L’État est le CDU

Bis vor etwa drei Wochen wusste ich noch nicht einmal, dass Köhler zurückgetreten ist. Wie auch? Auf dem Atlantik ist das mit dem WLAN ein bisschen doof. Erst als ich mir in Lissabon am Flughafen eine Süddeutsche gekauft habe und Artikel über die Präsidentschaftskandidaten Wulff und Gauck las, kam ich ins Grübeln. Präsidentenwahl war doch erst…? Hab dann mal meinen Busnachbar gefragt, ob Köhler denn zurückgetreten sei. Der – na sagen wir mal – typische Mittzwanziger aus Frankfurt (Main) antwortet mir dann „Ey kein Plan. Is das son alter Typ?!“ Hm.

Bis dahin, das heißt bis ich zu Hause war und Wikipedia bemühte, wusste ich auch nicht wer Joachim Gauck ist. Wenn man 1985 in Westdeutschland aus dem Becken gerutscht ist, erlebt man innerdeutsche Geschichte nicht live sondern nur als Rückblick im Geschichtsunterricht und da ist der Name Gauck nie gefallen. Keine Schande. In der kurzen Zeit hab ich mich aber mit dem Kandidaten von SPD und Grüne beschäftigt und er wurde mir sympathisch.

Gegen den Menschen Wulff hab ich nichts. Manche nennen ihn profillos, andere weichgespült. Gibt aber wahrlich unsympathischere Ministerpräsidenten. Und genau da liegt für mich das Problem: Er war Landesvater und auf seiner Stirn ist dick und fett Partei gestempelt. Es ist dabei egal, ob die Partei schwarz, rot, grün oder gelb ist. Überparteilich sollte ein Bundespräsidenten sein. Ein Merkmal, dass Wulff nicht erfüllt. Keiner kann mir erzählen, dass Wulff in Zukunft nicht einfach alles durchwinkt, was ihm von Schwarz-Gelb auf den Schreibtisch gelegt wird. Neutral wird er nie agieren. Dass solch eine Kandidatur überhaupt möglich ist, finde ich unfassbar. Absolute Herrschaft für die CDU.

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