21,1 km – did it!

Nie im Leben wäre ich früher an einem Samstagnachmittag bei Dauerregen und elf Grad vor die Tür gegangen. Nicht, wenn im Fernsehen Pharao-Dokus kommen. Und schon gar nicht, um einen Halbmarathon zu laufen. Wie sich die Zeiten ändern. Seitdem ich am geografischen wie auch emotionalen Arsch der Welt wohne, braucht’s Endorphine. Habe einiges ausprobiert, das den Ausstoß von Glückshormonen begünstigt. Sport hat sich da als das Praktikabelste erwiesen – der läuft einem wenigstens nicht davon (Wortspiel anyone?!).

1558 – 10km – 1:00:52

Man muss vielleicht vorab sagen, dass ich bis vor ein paar Jahren echt ne faule Sau war. Dann bin ich durch Argentinien gereist und hab nicht mehr so drüber nachgedacht. Aber fit wurd ich erst hier am See. Also köperlich. Geistig tret ich immer noch ein wenig auf der Stelle. Manch einer nennt das dann naiv und findets süß.

Aber zurück zum Thema: Ich habe heute meinen aller ersten 10-Kilometer-Lauf bestritten. So ganz offiziell mit Startnummer 1558, Zieleinlauf und zwischendurch ganz viel keuchen und innerlich fluchen.

Interessant was für Phasen man während so einem Lauf durchmacht. Nach dem Startschuss dacht ich mir: „Joa, locker durchlaufen. Wen juckts, wann ich ankomme. Der Weg ist schließlich das Ziel!“ Nachdem dann das halbe Feld an mir vorbeiezogen ist, dachte ich nach… „Jaaaa… vielleicht doch nicht als Letzte ankommen. Weil das würde unangenehm Aufmerksamkeit auf mich lenken.“ Bei Kilometer 5 wollte ich ein bisschen sterben. Mein Zwerchfell kam mir da zuvor und war kurz vorm Bersten. Von da an beschloss ich: „Einfach nur lebend ins Ziel kommen!“ Und wenn das klappt, dann bitte auch nicht auf einer Trage der Sanitäter, die süffisant grinsend hinter jeder dritten Kurve standen.

Oben am Kloster Birnau angekommen, waren wir erst 35 Minuten unterwegs. Okay, das kann unter eine Stunde klappen! GOGOGO! Die Muskeln geben alles, ich fliege über den Asphalt. Bergab jetzt nicht so die Kunst. Die Hormone strömen nur so durch die Blutbahn. Der Adrenalinstoß wurde jäh vom Zwerchfell gestoppt. Wieder ein wenig gehen. Lalala… Dabei immer schön nach hinten schaun, ob jemand angerauscht kommt. Auf den letzten 300 Metern hab ich dann noch einen armen Tropf, der gerade den Atlantik ausschwitzt, animiert und angefeuert mit mir weiterzulaufen. Wollte echt so philantropisch sein und mit ihm gemeinsam ins Ziel laufen. Er tat mir leid. Als ich dann die Uhr im Ziel sah, wars dann vorbei mit der Selbstlosigkeit.

01:00:45 Also noch einmal gerannt wir bekloppt und Tadaa! Unter einer Stunde und einer Minute geschafft. Nicht schlecht für eine, die mal sone richtig faule Sau war. Ärge rmich trotzdem, dass es nicht unter ner Stunde geklappt hat.

4, 3, 2, 1… Steptouch!

Ich dacht mir so: Wenn ich schon ganz spießig einen 9 to 5-Bürojob habe und auf dem Land wohne, dann zieh ich’s richtig durch und mach einmal die Woche Aerobic.

Und ja, das ist ein Klischee. Das ist so ein Klischee, dass vor meinem Kurs etwa 20 ältere Frauen Bauch-Beine-Po machten und wir dann zu acht durch die TSV-Halle wackelten, angeheizt von einer munteren Frau mit Mikrobommel im Gesicht. Aus der Jukebox lief „Blinded by the Light“ und „I don’t like Mondays“ in der 90er Techno-Version.

Aber war gar nicht so schlimm. War gut. Besonders der Kickbox-Teil. Ich will ja eigentlich Boxen. Hab aber zu viel Angst um mein Gesicht. Und der einzige Verein hier scheint auch nur Männer in den Ring zu lassen.

Muss mich umschauen. Bis dahin: 4, 3, 2, 1… Steptouch!

Bild: dogwelder auf flickr

Am Telefon…

…nach etwa 15 Minuten lockerem Plaudern über dies und das:

Sie: Und was haben Sie so für Hobbys?

Ich: Öhm. Also wenn sie wissen wollen, ob ich Sport mache: Nein, ich bin stinkfaul.

Sie: Aber fett sind sie nicht?

Ich: Nicht im klassischen Sinne

… oO

Geschichten von Mitmenschen

Ich hasse es, wenn man mir vom tollen Leben anderer Menschen erzählt, mit denen ich vor Jahren mal was zutun hatte – von ehemaligen Klassenkameraden zum Beispiel.

