Protokoll eines Feierabends

Freitagabend 17:00, Darmstadt, Wetter: heiter bis wolkig

Jetzt mal rausholen und blasen
Boah ist der groß!!
Ich mag ja lieber viele Kleine…
Ok, Rauch Reinpusten geht da schlecht.
Mann, mein ganzes Shirt ist feucht!
Ja, mir klebt das ganze Gesicht.
Woah schmeckt schon scheiße…
Irgendwie glaub ich, dass wir Leute belästigen?!
Ah was, die schauen gern zu!
Guck ma, geht ja voll weit!
Uhhh schau mal, der Nippel fällt runter!
Da is noch einer!
Wuuh Mann, das machen wir jetzt seit 6 Stunden!
Zu Hause erst mal das Gesicht waschen…

Seifenblasen pusten in der Fußgängerzone mit dem Allgäuer macht schon sehr Spaß. 😀 Und jetzt Burger. Fleisch.

Das letzte Mal 603

Rückblende: Ich erinnere mich an Abende, die irgendwann zwischen Oktober 2005 und Dezember 2006 stattgefunden haben müssen. Wir waren da, alle zwei Meter sind wir jemand Bekanntem über die Füße gefallen haben uns die ganze Nacht so richtig einen ins Gebälk geföhnt. Danach sind wir betrunken durch den Herrngarten gestolpert. Endstation Herkules. Morgen wieder Uni.

Heute ist das anders. Wir waren zwischenzeitlich alle mal länger weg. Hamburg, München, Essen. Wir sind zurück und man kennt uns nicht mehr. Kein Bekannter, der uns ein Bier ausgibt. Kein „Wah ey scheiße geil ey du auch hier! Lass mal rausgehen“ auf dem Klo. Kein angepisster Barkeeper, der uns bittet, es zu unterlassen, mit der (selbst mitgebrachten) Rezeptions-Glocke rumzubimmeln und „Garçon“ zu rufen.

Stattdessen kleine Hipster-Mädels, die mit verschränkten Armen an den verkratzen gelben Türen lehnen und eben so aussehen wie 19-jährige Hipster-Mädels heute so aussehen: Leggins und Pornobrille. Abends um viertel vor zwölf. Die schielen dann verstohlen über den Brillenrand in unsere Grundlagen-Falaffel und fragen was das denn sei und ob sie mal probieren können. Klar. Lehnen dann aber doch ab, weil könnten ja Kalorien enthalten sein. Leute waren damals auch entspannter (und älter).

Früher kam man um eins, war mit den Türstehern per du und wurde um vier wieder rausgekehrt. Heute kommt man um elf, steht ne halbe Stunde an, die Türsteher schweigen und man geht wieder um eins. Morgen wieder Arbeit. Waren das letzte Mal im  603.

Aber eins ändert sich nie: Pfungstädter schmeckt immer noch so beschissen wie früher. Damals hat’s uns aber weniger ausgemacht.

Max Schröder in der Apotheke

Ich glaub ich hab gerade Max Schröder, den Drummer von Tomte, in Darmstadt gesehen. Er ist über den Luisenplatz erst zur Bank und dann zur Apotheke gelaufen. Bin mir ziemlich sicher, dass er das war: groß, dünn, dichte, dunkle Haare auf dem Kopf und entsprechend viele auch im Gesicht. Außerdem Klamotten, die billiger aussehn als sie eigenlich sind. So wie Schlagzeuger recht erfolgreicher, norddeutscher Bands eben aussehen. Viele von der Sorte gibts hier in Darmstadt nicht. Das wäre mir mit Sicherheit aufgefallen.

Es ist auch gar nicht so abwegig, dass Max Schröder an einem stürmischen Märzabend in Darmstadt rumrennt. Tomte spielen nämlich heute Abend in der Centralstation. Also quasi jetzt gerade. Ich wäre auch echt hingegangen, wenn mich Tomte nicht so wahnsinnig machen würde. Das liegt weniger am Schlagzeuger als am Sänger. Dessen sich dahin schleppende, von zäher Lethargie besudelte Stimme lässt in mir den Wunsch keimen, mir heiße Nägel in den Kopf zu rammen.

