Büro-Lächeln

Der strategisch ungünstigste Platz im Büro ist der mit Blick auf die Tür. Dauernd sieht man Kollegen vorbei gehen und JEDER schaut rein und lächelt. Völlig egal wie oft man sich am Tag schon gesehen hat.

Das „Guten Morgen. Ich werd mich mal an die Arbeit setzten, wünsch dir auch viel Spaß“-Lächeln geht noch völlig in Ordnung. Mittags das „Kantine war echt würg, aber hey: wenigstens satt. Und du so?!“-Lächeln ist auch noch akzeptabel. Oder die „War grad Rauchen“ oder das „Lecker Kaffee. Prost“-Lächeln sind grenzwertig, aber naja. Und die „Joa komme gerade vom Klo/Drucker/Shop/irgendwasanderem und schlender jetzt so rum“-Lächeln nerven – arg.

Das Schlimme ist, dass ich das erwidern muss. Erstens hab ich mir ja vorgenommen, nur noch debil zu grinsen (was schon nach zwei Tagen langsam albern wird) und zweitens will ich nicht unhöflich sein. Und dauernd auf den Bildschirm starren, ist auch keine Lösung. Vielleicht sollte ich mir einen überdimensionierten Smiley ausdrucken und den in Kopfhöhe aufstellen. Dann denkt jeder, ich sei megafreundlich. Müsste vorher aber ein paar Wochen hier mit gelbem Kopf auftauchen, damit sich die Kollegen an den Anblick gewöhnen. Oder ich mach einfach die Tür zu.

Platzproblem

So als Praktikant hat man ja per se kein naturgegebenes Recht auf einen eigenen Schreibtisch/Rechner. Jeden Morgen aufs Neue stürmen fünf arbeitswütige Hobby-Journalisen in den Bunker und schlagen sich um die drei Arbeitsplätze.

Die Sieger dürfen dann gleich echte Arbeit machen -also Artikel schreiben. Alle anderen tigern erstmal planlos durch die Gänge und betteln echte Journalisten um Asyl in deren Böros an.

Der Ungeschickteste sitzt dann den lieben langen Tag gegenüber vom Herrenklo und beobachtet das rege Treiben. Geht zu wie im Taubenschlag. Nach neun Stunden Arbeit weiß man dann auch, wer von den Kollegen mit einer Sextanerblase gestraft ist und wer gerade Urlaub hat und deshalb nicht vorbei schaut.

Raum zum Arbeiten

Wie wir vor 2 Semestern bei IHR gelernt haben, gehört zu dem Rüstzeug eines freien Journalisten unumstürzliche Disziplin, ausgeprägter Geschäftssinn und fast schon penetrantes Selbstbewusstsein. Meiner Ansicht nach sollte man dazu auch noch ein adäquates Arbeitszimmer haben, von dem aus man dem Staat schriftlich auf die Pelle rücken kann.Im Bett arbeitet es sich nämlich nicht sonderlich gut. Man flätzt verkrümmt auf der Matratze, legt sich den Laptop auf den Bauch und lugt über die Tastatur. Hat ein bisschen was vom armen Poeten. Nur ohne die biedermeierliche Romantik. Immerhin hängt kein Regenschirm über dem Bett und man hat Zugang zu modernen, elektronischen Medien. Trotzdem nicht schön, weil man in der Senkrechten einfach unproduktiv ist. Man tut nur so als würde man schreiben. Stattdessen schaut man sich Videos auf Youtube an, liest diverse Nachrichtenseiten oder klaut im StudiVZ Gruppen anderer Mitglieder. Geschafft hat man im Endeffekt nichts. Man liegt rum wie ein römischer Imperator auf der Senfte und wartet gerade zu auf einen Mundschenk, der einem Trauben in den Mund stopft.Sollte ich also jemals in die Situation kommen, ernsthaft als freie Journalistin zu arbeiten, brauche ich ein Arbeitszimmer. Eines, in dem ein Sekretär aus dunklem Mahagoniholz steht und eine grüne Tischleuchte, wie man sie aus den riesigen amerikanischen Uni-Bibliotheken kennt. Hinter dem Schreibtisch steht ein riesiges Bücherregal, angefüllt mit Bildbänden, Fachliteratur und allen Wörterbüchern des deutschen Sprachraums.Ich werde mir das dann auch leisten können, weil ich höchstwahrscheinlich einen wohlhabenden, schwerschuftenden Manager geheiratet habe. Fortan widme ich mich dann, nachdem ich Noel-Samuel und Marie-Luna in den Elite-Kindergarten gebracht habe, zwischen dem Sushi-Workshop und dem Yoga-Kurs der Journallie. Ich verfasse als Feuilletonistin unwichtige Texte über Dinge, die 70 Prozent der Bevölkerung sowieso nicht interessieren, trinke dazu Mate-Tee und höre Norah Jones.Und außerdem macht im Bett arbeiten tierische Rückenschmerzen.