man sich ja schon ein wenig rausputzen. Ich ziehe nie Kleider an. So arg nie, dass ich auch auf nervtötenden Musicalpremieren im mondänen Hamburg im grauen Hosenanzug auftauchte und mir von ignoranten Menschen, die mir zum wiederholten Male nicht zum Geburtstag gratuliert haben anhören musste, ich sähe wie eine spießige Geschäftsreisende aus.

In der Vergangenheit gab es immer einen sehr guten Grund, warum ich Kleider mied: Ich sehe darin scheiße aus. Was mich glauben lies, dass sich das in diesem Jahr anders sein soll, weiß ich nicht. Ich lies mir dennoch eines maßschneidern. Via ebay habe ich mir in Shanghai ein braunes Cocktail-Kleid für 59 Euro bestellt, an dem sich in Windeseile junge Chinesinnen die Finger wund nähten. Globalisierung und so.

Gestern kam es an. Und ich sehe darin aus wie Mr. Hanky the Christmas-Poo. Fabe stimmt, Form ebenfalls. Hätte ich eine Opern-Stimme könnte man mich auch leicht mit Montserrat Caballé verwechseln. Ich werde also wieder Hosenanzug tragen. Auf allen drei Veranstaltungen. Und zwar genau den, den ich auch schon in Hamburg trug. Darin seh ich gut aus. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Arschloch.

In Hamburg gelernt

Nach einem Wochenende in Deutschlands schönster Stadt erlangt man Erkenntnisse, die man vorher noch nicht hatte (auf die man aber zum Teil sehnlichst gewartet hat):

– Es kommt nicht darauf an was man sagt, sondern wie. So kann man  sich getrost mehre Minuten völlig grundlos mit einem Prüfungsgremium über Schweinehälften und den Naturalientausch im zweiten Weltkrieg unterhalten und bekommt den ersehnten Job trotzdem. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch!

– Man kann irgendwo zwischen Neuem Pferdemarkt und Kiez im „Gulasch-Club“ (nicht Club… irgendwie anders… aber Gulasch stimmt) nachts um halb eins Kunst erstehen. Meint jedenfalls ein betrunkener aber kultivierter Mensch mit lockigem Haar. Was für Kunst er gekauft hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich barocke Bilderrahmen, die schwarz lackiert sind und Beuys-Kunstwerke aus Fett, Pizzabelag und Schnürsenkeln – Hamburgzeug eben.

– Man braucht an einem Abend in Hamburg etwa zwölf Euro, um angenehm betrunken zu werden. Das reicht für sechs Caipi oder sechs Astra, oder vier Astra und zwei Caipi, oder vier Astra, einen Caipi und zwei Korn. Oder fünf Astra und einen Caipi. Oder acht Korn, ein Aastra und einen Caipi… etc.

– Wenn man zwanzig Cent in einen Brunnen wirft und sich was wünscht, kann es sein, dass der Wunsch etwa zwei Stunden später schon in Erfüllung geht. Man wird dann so melancholisch feucht in den Augen, wenn man mit der Hafenfähre vorbei am Elbstrand fährt. Kann aber auch am Gegenwind liegen.

– Liebe ist wie Windpocken. Man muss sie ausschwitzen. Es juckt tierisch und nervt einige Wochen (Monate) und wenn es vorbei ist, bekommt man sie nie mehr und ist immun – auch wenn der Erreger direkt vor einem sitzt und Bier trinkt. Demnach ist Liebe auch irgendwie wie Masern, Röteln oder Mumps. Nur immer ein anderer Erreger. Hatte ich aber alles nie. Kann also noch lustig werden.

Elefanten sterben einen qualvollen Tod, wenn man sie mit Butterkeksen füttert. Dieser Tatsache muss man ganz nüchtern ins Auge blicken. Is einfach so.

– Menschen sterben hingegen nicht, wenn sie sich innerhalb von sechs Stunden zwei Marmeladen-Coissants, ein Würstchen mit Senf, einen Hotdog mit allen widerlichen Zutaten, ein Matjesbrötchen mit Zwiebeln, Pommes mit Ketchup und Ingwer-Haselnuss-Eis reinstopfen und danach 1,5 Liter Apfelschorle auf ex trinken.  Aber ihnen wird völlig verdient kotzübel davon.

– Man darf zwei angetrunkene Mädels niemals nachts um halb zwei alleine vor einer Kneipe im Portugiesen-Viertel sitzen lassen (scheiß egal, wie früh der Flieger geht!). Besonders nicht wenn eine davon ein Deppenmagnet ist. Es tauchen seltsame Gestalten auf…

Jaaa, Wörter fetten macht Spaß.

