Wiesn

Genau so ist die Wiesn. Männer drehen noch mehr durch als sonst und Gegenstände werden zweckentfremdet.

Ich hatte im Vorfeld jeden, der mich dorthin begleiten könnte, gebeten KEINE Fotos von mir im Dirndl zu machen. Und wenn es schon sein muss, dann sollte es auf KEINEN Fall veröffentlich werden. Keine drei Minuten, nachdem ich mich mit 10.000 anderen aus der U-Bahn geschoben habe, wurde ich fotografiert. Von Getty Images.

Geil. Jedem, der Zugang zu einem Bilderticker hat, wünsche ich viel Spaß beim Suchen. Tipp: große Dunkelhaarige im schwarzen Dirndl, die ein bisschen nach Weißwurst-Transe aussieht, und rechts daneben eine kleine Süße im braunen Dirndl.

Einen ausführlichen Bericht zu meinem Wiesn-Debüt gibt es irgendwann im Laufe der Woche an bekannter Stelle.

Waaaah Traditionsklamotte!

So, jetzt ist es so weit. Ich bin endgültig ins bayerische Unterschichten-Proletariat abgestiegen und habe mir ein Dirndl gekauft. Ich, die ihre Lieblingsjeans am Saum näht, weil sie sie nochmal 487 Tage am Stück anziehen will.

Ich habe 85 Euro (Ausrufezeichen: !!!!) für ein Textil ausgegeben, das ich genau einmal tragen werde. Zu dem Anlass werde ich hoffentlich unglaublich betrunken sein und mich vollkotzen. Einfach, weil es nötig ist und sich auf der Wiesn so gehört.

Warum ich sowas mache? Weil ich ein braver Praktikant bin und etwas über mein erstes traumatisches Erlebnis auf dem Oktoberfest verfassen werde (und weil ich nicht ganz bei Trost bin)

Schwarz isses. Mit dunkel-rosa (ich weigere mich es pink zu nennen!) und lila Stickereien. Dazu eine lila Schürze und eine weiße Bluse, die seltsamerweise unter den nicht vorhandenen Brüsten aufhört.

Wo wir auch schon beim Thema wären: Leider verkaufen Sie nämlich keine passenden Brüste zu dem Outfit. Jetzt ist es eher ein ganz ganz armer und kläglicher Versuch. Ein Nummerngirl fürs Schwergewichtringen/Schuhplatteln schickt sich an, krampfhaft die Titten unter das Kinn zu dudeln. Und es funktioniert nicht!!! Socken und Toilettenpapier-Knäule tun weh und davon krieg ich sicher Knoten und muss jahrelang darben.

Das scheiß Ding musste ich auch noch eine Nummer größer kaufen als üblich, was mich nicht minder fett  macht!!!! Gott verdammt!!! 85 Euro und ich seh aus wie mein 76-jährige Großtante, die jeden September im Nachbarort auf dem Fest Brot backt und auf dem Kopf zum Markt trägt!!! Und es steht auch noch „Original Isola Erzeugnis Österreich“ auf dem Etikett! Was auch immer Isola sein soll… aber Alter, wer hasst mich denn so oarg!!! Und die Frisur is auch scheiße!

Mir brauch nur einer auf dem beschissenen Fest dumm kommen…

Do legst di nieda!

Wie man in der Sidebar unschwer erkennen kann, hat die Ein-Mann-Redaktion den Standort gewechselt. Ab jetzt wird aus Minga gebloggt! Das überaus hässliche Bild bleibt jetzt für die nächsten zwölf Wochen und beleidigt fleißig alle weltoffenen Bayern und festigt das Klischee über den Freistaat im Rest der Republik und im Ausland.

Oh und wer glaubt, dass Maßkrüge und blau-weißte Fahnen genug des Schubladendenkens sind, kennt mich schlecht. Hier wird jede „G’scheide Brezn“ auf genug „Soiz“ überprüft. Wenns ganz hart kommt, leih ich mir ein Dirndl, lern Schuhplatteln und schildere meine Erfahrungen, die ich mit meinen Künsten auf dem Stachus gemacht hab.

Und ich weiß, dass alle Nicht-Münchener/Bayern es tunlichst vermeiden sollten, bayerisch zu sprechen. Puh ja, ich machs trotzdem. Bis einer weint.

So und wer sich eher dafür interessiert, wie das „VICE Magazine“ die Stadt so findet, kann sich den „Guide to München“ herunterladen. Und dazu gibts auch gleich die passende Besprechung.

Hier um die Ecke ist angeblich der Augustiner-Biergarten. Den geh ich jetzt mal suchen. Pfirt eich!