Richtig schreiben

Ich schreibe gerade einen Brief. Per Hand. Mit einem Füllfederhalter. Ist kein besonderer Brief. Ich muss nur jemandem etwas nachschicken und schreibe dazu ein paar Zeilen. Aber irgendwie fühlt sich das gut an.

Während ich Schubladen durchwühlte, habe ich einen Block liniertes Briefpapier gefunden – nicht rein weiß, sondern cremefarben. Nicht irgendeine modernen DIN-Größe. Auf dem blauen Umschlag steht „Staufenpost“ und es liegt ein Blatt Pauspapier unter der ersten Seite. Es wurde schon einmal paar Mal darauf geschrieben.

Seit gut elf Jahren benutze ich keinem Füllfederhalter mehr. Damals hab ich den Kugelschreiber entdeckt und seitdem kritzel ich schnell irgendwas mit Pharma-Kulis lieblos auf Spiralblöcke. Nicht zum Abschicken gedacht. Ich habe aber immerhin einen Füller. Werbegeschenk von der SZ. Aber er schreibt ganz gut. Schwarze Tinte. Hätte lieber blaue.

Ich vermiss das irgendwie. Es klingt kitschig, retro und altbacken. Ausgelutscht ist das Thema sowieso. Aber wenns nunmal so ist, muss man es sagen: E-Mails sind furchtbar. Gut, um schnell anonyme Info zu bekommen, aber das wars auch schon. Ich schreibe viel zu selten per Hand. Meine Handschrift ist unleserlich und bei flüchtigem Blick, könnte man auch glauben, dass ein Huhn auf dem Papier gescharrt hat. Nicht schön.

Ich will wieder offline sein. Ich würd gern wissen, wie das so war. Damals. Als man noch Pauspapier zwischen Seiten gelegt hat, um Kopien anzufertigen. Als man mit Bedacht eine Adresse auf einen Umschlag geschrieben hat. Nur keinen Fehler machen. Ist nur noch ein Umschlag da.

Ich will keine E-Mails mehr schreiben. ich will keine Aufforderungen, doch endlich mal wieder zu Twittern. Ich will keine Net-Identität. Ich will keine News-Abos via Google-Alert. Ich will morgens aufstehen, Zeitung lesen, offline arbeiten, an die frische Luft gehen und abends einen Film schauen. Ich wünschte, dass das Internet wäre nicht das, was es ist. Das Internet sollte einfach als optionales Medium existieren. Wie das Fernsehen, oder das Radio. Stattdessen lebt es und frisst dich schmatzend auf.

One thought on “Richtig schreiben

  1. Jenny

    Hm. Ja. Kenn ich.

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