Menschentrott

Ich will hier nicht über Alltagstrott jammern aber ganz objektiv betrachtet läuft wirklich jeder Tag gleich ab. Am besten kann man das an den Menschen beobachten, die mir jeden Tag begegnen. Ich kenne keinen von ihnen persönlich und doch baue ich eine Verbindung zu ihnen auf. Einfach nur, weil sie jeden Morgen den gleichen Weg haben wie ich. Menschentrott.

Ich gehe in der Regel um fünf vor acht aus dem Haus. Zur gleichen Zeit wie die alte Frau aus dem Erdgeschoss, die mit ihrem nervösen Kläffer ihre Runde macht.

An der Tram-Haltestelle 200 Meter weiter sitzt schon der Glatzkopf mit der Mc-Donalds-Dauerkarte, der mit den Wurstfingern auf seinem iPhone rumpatscht und dabei in etwa so schaut wie der Hund von der Oma zwei Stockwerke unter mir.

Kopfhörer auf und berieseln lassen. Genau drei Minuten lang, dann fährt der weiße Lieferwagen vorbei, aus dem ein ganz nett aussehender Mann etwas zu energisch grinst und winkt.

In der Tram sitze ich dann immer der gleichen abgemagerten Frau gegenüber, die eine leichte Crack-Huren-Aura umgiebt. Ihre türkisblauen Augen schauen immer so sehnsüchtig aus dem Fenster.

Am Stachus steigt die unangenehmste Person zu. Sie ist ungefähr 60, trägt einen Pagenschnitt und eine beige Steppjacke. Ich hab eigentlich nichts gegen alte Frauen und sie setzt sich auch niemals in meine Nähe. Aber die ist hyperaktiv! Braucht vier Versuche bis sie mit der Art, wie sie sitzt, zufrieden ist. Dann zubbelt sie ihren kleinen, braunen Rucksack hinter ihrem Rücken hevor und friemelt an ihrer Fahrkarte herum. Keine Ahnung wo sie aussteigt, aber ich bin mir sicher, dass sie dabei über ihre eigenen Füße fällt.

An der Theatinerstraße ist für mich Endstation und ich muss um diese schlimme Hausecke herum, bei der ich nie weiß, wen ich danach über den Haufen rennen werde. Seh ja nix. Meistens ist es ein mittelalter Geschäftsmann mit Schnauzer, Laptoptasche und Anzug. Stummes Nicken.

Irgendwo zwischen Marienplatz und Sendlinger Straße kommt mir immer dieser eine Typ entgegen, von dem ich glaube, dass es der heimliche Sohn von Lenny Kravitz und Diana Ross ist. Fantastisch große Haare. Alt ist er nicht. 20 schätze ich.

Und dann sitz ich in der Redaktion und sehe für die nächsten 9 Stunden sowieso immer die gleichen Leute. Aber das ist ja nicht ungewöhnlich.

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