Erinnerungen im Weitwinkel

Wenn ich gerade mal nichts zutun habe – was momentan sehr selten der Fall ist – denke ich mit Wehmut an die Reise durch Südamerika bis zu den Azoren. Rückt alles immer weiter in die Vergangenheit und weicht dem „normalen Leben“. Schade. Zur Erinnerung ein paar Panoramas, die Johannes vor Ort geschossen und daheim zusammengebastelt hat.

Beitragsbild: Philipsburg, St. Maarten

Petit Baie, St. Martin

Prickly Pear Island, Anguila

Green Kay, British Virgin Islands

Flores, Azoren

Hafen von Flores/Azoren

Fowey in Cornwall/GB

mehr…

Und sobald wieder Geld in der Kasse und die Karriere in solch rechte Bahnen gerückt is, dass sie auch mal pausieren darf, ohne Schaden zu nehmen, gehts wieder los. Irgendwohin.

(Alle Bilder: Johannes Lampel)

Schlafen in der Achterbahn

Wenn der Kapitän nachts um eins zu einem sagt: „Das wollte ich Euch eigentlich ersparen“, dann weiß man auch als Laie, dass die erste gemeinsame Nachtfahrt ungemütlicher als geplant verläuft.

Zwischen Saint Martin und den British Virgin Islands peitschen wir bei durchschnittlich sechs Windstärken und sieben Knoten gehn Westen. Spitzenwert in dieser Nacht: zwölfeinhalb Knoten, 80 Meilen in elf Stunden – sportlich.

Wenn der Mond zwischen den schweren, milchigen Wolken hervorlukt, sieht man die Urgewalt des Meeres, die ich bis dato noch unterschätzt hatte. Zwei Meter hohe Wellen heben und senken das Boot wie einen Fahrstuhl. Sollten sie zumindest in der Theorie. Doch auf unserem Weg ist der Meeresgrund so uneben – mal 100 mal 1000 Meter tief – dass die Wellen keinem Schema mehr gehorchen wollen und von allen Seiten kommen. Ein riesen Durcheinander auf See.

Und in der Koje dröhnt und röhrt es. Das Wasser klatscht an die Unterseite des Katamarans, die Wellen schieben von hinten, brechen an Steuerboard; Wasser schwappt durch die Luke an Board. Und es plätschert im Schrank. In dem Fall gilt auf See, was auch an Land gilt: Im Schrank hat gefälligst nix zu plätschern!! Tut’s auch nicht. Alles draußen, da wo man bei einem solchen Wind nicht hin will.

Aber Frischluft muss sein. Gerade wenn einem trotz stabiler Seitenlage in der Koje speiübel wird. Ein tiefer Atemzug an Deck und schon geht’s los. In den Eimer.

Stellt sich übrigens raus, dass Kotzen vor Publikum weniger peinlich ist, wenn alle Anwesenden nüchtern sind. Aber dennoch schade um den guten Couscous.

Erste Woche Saint Martin

Ich bin wieder in Europa. Auf Saint Martin rennen nur Franzosen, Holländer und Deutsche Segler mit weißem Vollbart rum. Man kann mit Euro bezahlen und es gibt Schwarzbrot im Supermarkt. Ich hab ja gedacht, dass es nach einem halben Jahr Südamerika lange dauert, bis man sich wieder an europäische Verhältnisse gewöhnt. Aber geht so schnell und ich fühl mich wohl. Ist zwar immer noch Karibik aber fühlt sich wesentlich daheimer an. Und ist auch gar nicht so dekadent wie man denken mag. Wenn man von den Designershops und den sonnengegerbten Seglergattinnen mit Dior-Sonnenbrillen absieht.

Apropos daheim: Das ist jetzt ein 11-Meter-Katamaran, Baujahr irgendwann zwischen ’86 und ’89. Ich bewohne die Achterkabine Steuerbord, alles gemütlich eingerichtet. Geduscht wird draußen und nach dem Geschäft wird gepumpt. So geht das. Bis gestern wurde noch im Hafen eingedellte Dings-Schalen im linken Bug epoxidgeharzt. Ich durfte die Stellen mit Schiffslack streichen und der Käpt’n war sehr zufrieden. Nach meiner ersten höchstpersönlich durchgeführten Motorfahrt stehen wir jetzt weiter draußen, mückenfrei und dank Sturm und Gewitter auch endlich nicht mehr so verschwitzt.

Begriffe, die ich schon gelernt habe:
Fender
Faller
Bug
Heck
Steuerbord
Backbord
Achter
Boje
Tonne
Baum
Jolle
Dinghy
die Klampe belegen

Und einen Seemansknoten kann ich auch schon. Na wenn das mal nichts wird.

Und nun: Saint Martin

[slickr-flickr tag=“Saint Martin“ items=“28″ type=“gallery“ id=“33787195@N06″]

Nachricht vom Boot (1)

Sicher auf Saint Martin gelandet. Stop. Erste Nacht auf dem Katamaran gut geschlafen. Stop. Inernet ist rar. Stop. Weitere Meldung beizeiten. Stop.