HH vs. M und Uschi Glas

Ich bin seit gut drei Tagen in der Stadt. Das heißt: Ich weiß noch nichts über München, aber ich beobachte gerne Menschen und bin mitteilungsbedürftig. Pauschalisierung ist mein Steckenpferd und deshalb werden hier alle Bobachtungen schön auf den Müncher oder die Münchnerin übertragen. Obs stimmt oder nicht, ist mir fürchterlich egal.

Auf dieser, vom bösen Weltallmachtskonzern gespendeten Übersichtskarte, sieht man meine Route, die ich heute mit Stadtplan abgelaufen bin. Ich könnte jetzt mit wunderschönen Naturaufnahmen langweilen. (Ich hab noch nicht viel vom Englischen Garten gesehen, aber DA ist es definitiv am schönsten. Alle die es nicht erkennen, weil meine Handykamera mies ist: Es ist ein Wasserfall)

Ich langweile lieber mit faltigen Frauen: Ich schwör, ich hab heute Uschi Glas gesehen!! Und ihre Schwester!! Und ihre Cousine!! Hm, irgendwie sehn hier alle so aus wie die. Und jeder hat was Glitzerndes an. Weiß der Teufel warum.

Ich finde das ist der größte Unterschied zwischen Hamburg und München. Hamburg ist eher wie die Spitze eines Converse-Sneaker, nachdem man ihn vier Wochen non-stop getragen hat: überzogen von einem sympathischen Schmutzfilm. München ist auf Hochglanz poliert. Weiß noch nicht, wie ich das finden soll.

Was Hamburg und München gemeinsam haben: In beidem Städten gibts riesige, dünne Männer, die Sneakers, kurze Cargos, Bart und Hut tragen. Find ich gut.

Seien sie auch morgen wieder dabei, wenn es heißt:
„Ich weiß nichts von München, aber ich teile meine Ahnungslosigkeit gerne mit dem Rest der Welt.“

Deppenmagnet reloaded

Er ist wieder da. Der Deppenmagnet. Seit Monaten wundere ich mich wo er abgeblieben ist. Hab (für mich sehr ungewöhnlich) tatsächlich über knapp fünf Monate hinweg keinen Idioten getroffen. Also keinen, der von jeglicher äußerlicher Tarnung absieht und beim ersten Satz gleich jede Hoffnung auf Normalität zunichte macht. Doch das ist jetzt vorbei.

Der Deppenmagnet wirkt wieder und heute gleich in Form eines kleinen dicken Kroaten, der sich gleich mit der Begrüßung ins Abseits geschossen hat: „Hallo schöne Frau. Wir Kroaten sind zu dumm zum Komplimente machen. Wir meinen sie immer so“, blubberte es. Die Kauleiste war wie die Gemüseauslage eines Lidls Mittwochabend um fünf vor acht – ziemlich faulig. Da sitzt man also an einem Sonntagnachmittag mitten in Hamburg und genießt die letzte Sonne des Wochenendes und die erste richtige Sonne des ganzen Jahres und dann das. Und man fragt sich: Warum ich? Hamburg ist groß. Es wimmelt vor Menschen, die verzweifelter aussehen als ich. Ich sitz nur rum, werd langsam zum Grillhähnchen und les dabei Zeitung. Ich lieg nur auf der Bank, veröde mir mit dem Sonnenlicht die Netzhaut und hab seit circa 24 Stunden meine Haare nicht mehr gewaschen. Was also animiert Deppen darn, mich derartig blöd anzusprechen?? Er hat zu viel geredet, als dass ich irgendwo ein „Ähhh bitte verpiss dich.“ hätte einschieben können. Zum Eis wollte er mich einladen, Geld wollte er mir schicken, damit ich ihn mal besuche. Kroatischen Wein wollte er bestellen. Für mich und ihn. Wenn ich ihn mal besuche.

Nach gefühlten drei Stunden beschließt man dann doch mal, nicht weiter genervt werden zu wollen und legt diese philantropische Grundeinstellung ab. Spätestens nach seinem Versuch, mir die Hände zu massieren. „OOhhhhhhh ich will hier einfach nur meine Ruhe! Lesen! Sonst nichts!“

Und jetzt weiß ich zumindest was „Schlampe“ auf kroatisch heißt. Klang nach „Muscho“ oder so. Ach Männer. Alle gleich! Erst mutwillig nerven und dann pöbeln.

