Eine Rose für den Herrn an Tisch 8

Es passieren wunderliche Dinge, wenn man sich entscheidet, in einer Gaststätte nur mal eben die sanitären Anlagen aufzusuchen. Geplant war eigentlich im „Wirtshaus in der Au“ (Warnung: Schlimme Saxophon-Musik beim Anklicken!!!) in Haidhausen die Männertoilette anzuschauen, weil das laut meinen Tischgenossen ein „echtes Erlebnis“ sein soll. Ich wollte aber keine Verwirrung unter den anderen Lokalgästen stiften und bin deshalb doch durch die Tür mit dem großen „D“ gegangen.

Am Waschbecken steht ein blauer Eimer gefüllt mit ein Duzend Rosen. Wenn die nicht drin gewesen wären, hätte man auch meinen können, dass die Putzfrau ihr Arbeitsmaterial vergessen hat. Wollte zum restlichen, eher rustikalen Interieur nicht so recht passen.

An dem Eimer klebte ein Zettel:

Hallo Unbekannte. Thomas (Bild von ihm rechts daneben, d. Red.) beabsichtigt allen Ernstes, in Kürze zu heiraten. Wir, seine Freunde, möchten ihn zur Vernunft bringen und ihm zeigen, dass er immer noch interessant für das weibliche Geschlecht ist. Also nimm eine Rose und lass an unserem Tisch (von der Toilette aus geradeaus zur Fensterfront) all deine Charme spielen und flirte mit Thomas. Wir (und sicher auch er) danken es dir.

Tja, wäre ich nur halb so durch und der Typ auch nur ansatzweise attraktiv, hätte ich so eine Aktion sicher nicht mitgemacht. Aber da er sich optisch irgendwo zwischen Bill Gates un Oliver Kalkofe bewegte und ich gestern abend guter Dinge war, ließ ich mich nicht lange bitten.

Kurz danach schwebte ich über mir und sah mich einem Mann eine Rose überreichen. „Oh, ich hab dich schon von draußen gesehen und ich finde dich wirklich sehr attraktiv. Wenn du magst, können wir mal was trinken gehn. Würde mich sehr freuen“, sprach es und lächelte. Während der (unglaubwürdigen) Ansprache fotografierten mich die restlichen zwölf Männer am Tisch und applaudierten, als ich mich wieder in Richtung Ausgang bewegte.

So und was lernen wir daraus?

  1. Es heiraten nicht immer nur die besten und attraktivsten Männer.
  2. Jeder Mann sollte gute Freunde haben, die ihn vor drohendem Unheil zu bewahren versuchen.
  3. Es gibt sie noch: die guten Ideen für einen Jungesellenabschied!
  4. Man sollte vorher doch ins Männerklo gehen, um solchen Aktionen eine ganz besondere Note zu verleihen.

Phasenweise

Während einer mehrstündigen Technik-Schulung an einem warmen Tag in einem abgedunkelten Raum, durchlebt man unterschiedliche Phasen.

In Phase eins hört man dem Mann, der sich da durch die Website klickt, ganz aufmerksam zu. Man nickt, schreibt jeden Blödsinn mit, macht Randnotizen und eh man sich versieht, sind vier DIN A4 Blätter mit Zeug vollgekritzelt, das man sich wahrscheinlich nie mehr durchliest.

So nach zirka einer Stunde wandert der Blick an die Decke und der Kuli langsam durch die Finger. Kurz schütteln und weiter zuhören. Vielleicht mal an dem Wasser nippen, das vor einem langsam schal wird. Das Mitschreiben hat man aufgegeben. Sehnenscheidenentzündung ist eine unangenehme Sache.

Nach Minute 115 beginnt Phase drei. Man starrt alibihalber immernoch auf die Wand, wo der Curser fleißig weiter Buttons anklickt. Irgendjemand redet. Die Gedanken werden immer primitiver. Eigentlich denkt man nur noch an Essen und Sex. Immer abwechselnd. Erst Pizza, dann vögeln, dann Spaghetti und dann kugelt man sich durch die Federn. Woaaah, ein Leben für ein Tomate-Mozarella-Chiabatta-Brötchen. Für den Kuss würd ich jetzt töten! Lecker Eis mit Waffel.. ohh lecker Eis im Bauchnabel! Und das Grinsen wird immer breiter. Während man so in Gedanken an verschiedenen Dingen rumleckt, hört man dumpf eine Stimme, die immer lauter wird. … „Und dann einfach nur noch per drag’n’drob rüberziehen und voilà…“

Grmpf. Ok, noch etwa 45 Minuten. Sex hat sich jetzt erledigt. Dafür muss man tierisch aufs Klo. Scheiß Wasser. Die Minuten schleichen vorbei. Man beobachten die Uhr und sehnt sich nach einer Toilette. Bitte lass es vorbei gehen. Tick. Tack. Jaaa verdammt!!! Beine übereiannderschlagen funktioniert noch noch bedingt. „Ja dann dank ich euch für die Aufmerksamkeit. Schönen Feierabend!“ Raus hier. Schnell!!! …Wohltat.

In der Tram ist man dann wieder ganz bei Phase drei und zu Hause gibts Vollkornbrot… Na toll.