Beige Leute

Ich denke, das zwischen Tobias und Petra ist vorbei. Jeden Morgen fahren die beiden mit mir im Bus. Sie steigt am Jugenstilbad aus, er am Schloss. Sie verabschieden sich immer mit einem Kuss auf die Nase. Seit letzter Woche nicht mehr. Petra winkt nicht mal mehr mit ihren dünnen Ärmchen.  Tobias dreht sich nicht mehr nach ihr um und wirft ihr Küsschen zu.

Tobias und Petra heißen sicher nicht Tobias und Petra. Aber sie sehen aus wie ein Tobias und eine Petra. Tobias und Petra sind sehr kontrastarme Menschen. Er trägt Jeans, die ein bisschen zu weit oben sitzen. Sie trägt schwarze Fließpullis und nie Make-Up. Ich behaupte nicht, dass anständige Klamotten und Schminke in Darmstadt Pflicht sind. Aber beige Leute wie Tobias und Petra fallen einfach nicht auf. Sie fallen so sehr nicht auf, dass sie still herausschreien, dass sie die langweiligsten Menschen der Stadt sind.

Bei Tobias und Petra gibt’s zum Abendbrot (ja sie sagen immer Abendbrot) Schnittchen mit sauren Gurken. Tobias und Petra legen abends ihre Brillen nebeneinander aufs Nachtschränkchen. Sie hat links 0,5 Dioptrin und rechts 0,75. Bei ihm ist es umgekehrt. Beide haben Beißschienen, die sie über Nacht tragen müssen. Vor dem Einschlafen liest sie Harry Potter und er das CT-Magazin.Und dann ein Küsschen auf die Nase. Gute Nacht.

Jetzt nicht mehr. Petra winkt nicht mehr. Und Tobias schaut traurig. Das Ende einer beigen Beziehung.

vorbei.

Wir kennen uns schon seit Jahren, ernst wurde es erst vor zwei. Ich kann also nicht sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war. Irgendwie haben wir zusammen gefunden. Verkupplungsaktion – man kennt das ja. Am Anfang war es auch wirklich spannend. Mit jedem Mal entdeckte ich neue Seiten, neue Facetten an dir. Dein Stil hat mir gefallen. Deine Intelligenz hat mich beeindruckt, mich eingeschüchtert. Ja, ich war fasziniert von dir.

Die erste Verliebtheit verflog. Alltag kehrte ein. Wir sahen uns einfach zu oft. Jeder Morgen mit dir wurde zur Routine. Ich fühlte mich verpflichtet, meine Freizeit nur noch mit dir zu verbringen. Und alles, was ich mal spannend an dir fand, langweilte mich nur noch. Du hast den Reiz verloren. Intelligent gabst du dich immer. Ich fande es überheblich. Ich interessiere mich nicht mehr für dich, genauso wenig wie du für mich. Du hast dich nie wirklich um mich geschert, wenn wir mal ehrlich sind.

Ich kannte dich – glaubte ich zumindest. Meinte all deine Launen deuten zu können. Vertrautheit war das nie. Du hast mehr genommen als gegeben – Zeit, Geld. Sicher hätte ich auch von dir profitieren können. Aber ich war es Leid. Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich mit dir zu beschäfigen.

In den letzten Monaten ist es zu einer richtig kleinen Fortsetzungsgeschichte geworden. Jetzt hat sie vorbei. Das ist okay. Man muss nichts künstlich am Leben halten. Machs gut, Spiegel. Wir können ja Freunde bleiben. Vielleicht sieht man sich nochmal – auf einen Quickie am Kiosk.

Wooho!

Feigheit

Diese ganze Sache zwischen Männern und Frauen ist nur deshalb so kompliziert, weil jeder vom anderen denkt, dass er anders als er selbst handelt: unlogisch, typisch männlich oder weiblich, unfair.

