lleno

Ich will da eigentlich gar nicht rein. Die ältesten U-Bahn-Waggons der Welt kommen knarzend zum stehen, die verschrammten Holztüren der Linie A öffnen sich und es strömt ein Dunstgemischt aus Fußschweiß, billigem Parfum und Katzenfutter entgegen. Nein, ich will das wirklich nicht rein. Zu viele schwitzende Leiber auf zu kleinem Raum. Sardinenbüchse ist dafür eine nette Umschreibung.

Dem dicken, alten neben mir rinnen Schweißperlen die grobporige Stirn hinab. Der junge Banker versucht sich die Schläfen mit seiner Krawatte abzutrocknen. Oh Gott und jetzt hebt einer auch noch seinen Arm, um sich irgendwo verzweifelt festzuhalten. 83 Prozent Luftfeuchtigkeit, Alter!!! Hinter mir spüre ich jemanden, von dem ich hoffe, dass er einfach nur einen Schlüsselbund in der Hosentasche hat. Ich hatte mit einigen Männern hier morgens in der U-Bahn engeren Kontakt als mit so manchen bei gewollt intimen Aktionen.

So knattern wir eingepfercht also acht Stationen von Rio de Janeiro in meinem Bezirk bis ins Zentrum zur Station Lima. In Plaza Miserere ticken die Leute völlig aus. Es ist so schon kein Platz mehr aber nein: alls rein damit. Wie verblödete Rinder, die ins Gatter getrieben werden. Den Wahnsinn in den Augen. Ob sich die Türen noch schließen lassen, is jetzt egal.

Und dann da erstmal wieder rauskommen. Aller spätestens beim Kongress sollte man sich Gedanken machen wie man am besten zur Tür gelangt. Noch drei Haltestellen aber wer sich jetzt nicht rührt, hat verloren. An den größeren vorbeikommen, ist kein Problem: Lächeln, „permiso“ flüstern und vorbeischieben. Der Hintern ist ja gottseidank mehr breit als tief und so belästigt man keinen in der Hüftgegend. Schlimm sind die kleinen Frauen. Die übersieht man leicht. Sie wuseln wie kleine Wiesel vorbei und kneifen einem in den Bauch, wenn man zu langsam reagiert. Von oben sieht man dann nur einen dunkel behaarten Kopf mit hellem Scheitel. Handtäschchen stets geschultert.

Nachdem ich also so ziemlich jedem unfreiwillig meine spärlich vorhandenen Brüste ins Gesicht gedrückt habe, bin ich endlich draußen. Station Lima. Und jetzt umsteigen. Linie C. Doppelte Auslastung. Mehr Menschen. Mehr Schweiß. Jetzt erstmal Wochenende.

One thought on “lleno

  1. hopi

    Pia – um diese U-Bahnfahrten bist Du nicht zu beneiden! Hoffen wir mal, dass es wirklich nur ein Schlüsselbund war…

    Ganz liebe Grüße,

    Hopi

    Reply

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