viele Worte wenig Sinn

So lieb ich das. Sonntagabend, nix Gescheites im Fernsehen und nicht mal Süßkram im Haus, mit dem man sich vollstopfen könnte, auf dass man danach heulend in der Ecke sitzt und sich mit der Hornhautfeile den Speck von den Hüften raspelt. Es bleibt einem ja heute garnichts anders übrig, als zu bloggen! Ja sicher, man könnte etwas lesen. Aber da kommt nur Belletristik in Frage.
Periodische Druckerzeugnisse deprimieren mich. Nicht nur, weil schlechte Nachrichten drin drinstehen. Daran gewöhnt man sich. Mit good news macht man selten Umsatz. Nein, Zeitungen führen mir mein eigenes Unvermögen vor Augen. Irgendwann hab ich aufgehört Zeitungen und Zeitschriften wegen des Inhalts zu lesen. Ich scanne Artikel auf Stil und bilde mir ein, in zehn Jahren auch einen 15.000-Zeichen-Text runterzuschreiben, in dem zu achzig Prozent kein Unfug steht.

Harald Lesch ist so einer, der wenig Unsinn von sich gibt. Wär auch schlimm. Harald Lesch ist der Nachfolger von Joachim Bublath (Knoff Hoff!) und moderiert seit Anfang September „Abenteuer Forschung“ im ZDF. Harald Lesch ist wie mein Biolehrer den ich in meiner letzten Biostunde in der 13. Klasse „Drecksack“ genannt habe. Daraufhin hat er gelacht und mir alles Gute gewünscht. Bio bei ihm hat wirklich Spaß gemacht.

Ich würde Herrn Lesch nie Drecksack nennen, aber ich mag ihn trotzdem, weil er Wissenschaft so lebhaft erklärt. Ich weiß nicht viel davon, aber schau mir gerade deshalb gern im Fernsehen an, wie Öl gefördert wird und wie daraus Plastik entsteht, das in chinesischen Milchpackungen landet und Babys vergiftet.

Puuuhh innerhalb von drei Absätzen vom Sonntagabend-Kummerspeck hin zu vergifteten chinesischen Kindern. Ich sollte das Streiflicht schreiben. ABER DAS WIRD MIR NIE JEMAND ANBIETEN!!!

8 thoughts on “viele Worte wenig Sinn

  1. Bela

    A) Lesch ist Cool, der hat mir in ner Vorlesung mal erklärt, was Bernard-Flecken sind, und ich habs sogar verstanden.

    B) Warum liest du den Schmarrn? Mit überheblichem Stil wurd nur die Nutzlosigkeit deArtikels unterestrichen. Geh mal auf Faktren, und dann is schnell Ebbe. Beispiel: Der Spiegel
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-35840-12.html#backToArticle=582229

    Und die Quelle, Weswegen sie es verpixelt haben, ist gleich der erste suchtreffer. Bitte hier mal auf den Text schauen, und wer mir glaubhaft versichern will, das Sécurité ein Bayerisches Wort ist, dem hetze ich eine Wolpertinger auf den Hals. Spiegel übernimmts ungefragt, und erst seit ungefähr 7 Uhr haben sie’s verpixelt.

    http://www.gettyimages.com/Search/Search.aspx?src=quick&contractUrl=2&assetType=image&family=editorial&phrase=Oktoberfest%20Security#

    Und sowas liest du? Der Journalismus steckt im Teifsinn, weil der Sinn bei den Leitmedienganz tief in der Scheiße steckt.

    Dann lieber Wissenschaft:
    http://www.youtube.com/watch?v=auhHl5-6VdY
    Und ja, es gibt Nudeln im Video. Mahlzeit.

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  2. Pia Post author

    ähem. also ich dachte bei stilsicherem Journalismus nicht an Fotostrecken zu versoffenen Oktoberfestgästen.

    Und ja ich weiß, dass das für dich schwer verständlich ist, aber ich bevorzuge doch immernoch die Print-Variante. Bin Haptiker und mag Papier so gern 😉 und da sind auch weniger sinnfreie fotostrecken drin, über die du dich aufregst, sondern mehr texte über die ich mich aufreg.

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  3. Coldeye

    Das traurige daran ist, dass selbst gut gemachte Wissenschaftssendungen im Fernsehen bestenfalls halbwissenschaftlich sind (Galileo hingegen verhält sich wie Alchemie zu Chemie).

    Die unwissende Journaille verzapft Halbwahrheiten, die das ahnungslose Publikum unkritisch schluckt.
    Ich merke das, wenn ich Artikel lese zu Themen, von denen ich selbst offenbar mehr verstehe als der Autor. Dann frage ich mich immer, wie sehr ich für dumm verkauft werde bei Themen, bei denen ich es nicht beurteilen kann.

