Die Jeans ist tot

Die längste Beziehung meines Lebens hatte ich mit einer Jeans. Only, Größe 42, Länge 36. Drei Jahre waren wir glücklich. Mit ihr bin ich besoffen über dutzende Zäune geklettert. Ich hab sie mit jeder denkbaren Pampe bekleckert: Terpentin, Eis und mit der weißen, gallertartigen Ekelsoße aus der Mensa. Ging alles wieder raus. Den Saum hab in sechs Monaten in der Schanze und auf der Reeperbahn gefetzt. Der Stoff am Hintern wurde in München auf den Stufen des Theaters am Gärterplatz langsam dünn. Beim Zelten hat sie vor Dreck gestanden aber genau dann war sie am bequemsten. Ich liebe diese Jeans. Ich dachte wir laufen gemeinsam durch die Pampa. Argentinischen Dreck im Gewebe hätte ihr gut gestanden. Letztes Jahr hab ich noch versucht, sie zu nähen. Hatte einen wichtigen Termin. Die Flickerei war eher unprofessionell. Aber jetzt ist sie entgültig am Arsch. Im wahrsten Sinne. Nähen bringt nichts mehr. Vorne, hinten, unten und oben: zerfetzt. Schade. Und jetzt? Ich will sie irgendwie nicht wegschmeißen. Das ist wie mit alten Chucks. Die entsorgt man auch nicht so einfach. Da stecken Geschichten drin. In der Jeans stecken drei Jahre Erinnerungen. Die drei wichtigsten Jahre meines Lebens. Nicht nur wegen der Jeans. Aber die war meistens dabei.