„XY lebt jetzt in Irgendwowoesbesseristalshier. XY ist immer noch mit ihrem Freund zusammen. Sind jetzt schon vier Jahre! XY studiert Publizistik und Kulturanthropologie UND hat ein Stipendium. XY macht jetzt richtig viel Sport.“

Kann man mir nicht Sachen erzählen, die mich ein kleines bisschen besser dastehen lassen? Sowas wie „XY wohnt zu Hause und arbeiten seit drei Jahren beim Metzger. Ihr Freund hat Schluss gemacht und seit dem versucht sie den ekelhaften Metzgermeister loszuwerden, der auf sie abfährt. XY ist richtig fett geworden, weil sie in jeder Mittagspause ein halbes Schwein isst. XY hat auch Pickel.“

Aber nein… immer weiter so. Werdet ja schon sehn, was ihr davon habt!!

Trainieren = Sex??

Es gibt zwei Arten von Menschen, die ein Fittnesstudio besuchen. Zum einen diejenigen, denen es Spaß macht. Die sich den ganzen Tag darauf freuen, abends in den diesen Tempel des kollektiven Schwitzens zu gehen. Die während des Trainings eine wohlige Wärme in sich spüren, die von Endorphinschüben berauscht einen Klimmzug nach dem anderen machen. Immer weiter pumpen und mit sich ringen und strampeln. Genau diese Menschen gehen danach mit dem Gefühl vollster Zufriedenheit nach Hause und sprechen von einem übersinnlichen Rauschen im Kopf. Gleich dem gefühl als habe man „drei Tage lang durchgevögelt guten Sex gehabt“. Ich weiß das, ich kenne solche Menschen.

Ja und dann gibt es noch so jemanden wie mich. Ich schaue so gegen vier Uhr auf die Uhr meines Rechners und denke darüber nach, dass in circa drei Stunden wieder die endlos langwieligen Qualen in diesem stinkenden Raum, gefüllt mit komplett inakzeptablen Menschen, beginnt. Alle schwitzen und stählen sich obenrum zu viel und geistig zu wenig. Ich zwinge mich auf diesen elendigen Crosstrainer und schalte das Ungetüm ein, das mir ab jetzt für mindestens eine halbe Stunde auf die Nerven geht. Um diese unbarmherzige digitale Zitanzeige nicht sehn zu müssen, hänge ich das Handtuch darüber, schalte den ipod ein und versuche zu verdrängen, dass die Zeit langsamer vergeht als in meinem restlichen Leben. Ich gehe in der Regel nicht mit dem Gefühl unendlicher Glückseeligkeit nach Hause, sondern versuche den Gestank des verpickelten Typen, der die ganze Zeit neben mit friedlich vor sich hin gemüffelt hat, aus der Nase zu vertreiben. ich selbst sehe aus wie eine sonnengerifte Tomate und die Haare hängen ziemlich unbearbeitet und nass ins Gesicht. Von den durchgeschwitzen Klamotten, die netterweise den Anschein vermitteln, ich hätte ich die Hose gemacht, mal ganz abgesehen.

Nein ich kann nicht von mir sagen, dass ich berauscht werde, amouröse Gefühle hege oder in irgendeiner Form befriedigt bin, wenn ich vom Training komme. Mit gutem Sex kann ich das mit Sicherheit nicht vergleichen. Eher mit miesem: Man weiß, man hat sich bewegt, aber kann nicht so recht den Sinn dahinter erkennen.
Jedenfalls gehe ich nicht mit debilem Grinsen und einem Hinterkopf voller verfilzter Haare nach Hause und ich denk auch nicht den restlichen Abend darüber nach wie ich jemals wieder ohne Schmerzen sitzen will. Es sei denn ich mach danach einen Abstecher zum Burger King (debiles Grinsen) und fahre auf einem Fahrrad mit unbequemen Sattel nach Hause (schmerzendes Hinterteil)… zu den Haaren fällt mir nichts Äquivalentes ein, aber vielleicht ist das auch ein Phänomen, dass nur mich begleitet…

Argentinien – Mountainbike vs. Kajak

Man mag es nicht glauben, aber es besteht ein großer Unterschied zwischen Mounrtainbiking und Kajak-Fahren. Wer jetzt an Banales denkt wie die Tatsache, dass man das eine an Land und das andere zu Wasser zu tun pflegt, dem entgegne ich nur ein müdes Lächeln und verweise darauf, dass der Unterschied gar viel subtiler ist als das.

Während man sich beim Mountainbiking einen steinigen, nicht endenwollenden Berg hochquält. Die Mittagshitze einem die Ohren versengt, auf dass sich die Haupt in Fetzen davon löst. Man keucht, schwitzt und hat Durst. Tritt in die Pedale wie vom Teufel getrieben und kommt maximal mit 3kmh voran. Zu allem Überfluss gerät man dann auf den unebenen Pisten mit den Rädern zwischen riesige Felsbrocken und es haut enen der länge nach hin, auf dass die linke Gesichtshälfte aussieht wie nach drei Wochen Ehe mit Mike Tyson. Es ist immernoch nicht ganz verheilt.

Beim Kajakfahren genießt man hingegen die milde Briese, die den kristallklaren Bergsee zu sanften Wogen verleitet. Die Arme paddeln im Takt und man beobachtet die Menschen am Ufer beim grillen o. Ä. Wenn man ein Päuschen braucht genehmigt man sich etwas von dem im Boot verstauten Sandwiches und labt sich an der kühlen Coke Light. Dann paddelt man wieder ein bisschen, bleibt wieder stehn, navigiert etwas nach links, etwas nach rechts und lässt sich ganz entspannt das Gesicht bräunen, während man das Ufer ansteuert.

Ich mag Kajakfahren.