Freizeitstress

Gestern, als ich mein leergefegtes Konto auf dem Auszug aus der Distanz betrachtete und still in Tränen ausbrach, sagte die Mutter eine Freundin zu mir,  ich sähe matt und fertig aus.

Sollte es tatsächlich so sein, ist damit jetzt Schluss! Das schrecklichste Semester seit Menschengedenken ist vorbei. Auf gehts, Müßiggang! Die Augenringe werden am See sandgestrahlt und die Haut wird auf Grillhähnchenniveau gebracht. Denn: Es ist Sommer und ich hab noch exakt sieben Tage frei (heute eingeschlossen und mündliche Prüfung am Freitag mal außer Acht gelassen) Minisommerferien! Ich könnte theoretisch den ganzen Tag schlafen, kochen oder stapelweise periodische Druckerzeugnisse konsumieren.

Wenn das Fernweh nicht wäre. Umzug ist zwar erst in vier Tagen, aber ich sitz jetzt schon wie ein Duracell-Häschen auf der Bettkante und schlage wie von Sinnen in die Hände. Hier stapeln sich schon die Klamotten, die ich eventuell, ganz vielleicht mitnehmen könnte, wenn noch ein Quadratzentimeter in der monströsen Tasche frei würde. 

Ich bin im Begriff Kleidung mitzunehmen, die ich seit Jahren nicht mehr getragen habe. Hier stehen Schuhe, mit denen ich keine fünf Meter laufen kann, ohne mir alberne Gelkissen unter den Fußballen zu wünschen. Seltsame, geblümte Rüschenblusen sollten zu Hause beleiben, weil ich die höchstwahrscheinlich aus Gründen unübersehbarer Geschmacklosigkeit nie anziehen werde. (Wer kauft denn sowas?)

In die bürokratischen Mühlendes BaföG-Amtes will auch bis Ende der Woche noch ordentlich Wasser gekippt werden und ich muss bis Sonntag noch dringend einen armen Irren finden, der mit mir in der fremden Stadt das Finale anschaut. Alleine Fußball zu schauen, ist noch bemitleidenswerter als alleine ins Kino zu gehen und sich demonstrativ in die erste Reihe zu setzen.

Ist schon wieder zu stressig. Ich glaub, ich leg mich einfach noch mal schlafen.

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