Dabei tun Männer und Frauen in Beziehungsdingen exakt das Gleiche. Alles fußt auf den drei Stichworten: Erwartung, Naivität und Feigheit. Das war’s. Wem schlussendlich welche Eigenschaft zukommt, liegt an der individuellen Situation.

Ein Szenario:

Er oder sie hat Erwartungen bezüglich einer anderen Person. Im besten Fall erfüllen sie sich. Aber die Welt ist nicht aus Brezelteig, also gehen wir davon aus, dass sich all die netten Erwartungen in kürzester Zeit zerschlagen.

Sollte das nur bei einem der beiden der Fall sein, ist der andere naiv, verblendet, ahnungslos und macht sich Hoffnungen.

Jetzt kommt die Feigheit ins Spiel. Der eine ist entweder so unemotional und teilnahmslos, dass es ihm einfach egal ist und er bricht den Kontakt ab. Oder aber er hat ein schlechtes Gewissen, und fängt an zu lügen und sich Ausreden einfallen zu lassen. Was die noblere Variante ist, sei dahingestellt. Egal wie, alles trägt dazu bei, das das Gegenüber verletzt wird (ob beabsichtigt oder nicht, ist hier nebensächlich).

Und das Resultat? Ab jetzt muss man zehn Minuten früher aus dem Haus, um mit einer früheren Tram zu fahren. Auf dem Weg zur Haltestelle schlägt man sich in Tarnkleidung durch die Büsche, und schlängelt sich unbemerkt in den hinteren Wagen.

Alles nur wegen des einfachen Prinzips: Erwartung, Naivität, Feigheit. Ganz besonders letzteres.

Beziehung aus der Perspektive

Ich glaub, Frauen sind schwierig. So aus der Männerperspektive.

Nehmen wir als Beispiel meinen Nachbarn. Der ist 25 und hat seit drei Jahren die gleiche Freundin. Oder er hatte in dieser Zeit fünf verschiedene Freundinnen. So genau kann man das nicht sagen. Die sehen nämlich alle gleich aus. Immer blond, süß und am Hosenbund quillt kein Bequemlichkeitsspeck. Wahrscheinlich fahren die die ganze Zeit Inline-Skates oder reiten oder was man auch immer als süße Blondine in der Freizeit tut. Ich wunder mich jedes Mal, dass die mit kleinen, blauen Corsas vor dem Haus parken. Volljährig sehen sie nicht aus. Muss mich aber scheinbar täuschen. 

Wir gehen eigentlich immer zur gleichen Zeit einkaufen. Der Supermarkt ist nicht groß und man kann wunderbar hören, wenn Menschen sich um Banalitäten streiten. Das macht sie ziemlich gerne. Er nicht. Er will eigentlich nur zwei Tiefkühlpizzen und einen Kasten Wasser. Sie regt sich darüber auf, dass er so ungesund isst. Sie findet es „scheiße“, dass er so viel arbeitet und erst nach 8 Stunden (!!) von der Arbeit kommt. Es is „voll blöd“, dass er „voll oft“ mit seinen Kumpels allein was machen will und dass er die xy so nett findet ist auch „net grad sooo geil“.

Dann treff ich auf die beiden – zwischen Butter und Streichkäse – und sage hallo. Was auch sonst? „Und nervts?“ wäre anmaßend und überflüssig. Das ist ja offensichtlich.

Zu Hause trage ich das Zeug aus dem Auto und schiele mal rüber. Ein Bild des Jammers. Sein Kopf liegt auf dem Lenkrad und sie gestikuliert auf dem Beifahrersitz. Ich kann sie nicht hören. Aber wird schätzungsweise das gleiche Geleier wie eben sein. Dann steigen sie aus. Er schließt die Tür auf. Sie schweigt.  Er flucht.

So lästig das Singleleben manchmal auch sein mag. Aber sowas muss wirklich nicht sein. Auch aus Frauenperspektive.