Naja, man muss ja nicht alles mögen…

Männer belästigen im Akkord

Es gibt nichts Anstrengenderes, als dreieinhalb Stunden bei gefühlten 17 Grad Minus rund 40 Männer zwischen 25 und 43 anzusprechen und um ein Statement plus Foto zu bitten. Und dabei immer schön lächeln.

Es ist überraschend wie viele wohlgeratene Singles es in Darmstadt gibt. (Und wie viele noch viel wohlgeratenere Nicht-Singles. Ok, das ist ein bisschen bitter.) Also nicht, dass ich das persönlich interessieren würde. War alles im Dienste der Wissenschaft.. naja… eher der Unterhaltung. Ach egal.

Und jetzt Werbung.

Bekehrungsversuche

Es ist 18:45. Feierabend. Der einzige Gedanke: Nach Hause, Füße hoch die Welt kann mich sonst wo.

Aber ich bin ja nicht umsonst zurück in meinem „Revier“. Natürlich treffe ich Bekannte aus Schulzeiten, die mittlerweile auch im Hamsterrad um ihr Leben rennen. Und die wollen auch alle nach Hause. (Man muss an dieser Stelle dazu sagen, dass ich in einer Region mit großem Migrantenanteil wohne)

Typischer Dialog:
„Und was machst du jetzt?“
„Joa arbeiten. Redaktion.“
„Aha. Schon fertig mit dem Studium?“
„Nene hab noch ein Fachsemester.“
„Journalismus dann?!“
„Ja genau.“
„Aha. Weißt du was ich an euch Journalisten nicht mag?“

Oha! Jetzt gehts los. Mir Fallen auf Anhieb sieben Gründe ein, warum Journalisten verachtenswert sind. Mal gespannt was er im Sinn hat.

„Ihr berichtet einseitig über den Islam.“

Scheiße. Das Thema. Und Jetzt?
Was folgt sind 45 Minuten Belehrungen über den muslimischen Glauben, den Koran und Mohammed. Darüber dass es so etwas wie Ehrenmorde, Terroranschläge und Zwangsheiraten im Islam nicht gibt. Alles falsche Auslegung vewirrter Muslime. Die Medien stellten das aber falsch dar, einseitig, ohne Reflexion, ohne wirklich die Gläugigen zu befragen, die friedlich mit ihrem Glauben leben. „Immer nur sind Muslime Terroristen und Verbrecher!“ – „Öhm keine Ahnung, schreib doch mal nen Leserbrief?!“

Wirklich ein interessantes Thema. Ein wichtiges Thema. Irgendwo ist die Aufregung auch verständlich und nachvollziehbar. Es stimmt, dass bei vielen Medien bei diesem Thema die einzige Reflexion darin besteht, Deutsche, die drei Semester Islamwissenschaften studiert haben, als Experten zu befragen. Gerechtfertigte Kritik. Aber ich bin leider der falsche Empfänger als konfessionsloses Balg abends um mittlerweile halb 8! (Das ganz nebenbei noch nie einen Text zum Islam verfasst hat und das nach diesem Blogeintrag auch schön wieder sein lässt)

Versuche mit zum Islam zu bekehren sind auch gescheitert. Springe nicht auf Slogans an wie: „Weißt du warum du unglücklich bist? Weil du nicht an das einzig Wahre glaubst!“ Ich glaub in solchen Momenten, dass mich ein Pferd tritt. Ich unglücklich?!

Und wieder der Gedanke: Nach Hause, Füße hoch ja genau du kannst mich sonst wo.

Orgastische Zustände

Ich habe heute tatsächlich für den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht, heute Abend zu Hause zu bleiben, Medienrecht zu lernen und das Spiel mit einer Flasche Bier alleine von der Couch aus zu verfolgen. Zum Glück ist mein Verstand rechtzeitig zurückgekehrt. Denn wie heißt es so schön: Klausuren kann man wiederholen, das erste wichtige Vorrundenspiel der EM nicht… oder so.

