Aus! Das Spiel ist aus!

Deutschland ist … Dritter.

Naja leicht abgewandelt, der Ausruf von Herbert Zimmermann aber ein tolles Turnier war es trotzdem. Die Jungs haben wundervoll gespielt. Gegen Spanien hatten sie leider die Hosen voll. Um da souverän zu bleiben, müssen Sie wohl noch ein paar Jahre reifer werden. Sag ich, die mittlerweile älter ist als drei viertel des Nationalkaders. Man man man. Aber hey Dritter! Super gut!

Jetzt ist es vorbei. Schöne vier Wochen warens. Man unterstellt mir ja, ich sei auch wegen der WM früher vom Boot und nach Hause geeilt. Und ich muss gestehen: jaaa, nicht ganz so falsch. Was wärs es so schade gewesen, wenn ich das Spektakel verpasst hätte. Favoritenköpfe rollen in der Vorrunde; Maradona pumpt seine Elf mir heißer Luft auf und fliegt nach dem 4:0 durch selbige wie ein Ballon, bei dem der Knoten geplatzt ist; dieser verrückte Kraken; Neuer und Müller sollten, wenns nach mir ging, das Bundesverdientskreuz bekommen; und Uruguay war für mich die Überraschung der Meisterschaft. Trotz Freude über die Niederlage heute, hätten die es auch verdient, als Dritter auf dem Podest zu stehen. Hut ab. Und Forlán sieht wohl aus die Otto Waalkes früher. Wer das Gegenteil behauptet, stinkt.

Nur die spielfreien Tage fühlten sich arg seltsam an. Nicht nur, weil kein Fußball kam. Die Vor- und Nachberichterstattung fehlte mir auch. Ganz besonders Delling und Netzer werden mir jetzt ziemlich abgehn. Die gabs zum aller aller letzten Mal. So nervig die beiden auch waren mit ihren schlecht einstudierten Stichelleien, vorhersehbaren Kontern und Netzers viel zu großem Gebiss: die beiden waren eine Instutution. Da kommt auch mein auch sehr geschätztes Team Kahn/Müller-Riefenstein nicht mit. War schon herzzerreißend wie Delling eben bei dem Abschied von seinem Mini-me richtig Pipi in den Augen hatte.

Und obwohl ’54, ’74, ’90, 2014 als Liedzeile zeimlich kakophonisch klingt, hoff ich auf ne ähnliche feine Zeit in vier Jahren. Alles ist gut. Und wenn Holland morgen Zweiter wird, dann erst recht.

Frauen-WM? Kümmert keine Sau…

Ich erinnere mich noch an die Hysterie des vergangenen Jahres (wer tut es nicht). Wir sind in Scharen in die Darmstädter Centralstation gepilgert, haben Fans des gegnerischen Teams mit geistreichen Sätzen wie „Ey man willst du, guck du disch doch ma an!“ angepöbelt, einiges an Bier vernichtet und sind kollektiv dem gespielten Herzinfarkt erlegen, als es dann nach der aufreibenden Verlängerung auch noch ins verdammte Elfmeterschießen ging. Was haben wir gelitten, gebangt, gehofft, gesoffen, getanzt und gelacht. Alles gleichzeitig.

Und jetzt? Ja man will es nicht glauben, aber es ist schon wieder WM, ein weiteres Sommermärchen bahnt sich an. Zwar nicht in Deutschland, aber mit Deutschland und zwar deftig. sport1.de spricht von einem „Rekordsieg“. Mit 11:0 haben die deutschen Mädels gegen Argentinien gewonnen (zugegeben, es schmerzt mich ein wenig. Hätte meinen Halbschwestern schon ein bisschen mehr zugetraut). Zack, weggeputzt. Mit links.

Und interessierts irgendjemanden? Rennt irgendwer betrunken mit der Deutschlandflagge auf dem Hintern über die Straße? Hat sich irgendein Typ schwarz-rot-gold auf die nackte Brust gepinselt, wie so viele Mädels im vergangenen Sommer? Wird auch nur ein Kind mit einer Perücke in Nationalfarben von seinem Papa auf den Schultern zum Public Viewing getragen? Tauscht auch nur eine besoffene Halbargentinierin mit einem sehr dicken Mann in einer vollen Odenwälder Kneipe das Trikot??

