Die Jeans ist tot

Die längste Beziehung meines Lebens hatte ich mit einer Jeans. Only, Größe 42, Länge 36. Drei Jahre waren wir glücklich. Mit ihr bin ich besoffen über dutzende Zäune geklettert. Ich hab sie mit jeder denkbaren Pampe bekleckert: Terpentin, Eis und mit der weißen, gallertartigen Ekelsoße aus der Mensa. Ging alles wieder raus. Den Saum hab in sechs Monaten in der Schanze und auf der Reeperbahn gefetzt. Der Stoff am Hintern wurde in München auf den Stufen des Theaters am Gärterplatz langsam dünn. Beim Zelten hat sie vor Dreck gestanden aber genau dann war sie am bequemsten. Ich liebe diese Jeans. Ich dachte wir laufen gemeinsam durch die Pampa. Argentinischen Dreck im Gewebe hätte ihr gut gestanden. Letztes Jahr hab ich noch versucht, sie zu nähen. Hatte einen wichtigen Termin. Die Flickerei war eher unprofessionell. Aber jetzt ist sie entgültig am Arsch. Im wahrsten Sinne. Nähen bringt nichts mehr. Vorne, hinten, unten und oben: zerfetzt. Schade. Und jetzt? Ich will sie irgendwie nicht wegschmeißen. Das ist wie mit alten Chucks. Die entsorgt man auch nicht so einfach. Da stecken Geschichten drin. In der Jeans stecken drei Jahre Erinnerungen. Die drei wichtigsten Jahre meines Lebens. Nicht nur wegen der Jeans. Aber die war meistens dabei.

5 thoughts on “Die Jeans ist tot

  1. rebecca

    Ach, sie hatte ein erfülltes Leben würde ich sagen.

    Meine alten Jeans schneide ich einfach an der gerissenen Stelle ab und trage sie, wenn ich mich grade nicht allzu fett fühle. Also selten, aber immer noch besser als nie wieder.

    Dein Riss hier ist allerdings ziemlich weit oben…

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  2. Pia

    jaaa weit oben triffts. hatte die am dienstag noch im kino an und durfte mir anhören, dass man so aber nicht vor die tür gehen sollte…spießer.

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  3. Jenny

    Scheiße, war ich schon lange nicht mehr hier. Sieht gut aus.

    Bei meinen Jeans noch hinzu, dass sie neben den Löchern auch noch viel zu eng geworden ist. (Oder ich zu fett, je nachdem.) Löcher bevorzugt im Schritt oder eben auch am Hintern.

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  4. Marc

    Die Blogwelt ist auch ein Dorf. Wo kommst denn Du jetzt her, Jenny? Ich bin ja hier, weil ich darüber stolperte das Pia fürs gleiche südhessische „Medienhaus“ unterwegs ist wie ich. 🙂

    Und zum Thema: Manche meiner Jeans sind schon zum zweiten Mal geflickt. Ich muss jetzt nur mal eine weglegen, damit ich auch mal eine Ordentliche habe, wenn man ordentlich aber underdressed auftauchen soll.

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  5. Ina

    hey pia,

    wenn du dich nicht trennen kannst näh dir doch ne tasche oder einen geldbeutel daraus 🙂 dann ist sie wenigstens noch immer an deiner seite…

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