Eier und Jesus

Ich hasse  nichts mehr als morgens, nachdem ich frisch geduscht bin und wie ein Frühlingslingsmorgen dufte, in eine Küche zu kommen, in der die Luft steht, weil irgendjemand Eier und Speck gebacken hat. Der Dunst zieht sofort in alle Klamotten und Haare und man riecht, als ob man eine Nachtschicht bei McDonalds hinter sich hat.

Abgesehen davon ist es absolut pervers sich morgens ein komplettes amerikanisches Frühstück reinzuziehen und dabei IMMER DIESEN SCHEISS KICHENSENDER AUF VOLLER LAUTSTÄRKE IM RADIO ZU HÖREN!!!! MORGENS UM HALB 8!!!

Um es mit den Worten der anderen Mitbewohnerin zu sagen: „Leider leider hat sie den Arsch offen.“

Oh man…

Führe mich nicht in Versuchung…

Zugegeben, es ist etwas befremdlich für mich, in einem Zimmer zu wohnen, in dem jedes Buch irgendetwas mit Christentum und Glaube zutun hat: „So entstand die Bibel“, „Gottes Saat“ oder „Das Innenleben Jesu“, Teil eins und zwei. („Das Innenleben Jesu – jetzt erst recht“ hab ich in dem Chaos hier noch nicht gefunden)

Eine ehemalige Kollegin war auch mal während ihres Studiums eine Zeit lang in München. Damals wohnte sie in einem katholischen Mädchenpensionat: „Zehn Uhr Sperrstunde, aber die Miete war günstig. Sowas könnte doch auch was für dich sein“ Spontane Reaktion des ersten, dem ich davon erzählt habe: „Keine Woche und die schmeißen dich da hochkant raus!“

So, und jetzt das. Ein bisschen Glaubenspflege kann mir verlottertem Heidenkind nicht schaden. Von daher gar nicht so schlimm, dass sich hier die Moral in den Regalen stapelt und langsam einstaubt.

Was mich aber wirklich fertig macht, ist die Tatsache, dass die Küche vor lauter Schokolade überquillt. Aus jedem Schrank fallen mir säckeweise Schokoriegel entgegen. Die Schubladen sind vollgestopft mit Keksen und irgendwas, das „Deluxe Chocolate Sticks“ heißt. Rafaello-Packungen stehen einfach so aufgerissen auf dem Tisch und wenn ich wollte, könnte ich mich tagelang nur von Mousse-au-Chocolate-Fetigmischungen ernähren. Nur Milch dazu und man kann mich nächste Woche mit dem Kran aus dem Fenster hiefen. Und von den Knusper-Müsli-Flakes mir „Extra viel Schokoraspeln“ will ich erst gar nicht anfangen!

Bei Gott, ich werde mich in den kommenden Wochen unter den strengen Augen Jesu in meinem Zimmer zu benehmen wissen. Aber für die Küche kann ich nichts garantieren.

Die Wiedergeburt Jesu

Ja ich habs versucht, aber so richtig kommt man als Blogger um das Thema Ostern (gerade an Ostern!) nicht so wirklich rum.Ein kleiner Schwank, der mein grenzenloses relogionswissenschaftliches Unvermögen offenlegt:Im Februar habe ich eine Glosse für die hiesige Zeitung geschrieben. Die wurde auch brav gedruckt. Es ging im Kern um schlimme Feiertage und die Tatsache, dass sie überflüssig sind und einem nur wertvolle Zeit stehlen. In Absatz zwei habe ich von Ostern und irgendetwas über die Wiedergeburt Christi gefaselt. Ist recht gewagt Buddhismus und Christenrum innerhalb eines Satzes, der nicht mehr als acht Worte zählt, derartig miteinander zu verweben. Unschön aber durchaus möglich.Nachdem ich die E-Mail abgeschickt hatte, habe ich mich auch sofort ziemlich arg für den Fauxpas geschämt, war aber zu feige, meinen Fehler zuzugeben. Stattdessen verließ ich mich auf das immer wieder viel gelobte Vier-Augen-Prinzip. Also auf irgendeinen Redakteur, der kaffeeschlürfend an seinem Schreibtisch sitzt, den Unsinn liest und schmunzelnd den Rotstift zückt.Anfang März las ich dann den Text in der Zeitung. Unverändert. Hat man meinen Text überhaupt irgendwie zur Kenntnis genommen? Dachte man, ich mache einen Scherz und hat den Unsinn deshalb drin gelassen? Glauben die Redakteure selbst, dass Jesus so lange wiedergeboren wird, bis er ins Nirvana kommt? Hat irgendjemand überhaupt irgendeine Ahnung???Ich weiß seit dem nicht so recht wie ich mit der Situation umgehen soll. Grenzt an Narrenfreiheit, die mich etwas überheblich werden lässt. Auf Überheblichkeit folgt Ungenauigkeit. Mit Ungenauigkeit steigt die Fehlerzahl. Und dann weiß man wieder nicht, ob die jemand ausbügelt. Ein Teufelskreis. Und das an Ostern…