Ein Festival der Abscheulichkeiten

Wenn halb Hamburg zusammen findet, sich einheitlich Perücken aufsetzt, übergroße sternförmige Sonnenbrillen in gold und hellgrün aufzieht, sich Fetzen in psychodelischen Mustern in die Hosenbeine näht und sich Prilblumen auf den Hintern klebt, nennt sich das dann „Schlagermove“.

Fünfzig LKWs mit Anhänger, auf denen sich retroverseuchte (ganz) spätpubertäre tummeln und gemeinsam die „gute“ alte Zeit feiern, in der man noch zu den romantischen Klängen von Rex Gildo und Marianne Rosenberg knutschte und sich beäumelte während man „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ sang.
Jeder Wagen hatte sich vorher teures Equipment besorgt und ganze 10 Euro in die „Bärenstark Vol. 37“ investiert und glücklicherweise tönte immer dann „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ wenn der Tross an mir vorüberzog.

Ganz super ist so ein Unfug dann bei strömenden Regen und zwei Menschen, die es echt „scheiße geil“ finden. Dreht sich dann noch ein Mittvierziger in silbernen Muskelshirt und Hubert K.-Gedächnisfrisur zu einem um und fragt bierbefahnt: „Na, dein erster Schlagermove?!“, bleibt einem nichts anderes übrig als ein „ja, und mein letzter“ zu entgegnen und sich wieder auf den Heimweg zu machen.

Gut an solchen Veranstaltungen ist, dass man ganz genau aussortieren kann. Denn jeder Mann, der heute auf dieser gigantischen bad taste-Party zugegen war, wird unverzäglich von der Liste der möglichen Lebensabschnittsgefährten gestrichen.

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