Und was soll ich sagen? Alles noch das Gleiche wie vor zwei Jahren. Wir haben schon wieder wohlverdient gegen Polen gewonnen. Das Carree in Darmstadt ist vollgestopft mit Menschen, die schreien, jubeln und sich umarmen. Der Cityring is ein einziger Autokorso und ausnahmslos jeder schwenkt eine Deutschlandflagge.

Naja, alles das Gleiche? Fast. Irgendwann in den vergangenen zwei Jahren wurde „Seven Nation Army“ zum musikalischen Standardrepertoire hinzugefügt und ich habs scheinbar nicht mitbekommen. Da steht man zwischen Hunderten, die synchron die Anfangsmelodie anstimmen und man fragt sich: Warum nur? Is ja fein, dass sich etwas weiterentwickelt, aber man muss ja jetzt nicht alles zum Sauflied umfunktionieren. 

Was auch anders ist: Das Publikum ist jünger. Zumindest das, das mich die ganze Zeit eingekesselt hat. Alle höchstens 16 und viel zu laut und viel zu nervig. Erstaunlich wie niveaulos und prollig ich werden kann, wenn mir Leute unglaublich auf den Sack gehn. Was ich genau gesagt habe, ist mir entfallen, aber nett wars nicht. Aber verdient.

Und sonst? Das Spiel hätte so nochmal eine Halbzeit weitergehen können, so viel Spaß hat das gemacht. Wuhu! Geiler Scheiß! Geht doch nichts über einen gepflegten 90 Minuten Adrenalinstoß. 

 

Kicker gucken im Audimaxx

Normalerweise laufen im Audimaxx der TU Darmstadt Blockbuster und Hollywood-Klassiker. Während der Europameisterschaft tut der Filmkreis der Uni etwas für das (leibliche) Wohl des fußball-affinen Studenten und lädt zum Public-Viewing:

 

So 08.06.08 Live ab 20:45 Uhr im audimaxX

                  DEUTSCHLAND – POLEN

                  Eintritt frei! – Einlass ab ca. 20:15 Uhr

 

Do 12.06.08 Live ab 18:00 Uhr im audimaxX

                  DEUTSCHLAND – KROATIEN

                  Eintritt frei! – Einlass ab ca. 17:30 Uhr

 

Mo 16.06.08 Live ab 20:45 Uhr im audimaxX

                  DEUTSCHLAND – OESTERREICH

                  Eintritt frei! – Einlass ab ca. 20:15 Uhr

                  Freibier & Snacks in Kooperation mit Continental

 

Verlierer-BuchseWieso gibts denn nur bei dem Spiel gegen Österreich Freibier?! Gerade das übersteht man doch auch nüchtern ganz gut. Wird wohl kaum etwas Unvorhersehbares passieren. Da wird mir auch kein Österreicher widersprechen. 

Was ist nur los mit euch…?

                  

So weit ist es gekommen

Es ist warm, es ist sonnig. Was tut man also an einem Samstagnachmittag wie geschaffen fürs Faulenzen und Nichtstun?

Genau, man schnappt sich Kamera und Stativ und dreht Atmos für den Magazinbeitrag, den man nächste Woche für das Videoseminar braucht. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Man ist nämlich an der frischen Luft und trifft Menschen. Unter anderem auch Seltsame.

16 Uhr in der Darmstädter Orangerie. Sieben bis neun Jugendliche zwischen 14 und 16 liegen auf der Wiese und fragen, nachdem man die Kamera aufgebaut hat, ob sie mit aufs Bild dürfen. Klar, je mehr Menschen faul im Park liegen, desto besser für die Story. Also Kinderchen vor der Linse drapiert und ab gehts.

Dialog im Anschluss:

Junge mit Flaum auf der Oberlippe: „Für was isn das eigentlich?“

Ich: „Wird ein Film für die Hochschule.“

Junge mit Flaum auf der Oberlippe zu Jungen mit Pickel an der Schläfe: „Cool. Ey wir sind dann eigentlich auch Studenten jetzt. Ey endlich im StudiVZ anmelden!!“

So weit ist es gekommen…

13 semester

Wenn in Darmstadt EINMAL was halbwegs Aufregendes passiert, muss man auch darüber berichten.

