Die 10 Gebote

Nach nunmehr vier Monaten in der Straßenumfragebranche habe ich einiges gelernt. Soviel, dass ich mit meinem fundierten Straßenumfragenwissen fundierten Tipps und Tricks für eine gelungen Straßenumfrage geben kann. Also:

  1. Lächle. Immer. So lang bis dir schlecht wird. Und darüber hinaus.
  2. Vergiss deinen persönlichen Geschmack. Lautet die Zielgruppe männlich zwischen 25 und 40, dann ist das so. Wer auf die Schönen wartet, steht ewig rum.
  3. Wenn ein Mann vor dir wegrennt, renne nicht hinterher.
  4. Stell dich an eine enge Furt (max. 2 Meter Breite). Am besten zwischen Schaufenster und U-Bahn-Eingang. Sie müssen an dir vorbei und laufen so direkt in die Falle.
  5. Meide Promoter. Sie schwatzen dir die Knochen ihrer Großmutter auf bevor du überhaupt zu Wort kommst.
  6. Meide die Nachbarschaft von Promotern. Die nerven Passanten schon genug. Deine Chncen sind dann merklich geringer.
  7. Entwickle ein Gespür für die Zielgruppe. Gutgekleidete Banker mit Schleimfrisur machen so einen Unfug eh nicht mit.
  8. Kontrolliere das Gespräch. Einer unter 50 Befragten hört nicht mehr auf zu Reden. Bestimme, wann Schluss ist.
  9. Wenn du Bilder der Befragten machen musst, sorge für eine gute ethnische Mischung der Befragten. Knifflig in Gegenden wie Neukölln oder dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.
  10. Nie Pärchen anquatschen. Ganz besonders nicht bei Fragen nach sexuellen Präferenzen.

Amen.

Bekenntnisse einer Chipsschlampe©

So als armes Umfrage-Tierchen zeigt man sich ja gerne solidarisch mit anderen, die ähnlich Qualvolles verrichten müssen. Kaum bin ich also heute an der Konstabler aus der U-Bahn gekrochen und 100 Meter die Zeil entlang gelaufen, spricht mich und die Kollegin eine alte, vertrocknete Pflaume an, ob man nicht an einem Geschmackstest teilnehmen möge. Dauert auch nicht lang.

Fünf Minuten und zehn Fragen „für die Statistik“ später sitze ich im vierten Stock eines Frankfurter Neubaus gegenüber eines19-Jährigen mit Migrationshintergrund, vor mir sieben Schalen Kartoffelchips. Paprika-Geschmack. „Vor sich sehen sie… sie sieben Schalen Chips. Probieren Sie bitte mindestens vier Sorten und schildern Sie mir ihr Geschmackserlebnis“, las es vor und schaute dumpf.

Viermal durfte ich verköstigen und jeweils 25 Fragen beantworten. Sinnhaftes wie „Sind ihnen sie Chips zu salzig?“ oder „Wie schätzen Sie den Salzgehalt der Chips ein?“ oder „Halten Sie die Chips für zu salzig“. Ich kann nicht leugnen, nicht aggressiv geworden zu sein.

Armer Junge. Eine Furie vor sich sitzen und hinter der verspiegelten Wand beobachten ihn seine Vorgesetzten, während ihm die Furie den Fragebogen mit den Worten „Gib das mal her. Ich füll das selbst aus. Nimmt ja sonst nie ein Ende!“ aus den Händen reißt.

Zur Belohnung gabs zwei Euro. Also für mich. Davon hab ich mir einen Tee gekauft. Was die Finanzkrise alles aus uns macht… Dabei mag ich noch nicht mal Chips. Schon gar nicht morgens um elf.

© Sascha P.

Bullshitting deluxe

Zwei sich völlig fremde Menschen machen unabhängig voneinander eine Straßenumfrage und treffen sich zufällig in der Fußgängerzone:

Sie: Also Deal: Ich beantworte dir deine Frage, wenn du mir meine beantwortest. Is das was?
Er: Okay, dann schieß mal los.
Sie: Was ist deine Lieblingsstellung und warum?
Er:… Ääähheeemm (oO) *schwitz*. Also… ich… mhhh
Sie: Woo woo woo, wart ma kurz. Seh ich das nur so oder hat der alte Kerl da drüben tatsächlich Brüste??!!
Er: BAM! Tatsache. Krass.
Sie: Krass… also?
Er: Was?
Sie: Die Frage!
Er: Achso. Ne ich glaub ich will das nicht beantworten. Aber willste meine Frage jetzt hören?
Sie: Nä lass ma. Kein Interesse.

Anderer Ort, wieder zwei Menschen. Diesmal Kollegen:

Er: Hey, alles klar bei dir?
Sie: Naja, hab grad 20 Typen nach ihrer Lieblingsstellung gefragt und nur fünf haben mir geantwortet.
Er: Hm… wieso machste das denn auch. Arbeite doch lieber was.
Sie: Arschloch.