Mein erster Sony

Zu meinen Reisevorbereitungen gehört auch stets, mich in die Literatur des Landes einzulesen – quasi über das geschriebe Wort die Kultur ein wenig kennenzulernen, in die ich eintauchen werde. Ein Buch wurde mir mit den Worten, es sei das – also DAS – Kultbuch für alle, die nach Israel reisen, ganz besonders ans Herz gelegt: „Mein erster Sony“ von Benny Barbasch.

Mängelexemplar

Vor ein paar Tagen bin ich durch Berlin gestolpert auf der Suche nach einem adäquaten Gastgeschenk für meinen Couch-Mensch. Also für den, auf dessen Couch ich während der re:publica crashen durfte. Bin schließlich in einer Buchhandlung irgendwo in Mitte gelandet. Da war alles so billisch! Wunderte mich, weil sah gar nicht ramschig aus da. Hab dann festgestellt, dass das alles Mängelexemplare waren, die dort feilgeboten wurden.

Ganz besonders zynisch: direkt an der Kasse – ja da wo im Supermarkt auch immer das rumsteht, was sonst eigentlich keiner haben will – lag ein Stapel „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ von Schlingensief für 4,95 Euro. Einen, der seinen nahenden Krebstot in einem Tagebuch aufgearbeitet hat, als Mängelexemplar anzubieten, entbehrt nicht einem gewissen Sinn für Humor.
Jetzt les ich gerade das Buch und denk mir so: Schlingensief hätte das auch lustig gefunden. Der war so.

So traurig das Thema ist, aber ich muss die ganze Zeit ziemlich lachen während ich die Schimpftiraden auf Gott, seine Mama und die wuchernden Zellen in seinem Körper lese. Tut mir ja auch voll leid. Aber ich bitte euch:

„Es sieht wohl so aus, dass links ein bisschen in die Brustwand reingewachsen ist. Wenn es so wäre, wäre es auch kein Problem. Da kommt da ein kleines Stückchen von der Brustwand raus und dafür krieg ich da Goretex eingesetzt. Das finde ich extrem schick. Das hat auch nicht jeder: Wenn man mal in den Regen kommt, dann bleibt die Stelle einfach trocken. Die Farbauswahl ist der einzige Streitfaktor hier. Wahrscheinlich werde ich deshalb die Operation morgen doch noch absagen, denn die wollen mir Ocker einnähen, ich will aber Silber haben. Es soll silber glänzen, wenn ich die Arme hebe und Aino nachschaut, ob ich da Pickel habe oder was auch immer. Man kann aber auch gut beichten damit. Dann knie ich nieder und beichte in dieses Stück Goretex rein. Das geht dann direkt in meinen leeren Lungenkörper und wird einfach in Energie umgewandelt.“ (S. 79)

Muss man jetzt nicht drüber lachen. Er hätt‘ sich aber sicher drüber gefreut. So, und jetzt mal andächtige Ostern.

10.000 Kilometer mit Llosa

Mario Vargas Llosa es nuevo orgullo para Latinoamérica

Mario Vargas Llosa ist Literturnobelpreisträger 2010. Den peruanische Schriftsteller und mich verbinden eine Sache. Ich habe eines seiner Bücher in einem Rucksack rund 10.000 Kilometer durch Südamerika getragen, ohne auch nur einmal reinzuschauen: „La Verdad de las Mentiras“ oder zu deutsch: „Die Wahrheit der Lügen“.

Meine argentinische Oma hat mit den 400-Seiten-Wälzer vor meiner Abreise aus Buenos Aires eingepackt – zum Spanisch üben. Doch während den endlos langen Busfahrten durch den halben Kontinent habe ich kurzweiliges von Marquez vorgezogen.

Llosa diskutiert in dem weitgereisten Buch in 25 Aufsätzen berühmte Romanen unseres Jahrhunderts: Hesses „Steppenwolf“, Huxleys „Brave New World“, Grass‘ „Blechtrommel“, Pasternaks „Dr. Schiwago“, um nur einige zu nennen.

