Vor einem Jahr…

… ging’s auf auf zur verrücktesten Heimreise, die man so von Südamerika aus antreten kann. Johannes hat die letzten Tage mal ein paar Videos von der Atlantiküberfahrt online gestellt. Hier: der letzte Abend zwischen den British Virgin Islands. Es gab Nudeln all`arrabbiata einen tollen Sonnenuntergang und (bei mir zumindes) sehr viel Wehmut, dass die Zeit in Südamerika nach über einem halben Jahr vorbei war. Von da an waren wir 24 Tage auf See.

Wenn ich mal irgendwann eine Tocher haben sollte, die ganz nach mir schlägt. Also so spontan, unüberlegt, naiv und komplett durch ist, werd ich womöglich Amok laufen, wenn sie so einen Schwachsinn vor hat. Darum: Mama, ich kanns noch nicht so ganz, aber langsam doch in Ansätzen nachvollziehen, wie es dir in der Zeit ging. Respekt fürs nicht Durchdrehen.

Möcht die Erfahrung dennoch um nichts in der Welt missen 🙂

24 Tage auf dem Atlantik

Ich will Hochseesegeln mal so beschreiben: Stellt Euch vor, jemand bindet Euch ganz nah hinter dem Tornetz auf einem Fußballplatz fest. Dann kommt die Mannschaft und übt Elf-Meter-Schießen. Und das 24 Tage lang, 24 Stunden täglich, alle paar Sekunden volles Holz aufs Tor. Jedes Mal zuckt Ihr zusammen und denkt: „Scheiße, hoffentlich hält das Netz!“ Dabei schüttelt man Euch die ganze Zeit durch, während Ihr versucht, trotz dem Geballere irgendwie zu schlafen. Das ist keine Freude.

Noch im Februar, als die Atlantiküberfahrt auf einem Segelboot noch eine fixe Idee war, hab ich meinen zukünftigen Kapitän gefragt was man denn eigentlich so macht während der ganzen Zeit. Jetzt weiß ich es: essen, schlafen und der Dinge harren. Essen und schlafen kann ich gut, nur Geduld und Müßiggang gehörten noch nie zu meinen großen Stärken. Fang ich das eine an, ist das nächste schon in Planung und das Dritte Vorhaben schon im Hinterkopf. Dann ist es besser, wenn das erste schon lange vorbei ist und ich zum nächsten Programmpunkt übergehen kann. Ich warte einfach nicht gerne. Da ist eine Reise in einem Segelboot, um von A nach B zu kommen, sicher nicht die beste Wahl. Gerade wenn A und B 2700 Meilen weit auseinander liegen und dazwischen einfach nichts außer Wasser, Wind und Wellen ist.

Und damit ist nicht zu spaßen. Wie oft dachte ich ans Aussteigen als sich draußen vier Meter hohe Wellen an der Bordwand gebrochen haben und das Wasser so gegen das Brückendeck schlugt, dass Regale einfach abgeräumt wurden und Gläser Zentimeter in die Höhe hüpften. Aber Aussteigen ist nicht. Man muss einfach durchhalten. Irgendwann hab ich während meinen nächtlichen Wachen nur noch auf das GPS-Gerät gestarrt und die Sekunden und Minuten gezählt, die wir gen Osten vorstießen.

Aber so sind ja nur die schlechten Tage. An den guten konnten wir Delphine beobachten, die immer mal wieder während unserer Reise auf eine Visite vorbei kamen und neugierig um das Boot gesprungen sind. Und die Flauten waren angenehm. Wir sind zwar mangels Wind  tagelang nicht voran gekommen, sind sogar nachts Meilen zurückgetrieben, aber es hat nicht geschaukelt und ich hatte nicht das Gefühl dauernd meinen Mageninhalt loszuwerden. Und ich war schwimmen, wo vielleicht sogar noch nie jemand schwimmen war (Position: N27°23′ W064°58′)

Was ich während der 24 Tage gelernt habe:
– ich bin keine Seefrau
– ich kann nicht rudern
– ansatzweise Wetterkarten lesen
– ein paar Seemannsknoten (aber nur aus einem Blickwinkel. Sobald was verdreht ist, kriegt das mein Kopf schon wieder nicht mehr hin)
– Segel flicken
– ich kann auf See genau so wenig Kuchen backen wie zu Hause unter Normalbedingungen
– auch mit 25 kommt es vor, dass man dank Seegang nicht mehr ohne Probleme eine zweistufige Treppe hochkommt
– Nähen könnte ein neues Hobby werden.
– Nach sieben Tagen ohne Haare waschen, braucht man kein Haarband, um sich einen Zopf zu machen
– und vielleicht das Wichtigste – ich habe zumindest ein wenig gelernt: Umstände, an denen ich nichts ändern kann, einfach hinzunehmen. Und an der Wetterküche auf dem Atlantik kann man einfach in einem winzigen Segelboot garnix ändern.

Was ich indes vorher schon wusste:
Wenn man sich unwohl fühlt und die Möglichkeit hat, was an seiner Situation zu ändern, sollte man das tun.

In dem Sinne: Ich steig hier auf den Azoren aus und nehm den Flieger nach Hause. Wird auch langsam mal wieder Zeit. Man vermisst mich schmerzlich.

Zum ganzen Album auf Flickr

(Fotos: Bernd M. und Johannes Lampel)

Estación numero 1: Puerto Madryn

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie’s ist. Die alte Bauernweissheit trifft definitiv auf Puerto Madryn zu. Nur, dass ich weder Hähne krähen gehört geschweige denn gesehen hab. Egal… Sonnenstich verursacht Verbal-Dummfug.

Ich wär auf jeden Fall fast im Hagelsturm umgekommen!!! Weil ich mir dachte: „Oh, cool! Der Himmel sieht ja hinter mir viel krasser aus als auf dem Meer. Lass mal hinlaufen“. (So viel zu „Guck-in-die-Luft“ wie ich unlängst bezeichnet wurde. Schönen Gruss an daheim). In diesem Fall hilfts auch wenig, hinter einem kniehohen Busch Schutz zu suchen während es waagrecht hagelt. Regenjacke leistet aber gute Dienste. Und die Wahl eine rote zu kaufen, erwies sich auch als sehr gute Idee. Da wird man nämlich von Autofahrern gesehen, wenn die Welt untergeht und freundlicherweise die 15 Kilometer zurück in die Stadt genommen.

Puerto Madryn ist ein nettes Städchen. Die Landschaft erinnert ein wenig an Sylt nur ohne Gosch-Feinkost und Segelschuhe. Alles ein wenig normaler hier. Am Strand stehen gelblackierte Öltonnen, wie sie Obdachlose zum Feuerchenmachen nutzen. Kinder rennen entweder naggisch rum oder versuchen die ganze Zeit ihre Hose festzuhalten, die eh auf Halbacht häng. Und Hunde kacken in den Sand. Aber ich mags. Perfekt zum gammeln und rösten lassen.

Ansonsten hab ich die Fauna (Seeelefant, Guanaco, Pinguin und Co.) hier genossen und ganz tourilike Whalewatching gemacht. Voll fein. Ein von mir gedrehtes, ganz schlechtes, weil verwackeltes und viel zu langes Video von einer Walkuh mit Kalb gibts hier. Der Rest in Bildern. Ausser meiner sonnenverbrannten Pelle. Die muss wirklich keiner sehn.

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unheimlich

Dialog mit der Mutter gestern um etwa 17 Uhr.

Sie: Hm schon lang kein Flugzeug mehr über dem Atlantik runtergekommen, oder?

Ich: joaaa…

oO *Angst*