weg…

Von einem nüchternen Standpunkt aus betrachtet, ist es garnicht so schlecht, wenn einem alles geklaut wird, das einen dazu befähigt am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

So kann ich in nächster Zeit überhaupt kein Geld ausgeben, da weder Bargeld noch EC-Karte vorhanden und die Bank hat auch nur geöffnet, während ich arbeite. Das ist gut, denn so kann man viel Geld zusammensparen für die Studiengebühren im nächsten Semester. Und ich trinke so wesentlich weniger Bier, was sich wiederum positiv auf den Diätplan auswirkt.

Ok kein Essen kaufen zu können, ist vielleicht etwas ungünstig. Aber hey. Vollkornbrot is eh auf Dauer fad. Naturjoghurt auch. Also nicht schlimm, wenn man darauf ne Zeit lang verzichten muss. Und man kommt auch so über die Runden. Man muss nur möglichst fertig mit Augenringen und zerzauselten Haaren 5 Stunden über die Reeperbahn laufen, in der utopischen Hoffnung, dass irgendjemand die Habseligkeiten in der Bar abgegeben hat, und schon gibt einem ein kleiner, betrunkener Mann einen Burger und eine Coke aus. „Siehst fertig aus, Mädel“. Ja stimmt. Danke.

Außerdem muss ich jetzt auch keine Angst mehr vor den Schaffnern in der U-Bahn haben. Keine Fahrkarte? Ja richtig, weil ich ein Mensch ohne Identität bin, quasi nicht existent so ohne Ausweispapiere. Und solche Menschen brauchen keine Fahrkarten. Außerdem wäre die Monatskarte sowieso in meinem Geldbeutel gewesen, hätte ich mir je eine gekauft. Also wäre die jetzt auch weg. Wird er sicher verstehn.

Und ohne Handy fühlt man sich gleich viel freier. Keine nervigen Anrufe nachts um drei von Menschen, die man ewig nicht gesehn hat und die sich dann völlig betrunken mit „Uah naaa, man is mir schlecht“ melden.
Generell muss man so mit keinem Menschen mehr reden. Man kann seine ganze wertvolle Energie auf sich konzentrieren. Meditativ in sich versinken und alle äußeren Reize ausblenden. Das ist einfach. Ist ja nichts mehr da, was das dann klingelnderweise zerstören könnte.

Alles, das jetzt weg ist, hat auch nur einen rein materiellen Wert. Bin keine Person, die Fotos aller Familienmitglieder plus deren Haustiere und Filzläuse im Geldbeutel sammelt. Hatte auch keine liebevollen SMS von Lebensabschnittsgefährten auf dem Handy gespeichert. Alles nur Nutzgegenstände. Alles ersetzbar, austauschbar.

Das einzige, das nervt: Ich hab erst vor einem Jahr einen neuen Personalausweis beantragt. Und das Bild darauf fand ich ziemlich gelungen. War dummerweise aus dem Passbildautomaten und da bekommt man ja nur vier Abzüge. Keiner mehr übrig, glaub ich. Müsste mal nach schaun. Aber Bilder sind zu Hause in Hessen. Ach ja stimmt, verfüge kein Bargeld für eine Fahrkarte. Also egal.

So und wer völlig sarkasmusresistent ist und diesen Text auch nur ansatzweise ernst nimmt, ist herzlich eingeladen sich mit mir in die Elbe zu stürzen. Is ja kein Leben.

One thought on “weg…

  1. shine.on

    Dabei klang es so gut…

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