Darum freu ich mich aufs Wochenende

Andere ziehen sich ihre weißen Deichmann-Stiefelchen an, hüpfen in ihre Hüftjeans und können es kaum erwarten die ganze Nacht zu den melodischen Klängen der Disco-Boys durch die 99-Cent-Flatrate-Sauf-Party-Clubs zu wackeln.

Ich freue mich an jedem Wochenende hauptsächlich auf das hier:

Das gemischte Doppel im Süddeutsche Magazin. Ein Schmankerl, das meiner Ansicht nach den Wortwitz auf ein anderes Level hebt. Für diese Art Humor wurde die Bezeichung „köstlich“ erfunden. Jede Woche kommen die mit Kreationen (und persönlichen Highlights) wie „power shoppen – shower poppen“ oder „reinfeiern – fein reiern“ aus der Hüfte, alles hübsch bebildert. BEÄUMELN KÖNNTE ICH MICH DA!!!!

Wer jetzt glaubt mein Leben sei irgendwie fad, weil ich lieber lese, anstatt besoffen auf der Straße und schließlich in irgendwelchen Betten rumzufallen, dem sei gesagt, dass ich mittlerweile tatsächlich so alt bin, dass ich ansonsten mit zwei Litern Äppler, drei Freunden und einer Kneipe an einem Freitagabend völlig zufrieden bin. Exklusive Kopfschmerzen.

One night in HH

Zwei Tage war das Göschle krank. Nun bloggt sie wieder – gottseidank!Anbei ein Ausflugstipp, wenn man sich an einem Wochenende bei strahlendstem Hochsommer-Sonnenschein in Hamburg aufhält:Man lade sich möglichst viele nette Menschen in die Wohnung ein (oder man geselle sich zu möglichst vielen netten Menschen dazu, die geschlossen in eine Wohnung gehn, sofern man keine eigene besitzt) Dort kocht man dann lecker Nudeln mit ultrafrischer Tomatensoße und noch viel frischerem Basilikum. Dazu ein Fässchen Bier und der Abend kann beginnen.Die so geschaffene Grundlage nutzt man geht schnellen Schrittes auf die Reeperbahn. Dort nimmt man noch einige Astra zu sich und schaut sich auf dem Hans-Albers-Platz ein wenig „um“. Naja man schaut eher an. Und zwar die professionellen Damen, die mit Vorliebe scheinbar Nerdige Männer in karierten Flanellhemden und Rucksäcken ansprechen. Ist klar, dass die sonst nicht viel anderes sehen außer Mutti und die Handinnenfläche. Brauchen sich die Ladies auch nicht wundern, wenn sie solch ein Exemplar dann mit in ihre „Arbeitsräumlichkeiten“ nehmen müssen.Ja das macht man dann so 15 bis 20 Minuten (also das beobachten solcher „Anbandelversuche“ mit Honorar) bis die eigene männliche Begleitung völlig begeistert und mit dem Kommentar „Das ist der friedlichste Ort der Welt“ aus der Herbertstraße kommt.Anschließens erzählt man noch der drallen Bardame im roten Lackkorsett ganz obligatorisch und klischeehaft wie scheiße das Leben ist und kippt sich theatralisch einen braunen Sambuca hinter die Binde. Und dann ab zu den Landungsbrücken.Mittlerweile ist es kurz vor 5 und man kann sich schleunigst zu Fuß durch den alten Elbtunnel machen. Drüben auf er anderen Seite sollte man (sofern man die geignete Ausstattung dazu hat) unbedingt auf das Pförtnerdach steigen und von oben runterpissen. Danach ab auf den Kai und den Hamburger Sonnenaufgang beobachten. Die ganze Zeit „Hmm jaaa man geil“ und „Aaaach man Leben is halt doch irgendwo gut“ denken und möglichst viel gemeinsam in Erinnerungen schwelgen.Nach einer Stunde wieder ans andere Ufer und schnell zum Fischmarkt. Viel heißen Backfisch in sich reinfressen, dazu möglichst viel Kaffee trinken und für den Viitaminhaushalt eine Tüte Trauben vertilgen.Anschließend auf die Busfähre und in Richtung „Ölvergönne“ schippern, sich in den weichen Sand des Elbstrand setzen und in der frühmorgendlichen Sonne langsam einschlafen. Pünktlich um halb 10 wieder aufwachen und gemütlich zurück nach Hause torkeln und nach Möglichkeit schlafen. Zu Hause. Im Bett. Egal wie gut das Wetter ist. Sonst wird man krank und kann zwei Tage nicht bloggen.

Sonntags um 12 wirds fad

Früher als Kind saß man Sonntag Vormittag um Punkt halb 12 vor dem Fernseher, schaltete auf ARD schaute wie gebannt auf die flimmernden Bilder. Eine dudelige Titelmelodie erklang und der Satz „krischni tumulu hopsala blömnbiuzfölfbhvnapüosdj – das war molwanisch“ eröffnete eine halbe stunde Spaß, Wissensvermittlung und der Eklärungen wie der Kleber aufs Pföaster kommt. Zum Beispiel. Sendung mit der Maus – herrlich.

War die halbe Stunde vorbei und die nächste Sendung begann, gab man schon als kleines Mädchen ein lautes „laaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig“ von sich (und das kam von herzen) und schaltete pünktlich zu Beginn der „Presseschau“ wieder um.

Genau das gleiche passiert heute auch noch. Dann nämlich sitzt man genau so da. 15 Jahre älter. Mit einer minimalen journalistischen Berufserfahrung und denkt sich: „Boaaahh scheiße ey, bitte sagt mir wen der Dünnpfiff interessieren soll!“ Und das obwohl man den gleichen Beruf ergreift wie der vertrockneten Redakteure mit den Helmfrisuren, die hinter einem blau beleuchteten Tresen sitzen und über Devisen und Kinderarmut in Deutschland dikutieren.

Sollte man sich dann Gedanken machen?