Ich setz wirklich alles daran, mein Spanisch auf einem annehmbaren Niveau zu halten. Ob das jetzt schon für solch eine Lektüre reicht, weiß ich nicht. Werd’s rausfinden. ¡Buena suerte!

Bild: Globovisión bei Flickr

Sehr geehrte Frau Heidenreich,

verstehen Sie mich nicht falsch. Ich schätze Sie. Ich kenne sie nicht, aber ich glaube, sie wissen meist von was sie sprechen, wenn sie Bücher kritisieren. Ich weiß nicht über ihre Biographie und war bisher zu faul, diese bei Wikipedia nachzulesen. Ich vermute aber, sie haben irgendwas Geisteswissenschaftliches mit Schwerpunkt Literatur studiert, was sie dazu qualifiziert, Bücher zu empfehlen, oder eben nicht.

Ich war vergangene Woche in einem „Bookstore“ – in einem großen Bücherladen am Stachus. Irgendwo in München muss deshalb wohl ein kleiner, hagerer Mann an seinem Bücherladen in einer engen Seitengasse ein Schild mit Aufschrift „Geschlossen, weil bankrott“ anbringen.

Ich stehe vor einem Regal zusammen mit 15 anderen, die wie ich versuchen, durch ihre iPod-Kopfhörer wenigstens ein wenig dem Lärm zu entfliehen und sich zu konzentrieren. Dabei stoße ich auf ein Buch: „Hectors Reise“. Das Cover sieht aus wie eines von diesen Kinderbüchern, die ehrgeizige Eltern ihren Kleinen kaufen, wenn sie in die dritte Klasse kommen, damit sie auch zu Hause bilden.

Ein Kinderbuch ist es nicht. Sie werden sich erinnern: Es geht um den Psychiater Hector, der es nicht erträgt, dass er seine Patienten nicht glücklich machen kann. Er begibt sich auf Weltreise und sucht nach dem Glück. Oder besser nach der Formel für Glück.

Auf der Rückseite von Büchern steht meist ein Kommentar, von jemandem der es wissen muss: einem Kulturjournalisten, oder Experten wie Ihnen. Das ist nett vom Verlag, dann kann man das Buch gleich ein wenig einordnen. „Wenn man dieses Buch gelesen hat – ich schwöre es Ihnen – , ist man glücklich“, schreiben Sie über „Hectors Reise“. Toll, dacht ich mir. Glücklich sein, ist gut.

Es tut mir leid, aber was sie da schreiben, stimmt einfach nicht. Hector trägt rund 20 Lektionen zusammen, die Glück definieren. Lektion 1: Vergleiche anstellen, ist ein sicheres Mittel sich das Glück zu vermiesen. 8: Glück, ist mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt. 10 und 13: Glück ist, wenn man eine Beschäftigung hat, die man liebt und anderen nützlich ist. 14: Glücklich ist, wenn man so geliebt wird, wie man eben ist. 15: Glück ist wenn man sich rundherum lebendig fühlt… Um nur die Highlights zu nennen.

Ich habe das Buch heute in einem Rutsch gelesen. Das war leicht, weil das Buch in einer naiven Sprache verfasst ist. Ich bin sogar geneigt den Schreibstil „irgendwie süß“ zu nennen. Ich habe also das Buch gelesen und mich danach hundsmiserabel gefühlt. Sie haben mir versichert, dass ich glücklich werde! Ich war aber nicht glücklich! Stattdessen zeigt mir der Autor mit dem Buch nur alle Unzulänglichkeiten auf. Alle Gründe dafür, warum ich unglücklich bin und dass sich daran in naher Zukunft nichts ändern wird!

Sie pauschalisieren. Sie gehen davon aus, dass jeder Mensch glücklich wird, wenn er davon liest wie schlecht es anderen geht und sich dann automatisch dieses „Hach mir gehts ja eigentlich prima“-Gefühl einstellt. Tut es nicht. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
P.