Ein Lächeln in der Fremde

Mit einem Allerweltsgesicht wie meinem falle ich nirgends wirklich auf. In Südamerika hält man mich für eine Argentinierin, in Odessa für eine echte Ukrainerin, in Israel für „a jewish girl from the US“, in Hebron für eine Palästinenserin, die ihr Kopftuch vergessen hat. Die Liste ist endlos. In Taipei ist das endlich anders …

Ja, mein erstes Mal Asien, und hier darf ich endlich mal Fremdkörper sein. Das liegt aber nicht an den Taiwanesen, mit denen ich keine phänotypischen Merkmale teile. Denen bin ich herzlich wurscht. Woran ich merke, dass ich optisch hier so gar nicht reinpasse, sind die beiden Westler, die mir in der Stadt begegnen. Schon von Weitem hellt sich ihr blasses Gesicht auf und sie machen das, was ihnen in europäischen Städten nie in den Sinn kommen würde: Sie lächeln, herzlich und offen.

Einfach fremde Leute anstrahlen? Zu Hause undenkbar. Die unnahbare Fassade muss ja schließlich aufrecht gehalten werden. Anflirten will man schon gleich gar niemanden. Man gehört so sehr dazu, dass man vergisst, einfach mal nett zu sein. Erst in der Fremde, wenn man jedem egal ist, zeigen Europäer Zähne und sich so in stillem Einvernehmen, wie furchtbar exotisch sie hier doch sind.

 

Info

China Airlines bietet für Fluggäste mit langem Zwischenstopp in Taipei kostenlose geführte Touren an: vormittags zum Sansia & Zushih Tempel, nachmittags direkt in die Stadt. Leider kann man nur eine der beiden Touren wählen. Ich bin morgens mitgefahren und am Nachmittag auf eigene Faust losgezogen: Bus 1960 fährt alle halbe Stunde für umgerechnet 3,50 Euro von Terminal 1 direkt zum Taipei 101. Von dort aus ist der Weg in die Innenstadt mit den U-Bahnen nur ein Katzensprung. Eine typisch asiatische Fressmeile hab ich der Kürze nicht gefunden. In der B-Ebene des 101 gibt’s aber ziemlich leckeres Udon.

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