Erstes eigenes Schätzgen

Es geht ein neuer Lebensabschnitt los! Ich habe mir mein erstes eigenes Auto gekauft und könnte stolzer nicht sein. Umschwung! Dinge bewegen sich! Schnell und so wie ich es will!

Ab jetzt sitz ich nicht völlig gelangweilt an diesem elenden Stadt-Bahnhof rum – In der Bronx des Bodenseekreises, im Gelsenkirchen Süddeutschlands, im häßlichen Friedrichshafen. Ich starre nicht mehr jeden Mittwoch zwischen 20:35 bis 21:30 auf die Uhr im Warteraum. Dort, wo die sechs Bänke als Sitzkreis angeordnet sind. Man kommt sich dort vor wie in einer Selbsthilfegruppe für sitzengelassene Bahnreisende. „Hallo ich bin die Pia. Ich wart hier jeden Mittwochabend fast eine Stunde auf meinen Zug und hab jedes Mal das dringende Bedürfnis auf die brechdurchfallfarbenen Fliesen hier zu kotzen.“ „Hallo Pia“, schallts zurück im Chor.

Vorbei! Ab jetzt bin ich Fiesta-Fahrer. Mein Auto ist so alt, das hat die vierte Wiederwahl von Kohl noch mitbekommen. Aber wurscht! Er ist klein, er ist knallrot und er hat ein Safari-Dach! Wenn ich will, könnte ich mich reinstellen und Löwen schießen. Oder Schwaben.

Und wenn ich vor zwischen den 87 Meetings die Wochebei Job eins und der Themenrecherche am Wochenende für Job zwei irgendwo meine Kreativität wiederfinden sollte, passiert hier auch wieder mehr. Ich hab heute geputzt. Hinterm Bett war sie leider auch nicht.

Zu viel Brainstormen schädigt das Gehirn. Definitiv.

Jung und dumm

In letzter Zeit erzählen mir dauernd Leute, dass sie während ihres Studiums das Latinum im Turbo-Tempo nachholen mussten, weil sie es nie in der Schule hatten.

Richtig so! Also nicht richtig, das in einem Affenzahn durchzuziehen. Aber richtig, Latein mit Mitte zwanzig zu lernen. Da weiß man das wenigstens zu schätzen. Als ich mit Latein angefangen habe, war ich zwölf. Sieben Jahre später habe ich das Fach entnervt abgewählt, weil ich mies darin war.

Interessiert hat’s mich schon. Irgendwie. Aber ich hab damals nicht begriffen, was für ein Schatz da vor mir liegt. Und dass da ein Mensch vor der Tafel steht, der wirklich alles versucht, damit ich aus diesem Schatz den größt möglichen Nutzen ziehe. An dieser Stelle ein großes Danke an Herrn Wolter und auch eine Entschuldigung: Ich war damals zu jung und konnte nicht ermessen, wie toll Latein eigentlich ist!

Ich bin ja dafür, dass man erst mit zwanzig eingeschult wird. Dafür sollte man natürlich auch entsprechend länger leben. Was man die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens anstellt, muss jeder selbst wissen. Aber Schule gibt’s erst, wenn man so viel Lebenserfahrung gesammelt hat, dass man versteht, das alles (also ALLES!), was man in der Schule lernt, unfassbar wichtig ist. Ja sogar Mathe. Irgendwie.

Man ist generell für alles zu jung, wenn man’s macht. Im Teenager-Alter säuft man zu viel, weil man glaubt, Alkohol trinken zu müssen, um voll zu werden. Erst später begreift man, dass der Spruch eigentlich „komplett besoffen ist rausgeschmissenes Geld“ heißen muss. Während des Studiums darf man richtig tolle Praktika machen und zeigen, was in einem steckt. Stattdessen geht man jeden Abend feiern, schlägt hundemüde auf der Arbeit auf und kriegt den Kopf nicht für wichtige Arbeiten zusammen. Anfang zwanzig trifft man die große Liebe und verbockt es natürlich so richtig, weil man einfach noch nicht tough genug ist. etc. pp.

Nicht, dass man jetzt mit 25 viel schlauer wäre. Ich garantiere: In zehn Jahren schaut man wieder zurück und stellt fest: d’oh!

In dem Sinne: Carpe vidam vitam.

Bild: M@rg

Leben im Postkartenmotiv

Da wären wir also in Unter/Über/Ober/Uld/wasweißich-ingen. Schön ist’s am Bodensee. Und so ruhig.

hört ihr?

nichts.

Die erste eigene Wohnung ist bezogen und entspricht exakt meinen Vorstellung. Sogar die viel zu lange verstauten Schnappschüsse, die während der wohl besten Zeit meines bisherigen Lebens im Jahr 2007 aufgenommen wurden, hängen bereits gut sichtbar vor meiner Nase, während ich dies hier schreibe.

