impacencia

Ich bin seit gestern nach drei Monaten Rumreisen wieder in Buenos Aires. Ich hab den Tag über Dinge für die lange Rückreise organisiert, rumtelefoniert, die Handwerker hier in der Wohnung mit Erfrischungsgetränken versorgt, mit der Verwandschaft gequatscht und erzählt, was alles so passiert ist. Ich bin seit gestern Abend nur am plappern. Auf Spanisch. Ich kann das jetzt. Sechs Monate im Land und es sprudelt.

Und gerade jetzt, jetzt wo ich endlich mit meinem Onkel und den Tanten vernünftige Unterhaltungen führen kann, jetzt fahr ich wieder nach Hause. Eigentlich ne Schande.

Aber ich vermiss Deutschland. So fad und langweilig es auch gerade sein mag. (Von Kachelmann mal abgesehn.) Ich vermiss die kleinen Dinge, wie morgens Zeitung lesen und verstehen was im Land passiert. Ich vermiss Unterhaltungen bei nem kühlen Bier mit Menschen, die ich wirklich kenne – meinen Freunden. Ich kann daheim Witze reißen, ohne vorher um Geduld zu bitten bis ich den Satz richtig zusammenkrieg, damit es auch halbwegs lustig ist.

Nicht falsch verstehen: Das ist kein Heimweh. Ich würd sofort hierbleiben, wenn mir die Welt hier so nahe wär wie meine Welt in Deutschland. Aber das dauert Jahre. Und so lange warten will ich nicht. Dafür bin ich zu ungeduldig.

Wortschatz für Barca

„Quiero un habitación doble con banjo y ducha!“ Mit diesem Satz hat mein Bemühen, Spanisch zu lernen vor nunmehr knapp acht Jahren begonnen. Damals war ich in der neunten Klasse und hab einen Spanisch-Kurs am Gymnasium belegt. Mit dem Vorhaben, innerhalb eines Jahres genügend Grundkenntnisse zu besitzen, um in Argentinien so richtig auf den Putz zu hauen. Ich war zwei Mal da. Den Rest des Schuljahres hab ich Montags um 14:30 Uhr im Bus auf dem Weg nach Hause verbracht. Unterschichten-Fernsehen auf den privaten Sendern war mir damals irgendwie wichtiger, als mir Wissen anzueignen. Das Spanischbuch hab ich wenig später an den Meistbietenden auf dem Schulhof vertickt und das verdiente Geld in ungesundes Essen investiert (ja, früher hab ich noch bewusst gegessen.)Vor einem Jahr dann der nächste Versuch in der Fachhochschule, mich am Spanischen zu versuchen. Diesmal scheiterte es am Alkohol und der Tatsache, dass man an einem Freitagmorgen, sofern man donnerstags in Darmstadt die ganze Nacht feiern war (und ja das war man, weils der einzig beschissene Tag der Woche ist, an dem was in dem Kaff irgendwas geht. Naja außer Dienstag), alles andere als aufnahmefähig war. Den einzigen Satz, den man aus diesem Semester mitgenommen hat ist: „El cuervo morde en los cojones del torro!“ (Der Rabe beißt dem Stier in die Eier) Für nähere Informationen frage man IHN oder IHN. Wenigstens hab ich diesmal das Buch nicht verkauft… hm warum eigentlich nicht?! Wie dem auch sei…In knapp 6 Wochen gehts für ein paar Tage ins grandiose Barcelona mit IHR, IHM und dem anderen verrückten Bayern. Ich war noch nie da. Die Meinung hab ich nur von 2 bis 18 Menschen aufgeschnappt, die schon dort waren und die Stadt ja „soooo geil“ fanden. Der Herr hat seit den vergeudeten Freitagen an der FH kein Spanisch dazugelernt. Sie kanns auch nicht und deshalb darf ich als Dolmetscher mitfahren. Müsste auch ganz gut klappen – bin immerhin schon bei lección seis von 18. Ich kann jetzt nicht nur ein Hotelzimmer bestellen und Raben bitten, Stiere in die Eier zu beißen, sondern noch viieeeeel mehr. Kann zum Beispiel schon richtig unhöflich sein: „Nuestro apartamento es muy mierdoso y queremos un nuevo o una mucama. ¡Pronto!“ oder „La sopa está demasiado fría y no me gusta. ¡No me como la mierda!“ oder „¿Donde son los servicios? Yo tengo que vomitar!“Jetzt muss ich nur noch lernen was „Ey laber mich nucht so dumm von der Seite an“ und dann kann der Premium-Urlaub beginnen. Hach und es wird ja soo kulturell. Ich mach Fotos.