*knips*

Mein Verhältnis zu Blitzern ist eher ambivalent.Zum einen habe ich ein halbes Jahr direkt neben einem solchen gewohnt. Also wort wörtlich daneben. Um die fünf mal pro Minuten hat es neben meinem Fenster in Hamburg geblitzt und ich habe eine nicht unwesentliche Teil meiner Zeit damit verbracht, mich köstlich über diese Idioten zu amüsieren, die sich da im Akkord unfreiwillig ablichten lassen. Ich war sogar so etwas wie ein Blitzer-Tourist. Stand mit Bier im Hauseingang vor dem Gerät und habe applaudiert, wenn einer mal ein wenig zu schnell war. Das waren Zeiten…
Zum anderen werde ich selbst ständig Opfer der Blitzanlagen. Einmal auf dem Weg nach Hamburg zwischen Kassel und Göttingen. Die abschüssige Autobahn verlockte zum schnellen Fahren. Die Warnschilder hielt ich für einen guten Scherz und schon war ich 72,63 Euro ärmer und drei Punkte in Flensburg reicher. Auf dem Bußgeldbescheid stand, dass ich mit einem Fahrverbt rechnen müsse, sollte ich in den folgenden zwölf Monaten wieder mehr als 26 km/h über der Richtgeschwindigkeit liegen.

Kurz und schmerzlos. Vorhin hat es wieder geblitzt. Nur für den Fall, dass ich die magische 26 geknackt habe: Wer fährt mich ab jetzt?!

Same procedure as every day…

Das sagt eigentlich alles über meine momentane Stimmung: die Summe diverser mieser Begebenheiten. Wohl bekomms.Bild zeigt eine Installation in der Bernstorffstraße in Hamburg. Text dazu: „Same procedure as last year, Miss… ?“

lost and found

Nach dem Umzug geht der Spaß erst so richtig los. Die absoluten Lieblingsbeschäftigungen: einsortieren, umräumen, wegwerfen und nostalgischerweise in Erinnerungs-Kisten packen.Natürlich gehen in sechs Monaten Exil einige Dinge verloren. In die ewigen Hamburger Jagdgründe wurden geschickt:- 2 Ohrringe unterschiedlicher Paare- 1 komplettes Paar- 1 Mappe mit (hoffentlich) unwichtigen Unterlagen- 2 Astra, die noch im Kühlschrank stehen (verdammt…)- 2 Handys und ein Geldbeutel (ja, die Geschichte ist bekannt)- die hintere Hälfte meiner schwarzen Chucks (die wurden dann „sommertauglich“)- der gute Eindruck, der so ziemlich nirgends hinterlassen wurdeDas kommt hoffentlich wieder:- 1 paar braune Lederstiefel- Claudis Schal- ein beachtlicher Teil meines VerstandesUnd zwei Sachen kann ich nicht so recht zuordnen:- 1 dunkelblaue Socke mit etwas durchgelaufenen Hacken- 1 gebrannte CD mit kunstvoll fotografierter Architektur (WTC zum Beispiel), auf der „© Peter Thomann – Analog“ stehtworldtradec