    Seriöse Recherche ist heutzutage wohl nicht mehr angesagt.

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  4. Pia Post author

    ich glaube gerade im wissenschaftsbereich, hat das nichts mit unseriöser recherche zutun. gerade da schreiben einfach die falschen leute die artikel.

    das problem ist, dass ein naturwissenschaftler zwar viel ahnung vom thema hat, aber das nicht verständlich und stilsicher aufschreiben kann. jemand, der aber eine gute, verständlich schreibe hat, weiß in den seltensten fällen en datail um was es geht.

    für dumm verkaufen, würde ich das nicht nennen. der schreiber weiß es selbst nicht besser und tut sein bestes es irgendwie zusammenzuschreiben. da passieren patzer.

    der fehler liegt da beim mangel an fähigem personal. oder was glaubst du, warum ich einfach nicht für das politk ressort schreiben sollte 😉 gleiches problem, anderes themengebiet.

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  5. Coldeye

    „Patzer“ würde ich es nicht nennen, wenn beispielsweise aus Fällen, die eigentlich das korrekte Funktionieren von Sicherheitseinrichtungen beweisen, Beinahekatastrophen erdichtet werden.

    Dass es in den Redaktionen an fähigem Personal mangelt, glaube ich Dir. Das liegt aber daran, dass man sich das fähige Personal nicht leisten will.

    In vielen Fällen würde es ja schon reichen, mal für eine Stunde ein Fachbuch zum Thema zu wälzen oder sich die Problematik von einer fachkundigen Person erklären zu lassen, statt sofort drauflos zu schreiben.

    Nix für ungut…

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  6. Pia Post author

    beinahkatastrophen erdichten is tagesgeschäft bei entsprechenden medien. macht ja klicks/umsatz.

    in guten redaktionen werden fachbuch gewälzt und experten befragt. leider fehlt es speziell in online-redaktionen nicht nur an personal, sondern auch an geld. is leider so und das ändert sich auch nicht, wenn nicht mehr geld reinkommt, was durch mehr klicks passiert…

    und so dreht sich die spirale weiter und weiter und weiter… tja ja. ich liebe meinen job… o_O

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  7. Onne

    Halt die Behauptung, dass (Natur-) Wissenschaftler keine seriöse Recherche betreiben und wenn sie mal was schreiben, dann nur unverständlich, für groben Unfug!
    Jede Uni, die was von sich hält und Studierende nicht nur alberne Ankreuz-Klausuren schreiben lässt, sondern von Anfang an Arbeiten und Umgang mit Materialien fordert, wird keinen von der Uni lassen, der nich wenigstens ein bisschen seriöses wissenschaftliches Arbeiten beherrscht.
    Natürlich kann man irgendwann eben nicht mehr die komplexen Zusammenhänge einer Wissenschaft einfach und für jedermann verständlich beschreiben. Und alles was im TV oder in den Printmedien einfach und verständlich erklärt wird, ist einfach eine Reduktion des Sachverhalts auf eine begrenzte Sachlage. Oder warum zum Geier reißen sich sonst alle möglichen Wissenschaftler ein halbes Bein raus, um so deutlich wie möglich eine verdammt komplizierte Sache zu beschreiben?

    Ich kann auch in ner 2 Minuten MAZ ala Lesch den Urknall oderdie Ethik Kants erklären. Aber dann muss ich eben Dinge evreinfachen, was dann zu Halbwahrheiten führt.

    Und so sollten Journalisten nich jede Story als Wahrheit verkaufen, wenn sie selbst nur Laien sind und nur eine Halbwahrheit erfassen können.
    Ich bin auch für mehr Zitate aus Quellen, anstatt wild umher zu interpretieren

    That’s my shit, that’s my shit *sing*

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  8. Coldeye

    Nachtrag:
    Von „für dumm verkaufen“ sprach ich, weil Halbwahrheiten und unzulässige Vereinfachungen auch einseitige Berichterstattung darstellen können.
    Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn durch erdichtete Beinahekatastrophen die Zuverlässigkeit eines technischen Systems schlechtgeredet wird, oder wenn willkürlich bestimmte Aspekte eines Themas überbetont werden, oder wenn Zahlen in den Raum geworfen werden, die der durchschnittliche Konsument nicht in Kontext setzen kann.

    Beispiel: „Darmstädter Leitungswasser enthält 6 µg Uran je l“ klingt erstmal erschreckend (wegen der Assoziation von Uran zu Radioaktivität). Schreibt man dazu „Experten gehen davon aus, dass Wasser mit einem Urangehalt von 10 µg je l bedenkenlos täglich konsumiert werden kann“, klingt das schon nicht mehr dramatisch. Erst mit dem Hinweis „Babynahrung sollte jedoch nicht mit Wasser zubereitet werden, welches mehr als 2 µg je l enthält“ ist die Information vollständig.

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