Ich bin angekommen. Entsprechen begrüßt hat man mich auch schon. Hier gehören nämlich Vorurteile zur Regionalkultur und werden mit herzlichem Lächeln geäußert: „Hanoi, Frauen können nicht rückwärts fahren, gell“, sprach der Nachbar von gegenüber aus bärtigem Gesicht, als ich versucht habe, einen Drei-Tonnen-Möbeltransporter, den ich nicht mal 24 Stunden unter dem Hintern hatte, aus einer vollgeparkten Einfahrt zu manövrieren. Hat wirklich nicht so gut funktioniert, aber man muss ja nicht gleich… Aber ich will mal nicht nachtragend sein. Dafür ist es hier zu gemütlich.

Heute hat mich bereits meine erste kleine Radtour am Bodensee entlanggeführt. Das Wasser ist so klar, das man die Fischlein darin freudig tanzen sehen kann. Segelboote wiegen sich sanft im Wind. Mein Weg säumen üppige Apfelwiesen. Die  Spätsommersonne wärmt die roten Bäckchen der Früchte. Oberhalb liegt eine barrocke Wallfahrtskirche und blickt erhaben zu den Ausläufern der Schweizer Alpen, die ganz in der Fene auf der anderen Seite des Sees unter schweren Gewitterwolken verbleuen. Ich begegne Menschen, Urlaubern, Sommerfrischlern – zu Fuß oder wie ich auf dem Rad. Alle haben Ferien, kramen in ihren Rucksäcken und blinzeln durch ihre Sonnebrillen in den Süddeutschen Himmel während sie genüsslich in ihr Leberwurstbrot beißen. Und über all dem dreht lautlos ein Zeppelin seine Runden.

Hach.

Bild: thomesy auf flickr

Neulich in der Kantine

Ich: jaaa und da hab ich das jetzt halt mal bestellt und wart noch auf das Geld und… Wer is er? (???)

Sie: Wer?

Ich: Er! (!!!)

Sie (dreht sich um): Ach der sitzt bei mir im Büro.

Ich: Aha. Nett.

Sie: Joa auf jeden. Aber n bissl doof.

Ich: Wie doof?

Sie: So vom Kopf her.

Everything is shit
via

Wenn ich das mal sagen kann, hab ichs geschafft… auf meine kranke Art und Weise.

alltimefavouritelieblingssong

Ich tus ihm hier mal gleich und mache das, damit das oben rauskommt.

Naaa welcher alltimefavouritelieblingssong ist das? Jaaa es ist sehr einfach und jaaaa es ist ein einziges Klischee. Aber hey was soll ich sagen: Auch die späten 90er haben meinen Musikgeschmack in der Anfangsphase mitgeprägt und außerdem lief der Song gerade eben im Radio als ich von meiner aller aller aller letzten fuckin‘ Uni-Prüfung in my whole life (die ich übrigens mit 1,0 bestanden habe *hust*) nach Hause gefahren bin. Yeeeha. Und jetzt wird alles endlich anders. Naja bald. Noch 89 Tage bis zum Abflug btw.

lesen lesen lesen

Das Diplom ist (fast) gegessen ist und ich darf endlich wieder lesen. Also richtige Bücher, nicht nur Fachzeug und Zeitungen. Habe in den vergangenen Tagen ein bisschen Recherche betrieben. Das sind die Favouriten bisher:

Steve Tesich – Abspann
Wolfgang Kohlhase – Silvester mit Balsac
Alexander Osang – Die Nachrichten
Chandler Brossad – Wacht auf, wir sind gleich da
Paul Auster – Die Brooklyn Revue
Robert Schopflocher – Fernes Beben
Truman Capote – Sommerdiebe
Roger Willemsen – Der Knacks
John Irving – Bis ich dich finde
Guillermo Martinez – Roderers Eröffnung
Katz&Goldt – Wenn Adoptierte den Tod ins Haus bringen
Max Goldt – Ein Leben auf der Flucht vor der Koralle: Schließ einfach die Augen und stell Dir vor, ich wäre Heinz Kluncker
Ian McEwan – Saturday
Ian McEwan – Am Strand
Tim Binding – Cliffhnger
Rocko Schamoni – Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Daniel Kehlmann – Ruhm
Nick Hornby – A long way down
Martin Suter – Der letzte Weynfeld
Martin Suter – Der Teufel von Mailand
Joseph Heller – Gut wie Gold
Massimo Carlotto – Arivederci, amore, ciao
Silvia Bovenshen – Verschwunden

Und das wurde gerade mit dem Amazon-Gutschein (Geburtstagsgeschenk der lieben Kollegen) gekauft:

Carlos Ruiz Zafon – Der Schatten des Windes
Max Frisch – Mein Name sei Gantenbein
Ian McEwan – der Trost vom Fremden

Für weitere Lesetipps bin ich wie immer offen.

busy

und deshalb die letzten Tage in stichpunktartiger Auflistung:

  • Diplom
  • erste Staffel von „The Big Bang Theory“ komplett geschaut
  • Diplom
  • zweite Staffel von „The Big Bang Theory“ komplett geschaut
  • nach München gefahren (wegen Diplom)
  • das erste Mal couchgesurft und neutral/positive Erfahrung damit gemacht
  • ne meines Erachtens bombige Präsentation hingelegt
  • zur Belohnung Kleid und unverschämt teure Schuhe gekauft
  • drei Folgen „Two and a Half Men“ im auf der Rückfahrt mit dem mir vorher unbekannten Sitznachbar geschaut
  • noch fünf Folgen bis zum Staffelfinale von Lost!!! (Wer spoilert wird umgehend abgemahnt… mindestens)
  • Diplom
  • erste Staffel von „The Big Bang Theory“ nochmal geschaut. (Bin auch ein klitzekleines bisschen in Sheldon verknallt….)
  • Diplom

Und sonst so?

Gewitter im Sommer riecht sooooo gut…

DINKS und wir anderen

Vor zwei Wochen war ich in München und habe dort einen neuen Begriff gelernt: DINKS – Double income no kids. Kannte ich vorher nicht. Trifft aber mittlerweile auf einige aus meinem Bekanntenkreis zu. Ich komme nämlich langsam in das Alter, in dem sich Freunde Eigentumswohnungen zulegen, heiraten, mords Kohle scheffeln und gar nicht dran denken, die mit jemand anderem zu teilen als mit dem Finnzberater und sich selbst.

Ich kann überhaupt nicht sagen, wie sehr sich das von meiner Lebensplanung unterscheidet. Denn eigentlich hab ich gar keine. Ich hatte eine bis vor etwa zwei Jahren: Journalismus-Studium, Volo, Redakteur, Welt umkrämpeln, rocken. Heute hört der Plan genau nach dem Studium auf. Und ich bin nicht mal alleine! Vorhin erst habe ich mich auf dem Heimweg im Zug mit einem Enddreißiger unterhalten – neun Jahre in Portugal Immobilienmakler und dann wars halt mal an der Zeit, Medizin in Gießen zu studieren. Jooaaa…

Ich weiß jetzt nicht wer schlimmer ist. Die DINKS, weil sie sich früh festlegen und sich für den Rest des Lebens mit nichts anderem beschäftigen als mit sich selbst? Oder ich und die anderen, die geistig in der Spät-Pubertät stecken und sich erfolgreich darum drücken, Verantwortung für irgendwas zu übernehmen (noch nicht mal wirklich für sich selbst)?

Und die Katze kaut auf ner Spinne rum. Aber das nur nebenbei.

Liebe in Stop-Motion

Momente wie diese finden so eigentlich nie statt. Nicht im echten Leben.


Notte Sento (English subtitles) from napdan on Vimeovia.

Hach ja. Jetzt bin ich doch so ein ganz klein wenig melancholisch. Und will Sommer. Und Italien. Und… ach egal.

Super Zeug

Es gibt Menschen, die können im Schlaf den Wecker ausschalten. Ich kann zweieinhalb Stunden bevor der Wecker klingelt (03:14) aufwachen, warten und dann eine Minute vorher sagen, dass er gleich klingeln müsste – ohne auf die Uhr zu schauen!

Gestern hab ich was Interessantes über Ritalin gelesen. Eigentlich als Beruhigungsmittel für zapplige Kinder gedacht, jedoch nehmen das jetzt auch immer mehr Erwachsene . Angeblich wird man davon wach und nett. Außerdem soll es helfen, sich aufs Diplom Wesentliche zu konzentrieren – ablenken lass is also nich. Und es soll sich sehr gut mit Bier vertragen! Wenn man beides schluckt, wird man nicht etwa voller als sonst, sondern angenehm beschwingt und ist im Allgemeinen sehr erträglich. Es ist legal erhältlich und abhängig macht es in etwa so wie Kaffee. Also gar nicht. Ritalin ist also eine Droge für das kleinbürgerliche Spießertum. Für Leute, die sich Koksen nicht trauen, aber trotzdem leistungsfähiger werden wollen/müssen. Super Zeug!

Nebenwirkungen gibt’s allerdings: Eine Konsumentin berichtet von schlaflosen Nächten, in denen sie von Selbstzweifeln geplagt wird… also kein Unterschied zu jetzt. Super Zeug!