Nein. Nichts passiert. Kümmert keine Sau! Sehr schade. Dabei sind die deutschen Fußball-Frauen, um einiges stärker als die Männer. Oder die Konkurrenz ist einfach nur mies. Keine Ahnung. Wundert mich auf jeden Fall, dass sich bis auf Sportredakteure wirklich keiner darum schert, dass wie am ersten Tag der Fußball-WM einen spitzen Auftritt hingelegt haben und so (mal ganz wild vor mich hin prognostiziert) bis ins Halbfinale marschieren werden.

Der Traum ist aus.

Ein schönes Spiel wars, aber anscheinend kann man bei einer WM wirklich nicht gegen 11 Italiener und einen Schiri gewinnen.
Wir haben gehofft und gebangt. Mir war vom Beginn der Verlängerung an schlecht und die Heimfahrt war nicht gerade erbauend. Nicht zuletzt weil es in Darmstadt vor Italienern nur so wimmelte. Wusste garnicht wieviele da wohnen.

Glückwunsch zum Einzug ins Finale, Italien. Seid mir nicht böse, aber ich hoffe ihr werdet zweiter. Vielleicht gibts als Trost dann einen Vertrag in Hollywood für euch.
Der Pizza entsage ich vorerst und beschränke mich auf heimische Kost, obwohl der Hunger sowieso ausbleibt.

Man sagt: Glück im Spiel, Pech in der Liebe…

Stimmt halt net. Wenn das Pech zuschlägt, dann richtig. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich zumindest für das Scheitern bei der WM nicht verantwortlich bin. Ich hab mein Bestes gegeben.

Für alles andere, an dem ich schuld bin: Es tut mir leid

Bilanz des gestrigen Fußball-Tages

Wir schauten uns zu sechst das Fußballspiel Deutschland:Argentinien in der Darmstädter Centralstation an. Wir haben gehofft, gebangt, geschrien, getobt und schließlich getanzt! Gut gemacht, Jungs!

Was der Tag mit sich brachte:

– zumindest 2 lädierte Stimmbänder
– eine verknitterte Argentinien-Fahne
– etliche geleerte Bierflaschen und 3 Wasser (musste ja fahren)
– gereizte Nüstern zweiter Damen auf Grund von Jens‘ Fahne
– ein Hörsturz des älteren Herren neben mir
– 2 verlorene Kilo meinerseits (Stress und Aufregung taten ihr Übriges)

Schizo-Jubeln

Die Frage über was ich einen Eintrag heute verfasse, düfte sich erübrigt haben. Es gibt nur ein Thema, dass es an einem solchen Tag zu würdigen gilt.

Deutschland : Argentinien

Natürlich bin auch in infiziert mit dem Fußball-Virus.
Bundesliga? pfft… Championsleague? Wen kümmerts. Ich gebs offen zu: Ich jubel nur bei Welt- bzw. Europameisterschaften und das ist auch gut so. Und entgegen der gängigen Meinung, ich würde nur wegen den knackigen Jungs mitfiebern und nur auf den Trikottausch warten, kann ich jedem Ketzer und Schmachredner entegensetzen: „Dieses Spiel heute birgt soviel taktische Rafinesse und spielerisches Können, dass es verdammt nochmal mein gutes Recht ist mich zwischendurch an dem netten Anbick eines Herrn Metzelder oder eines Herrn Ballack zu laben. Sonst hält man die Spannung ja keine 90, 120 oder sogar noch mehr Minuten durch.

Des Weiteren muss ich meine Persönlichkeit auch noch spalten (was einen noch größere Anstrenung mit sich bringt) In meiner Funktion als genetische bedingtes Bindeglied zwischen Argentinien und Deutschland, quasi ein Rindersteakschweinerippchen, sehe ich es als meine Pflicht beide Mannschaften anzufeuern oder zumindest die gute Leistung der Argentinier gebührend durch gelegentliches Kopfnicken und Klatschen zu würdigen.
Natürlich mach ich mich in Mitten von geifernden Deutschland-Fans recht unbeliebt wenn ich die blau-weiß-blaue Flagge mit dem schönen Sonnenemblem in der Mitte schwenke, aber das ist mir recht wurscht.

Ich nehme beiden Fahnen mitnach Darmstadt, aber ihr 11 deutschen Jungs denkt dran:

Ich will euch kämpen und siegen sehn!

(Seid mir nicht böse Gauchos, aber die sehn einfach besser aus)