Spanisch auf dem Sofa

Nein, nichts Versautes. Mein Spanisch-Trainer von Langenscheidt ist da und ab jetzt sitz ich jeden Abend auf meiner Couch, lass den Fernseher Fernseher sein und widme mich einer neuen Sprache, nachdem das beim letzten Versuch nicht wirklich funktioniert hat.Eine gewisse Michaela führt mich durch den 18 Lektionen umfassenden Kurs. Ok, ich hätte mir lieber einen Juan, Miguel oder zumindest eine Macarena gewünsch. Aber ist ja auch egal. Lektion eins hab ich hinter mir. Zugegeben, das war ziemlich einfach mit Grundkenntnissen, aber um so besser: entmutigt bin ich schon mal nicht. Viele bunte Bildchen, langsames Sprachtraining, umfassene Übungen. Und von einer Sekunde zur anderen hat man das Gefühl, etwas Sinvolles zutun. Kam ja schließlich viel zu kurz in letzter ZeiitAuf 6 CDs und in 3 Büchern steht alles was ich bis in etwa 5 Monaten wissen und behalten will. Dann noch einen Test und endlich mach ich meinen Verwandten alle Ehre. Suerte!

Hätte man nur…

Gibt viele Anzeichen dafür, dass man älter wird. Mit dem Alter wird man schließlich weise, weiß man ja. Das sicherste Zeichen, dafür dass man bald nur noch vor dem Kamin sitzen wird, um so vor sich hin zu sinnieren, ist die Erkenntnis darüber, was man bisher alles so falsch gemacht hat. Solche Überlegungen kommen immer dann, wenn man gerade richtig tolle Ideen hat, wie man sein Leben aufregender, weltoffener und generell interessanter gestalten könnte. Just in solchen Momenten wird man doch recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn man darüber nachdenkt was man denn so für Vorraussetzungen für diese Vorhaben braucht.

Ums kurz zu machen: Ja, der Herbst 2006 war super. Drittes Semester, nur gefeiert, viel Alkohol getrunken und eine menge Spaß gehabt. Aber obwohl die Freitagvormittage, die ich ausschließlich im nebulösen Dunst aus Bier und Zigaretten mit Ferdi und Jens im Spanisch-Kurs verbracht habe wirklich spaßig waren, hilft mir das rückblickend leider gar nicht bei meiner Bewerbung für ein Praktikum in Argentinien, das gute bis sehr gute Sprachkenntnisse voraussetzt.

Wir halten also fest: Trotz zur Hälfte genetisch stark Argentinisch „belastet“, kann ich mit meinen Spanisch-Kenntnissen maximal 7 Minuten die Menschen um mich herum ernsthaft unterhalten. Danach wird’s peinlich. Es wäre auch durchaus von Vorteil gewesen, wenn ich zumindest diese Abschlussprüfung mit geschrieben hätte. Stattdessen habe ich an diesem nasskalten Januarmorgen des Jahres 2007 mit recht dickem Schädel irgendwo gelegen und mir gedacht, dass es so ja eh nichts bringt die Prüfung zu schreiben. Erstens Kopfschmerzen, zweitens ja eh nix gelernt und auch so was von keine Lust.

Logischste Schlussfolgerung wäre also: Sobald das Praxissemester vorbei ist und das neue Uni-Semester beginnt, wäre es doch eine gute Idee wieder den Spanisch-Kurs zu belegen, diesmal einfach keinen Alkohol zu trinken und langsam mal erwachsen zu werden.
Nur doof, dass der Spanisch-Lehrer sich sicher an die wundervolle Zeit, die wir zusammen verbracht haben, erinnern wird. An liebevolle Sätze wie „Ich mache mir wirklich Sorgen um Sie!“ und „Wenn es Sie nicht interessiert, dann können Sie auch gehen“ und ich meine mich daran zu erinnern, ihn irgendwann mal angeekelt über unsere Bierfahne habe beschweren hören. Kann mich aber auch irren.

Und jetzt?! Ein bisschen weiser bin ich nun, hilft mir nur leider gar nicht weiter.