Jaaa, ganz großes Kino in Colon-City. Die Crew von „13 Semester“ dreht seit Anfang April in der Stadt einen Film über das studentische Lotterleben zweier angehender Wirtschaftsinformatiker, die so ziemlich genau das erleben, was Darmstadt als Studienstandort so liebeswürdig macht: Nicht viel außer ab und an eine mittelprächtige Party, Alkohol und nervige/nicht ganz so nervige Mitmenschen.

Die Freunde Momo und Dirk (gespielt von Max Riemelt und Robert Gwisdek) kommen aus Brandenburg nach Darmstadt. Das erklärt einiges. Hatte mich schon gefragt, warum man für einen solchen Film ausgerechnet Darmstadt als Kulisse wählt. Aber wenn man aber vom noch arschigeren Arsch der Welt kommt, ist das wirklich ein Fortschritt.

Auf dem Blog zum Film gibts nette Ausschnitte von den Dreharbeiten. Unter anderem auch einer, der den Take zu einer Sexszene zeigt. Wie jetzt, in Darmstadt haben Studenten ein aktives Sexualleben?! Ja scheinbar. Keine Ahnung. Ist mir neu.

Aber wie das in Darmstadt so ist: Effektiv passiert NIX!

Bin trotzdem auf das Ergebnis gespannt und sitz wahrscheinlich gleich am ersten Tag in den Kinos. Ein bisschen Lokalpatriotismus muss sein.

Es werden noch Komparsen gesucht. Ich mach da nicht mit. Die wollen die Konfektionsgröße wissen. Glaub denen gehts zu gut.

Darmspiegel

Und nun mal gewollt offensichtliche Werbung für meinen Studiengang, uns möchtegern-Journalisten in den Kinderschuhen und ja… auch irgendwie Werbung für Darmstadt. Das erste Studentenmagazin der Stadt, in der immerhin 30.000 arme Irre studieren müssen, ist sein heute online. Und wer hats gemacht? Rischdisch. Online-Journalisten und zwar die ganz kleinen. Die Ersties des letzten Semesters, dachten sich, dass  Darmstadts Studenten schließlich auch wer sind und wer was ist braucht auch ein eigenes Magazin. Gibt ja für genug anderen Unsinn Magazine. Musik, Kino… so Sachen. Darmspiegel heißt das e-paper passenderweise, das monatlich als PDF heruntergeladen werden kann. Viel Arbeit haben sich die Studenten während des ersten Semesters gemacht. Des ersten!!! da haben wir die meiste Zeit damit verbracht, nicht während Medienrecht einzuschlafen und herauszufinden wo man als kluger Student beim Alkoholkonsum sparen kann und dass man NIEMALS irgendwas mit weißer Soße in der Mensa essen darf.  Eigentlich sollte hier eine kleine Blattkritik folgen. Aber beim „Drüberlesen“ musste ich feststellen, dass ich mir das mal lieber in aller Gemütsruhe einverleibe. Sind eine Menge interessante Geschichten rund um Darmstadt, TU, FH und EFH dabei. Interview mit Tocotronic, die im April in der Centralstation spielen. Lustige Japaner, die glauben deutsche packen Würstchen auf den Sushi-Reis und der Grund warum Darmstadt die Punks vom Lui verjagen will. Aber schon selbst lesen.   Ergo: Wir stellen fest, dass aus denen mal eher was wird als aus uns, die schon zwei Generationen weiter sind. Das is gelinde gesagt krasser Scheiß. Euch is hoffentlich klar, dass ihr das hohe Niveau halten müsst, das ihr mit Ausgabe eins vorlegegt hab.  Nein, im Ernst: Hoffe, dass das Projekt auch stressigere Semester übersteh. Ich freu mich auf diese Ausgabe, die nächste am 1. Mai und hoffe, dass ihr das auch irgendwann gedruckt rausbringt. Online-Journalismus hin oder her. Das kommt auf Papier gleich noch eine Ecke besser. Wuhu!