Klischee-Silvester

20:00 – 20:30 „Dinner for one“ geschaut (Ein Glas Wein genossen)20:30 – 21:30 den Magen bis zum zerbersten mir Raclette und Fondue vollgehauen. Danach noch Kreppel und Dickmanns… das geht ja immer rein. (Dazu Wein)21:30 – 22:20 Bleigießen. Ergebnis: „Alter Mann mit Baum“ – Hohes Alter und Wunscherfüllung bedeutet das. Yeah, ich werd 120 und stinkreich!! (völlig effektlos Wein in sich geschüttet)22:45 – 23:54 Zu den Landungsbrücke gelaufen und versucht den besten Platz zu finden, um das Feuerwerk zu sehen. Festgestellt, dass die Hamburger zu laut, zu durch und viel zu früh dran sind. Verballern schon eine Stunde früher ihr ganzes Zeug. Im Endeffekt vor lauter Rauchschwaden garnichts gesehen (Festgestellt, dass Rotwein als Proviant ungeeignet ist. Wird zu schnell zu kalt. Immernoch nüchtern)00:00 Erst gemerkt, dass Mitternacht ist als die Schiffe auf der Elbe alle gehupt haben. WEIL DAS FEUERWERK JA SCHON GEFÜHLTE 3 STUNDEN FRÜHER LOSGING!!! Unromantische Muschelschubser…. argh (Angestoßen. Zu dritt. Mit einer Flasche. Muss man auch erstmal können)00:18 – 00:45 Irgendwie den Weg zur Reeperbahn überlebt und Assoziationen zur Landung in der Normandie versucht zu vermeiden (Wein dann mal irgendwohin gestellt. So lecker wars dann doch nicht mehr)Irgendwie bis um 03:00 im Nachtlager die Zeit bei guter Musik rumbekommen und wieder nach Hause. (Endlich ein Bier. Man beachte: eins)03:15 – 04:05 Fressorgie mit den Raclette-Resten veranstaltet und sich danach echt mies gefühlt (Wenn schon nüchtern, dann richtig und O-Saft getrunken)03:37 Zwei betrunkenen Männern an der Tür erklärt, dass hier weder eine Frau Schulz, noch eine Susanne wohnt, die wilde SMS verschickt, und sie in Stockwerk 4 verwiesen.04:05 – 04:15 Ordnung gemacht und Weinreste entsorgt08:00 aus dem Bett gefallen… komplett nüchternSchönste Silvester-SMS:“Guten Rutsch ins neue Jahr 2008. Ich weiß, es ist noch sehr früh. Aber ich kenne so viele Leute, die hübsch, reich und sexy sind, denen ich schreiben muss. Also dachte ich, ich fange bei den armen Arschlöchern, Alkohlikern und Drogenabhängigen wie dir an. Happy new year!“Danke, dir auchUnd Handynetze an Silvester sind ganz arge Sissis… Mail-Provider, die nicht an mehr als vier Adressen gleichzeitig verschicken, auch. Genau so wie das pussyge StudiVZ, das bei zu langen Statusnachrichten streikt. Deshalb halt hier: FROHES NEUES!

Neue junge Spießer

DAS ist so wahr.Und nun übertrage man das bitte auf den typischen Mitt-Zwanziger im Hamburger Schanzenviertel:An den Hacken zerrissene Jeans, dreckige Chucks, A&F-Shirt, schwarze Northface-Jacke. (Frauen haben dann, sofern sie der Tussigkeit erlegen sind, statt Chucks Stiefelletten und statt zerrissener Jeans einen Minirock mit Strumpfhose ab. Muss man mögen…)Neon unter dem Arm und der Klischee-Twen er kauft sich (natürlich wie könnte es anders sein) im kleinen Kiosk auf dem Schulterblatt ein Moleskine. Das Kleine, unliniert.Alle sehn mittlerweile so aus wie die Models auf den gewollt zufälligen Fotos im Modeteil der Neon. Alle finden das gleiche cool: Moleskine und so ziemlich alles mit Medien. Studiert ja auch jeder Zweite. Frag mich was passiert, wenn in 20 Jahren keine Anwaltskanzlei mehr existiert, weil sich die Sprößlinge von damals dachten „Näää der Beruf von Papa is aber echt mal spießig. Ich mach lieber was mit Medien!“ Oder wenn einfach kein Arzt mehr praktiziert, weil alle in Werbeagenturen rumsitzen, Musik promoten und affektierten Journalisten zu dem immer gleichen und sich im Kreis dreheden Fragen Rede und Antwort stehen. Alles dreht sich um Gestaltung, Werbeagenturen, Coporate Design. Und so einheitlich durchgestylt sind sie alle. Fuirchtbar.Und das aller Schlimmste: Man unterscheidet sich in keiner Weise von der Masse. Klägliche Versuche zumindest falsche Chucks zu tragen und das Moleskine bei amazon.com zu bestellen statt im Kiosk zu kaufen, machen das ganze auch nicht besser!!!

Duftendes Klopapier ist scheißegal *

Daran merkt man, dass man in Hamburg doch irgendwie zu Hause war, obwohl man nur 6 Monate hier verbringen durfte:Der Falafel-Mann begrüßt einen, nachdem man 2 Monate nicht in seinem Laden war, mit:“Hey Señora! Du warst lange nicht hier. Schön, dich zu sehen!“Der Kassierer im Kino fragt nach Ende des Films:“Und war der besser als der letzte, bei dem du früher gegangen bist?“In der Mutter erkundigt sich der Barmann nach dem Befinden.Dennoch ist es gut, einfach zu gehen, weil einen hier nichts (mehr) hält.Und zum Film:Ziemlich schön, weil genau so das Leben ist. Nur eben ohne Happy End.* Scharfsinnige Leser werden festgestellt haben: Der Titel hat nichts mit dem Eintrag zutun. Aber es wurde soeben von der Dame auf der Couch erwähnt. Musste mal gesagt werden, wie ich finde…