Seidentuchfetischismus

Fetischismus: Störung des Sexualverhaltens; Erregung oder Steigerung des sexuellen Empfindens durch Einengung (Fixierung) auf Körperteile, Eigenschaften oder Gegenstände (z. B. Schuhe, Taschen, Wäschestücke, Haare); meist gehören die Gegenstände einem Menschen, den der Fetischist verehrt oder begehrt
Quelle: Brockhaus, Band 7, Seite 247, 20. Auflage 1996

Als durchnittliches, sexuell eher banal orientiertes Landei kann man in einer Stadt wie Darmstadt die tollsten Dinge erleben. So trug es sich zu, dass ich des Abends aus meinem Auto stieg, die verlassene Straße überquerte und von einem etwas verwirrt scheinenden Endzwanziger mit dem Satz „Hallo ich bin Seidentuchfetischist; möchtest du mal eins für mich anziehn?“ angesprochen wurde.

Im ersten Moment verdutzt, dann laut lachend und schließlich hochprofessionell (man ist ja nicht umsonst Journalistin), stimmte ich natürlich dem Angebot zu. Habe mich aber zunächst versichert, dass ich das Seidentuch nicht drei Tage lang in meiner Unterwäsche mit mir rumtragen muss, bis er es wieder haben möchte.

Sein Anliegen war, dass ich eines seiner rund zwanzig braun bis ocker farbenen Tücher um den Hals trage, er ein paar Fotos macht und wieder verschwindet. Er beteuerte zwar, dass er sich die Fotos einfach nur anschaue und sich freue. Ich bin mir aber sicher, dass er sich beim Anschauen etwas zu sehr freuen wird.

Doch wie kommt man eigentlich dazu Seidentuchfetischist zu werden, um nachts wildfremde Frauen von seinen Vorlieben zu berichten?
Man muss zunächst eine Oma haben mit einem großen Repertoire an Seidentüchern. Als 4-jähriger klaut man dann ebensolche aus dem Biedermeier-Schränkchen im Hausflur und schläft Nacht für Nacht damit ein. Später im Alter von zwölf hat man dann den ersten sexuellen Kontakt zu dem Tuch und dann ist der Weg auch garnicht mehr weit bis man ebensolches an den Hals von unbedarften Fräuleins hält und das als normal empfindet.

Doch was is schon normal? Er findets bestimmt auch seltsam, wie man Brusthaare toll finden kann. Naja, aber ich schlepp auch kein Toupet a la Austin Powers mit mir rum und bitte wildfremde Männer es für mich zu tragen.

6 thoughts on “Seidentuchfetischismus

  1. revax

    nach was roch das Seidentuch denn?! kann schon verstehen, dass die Tücher braun bis ockerfarben waren 😉

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  2. Christian (anonym)

    Du machst ja echt alles mit!

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  3. Pjotr (anonym)

    Auf so Sachen lässt du dich ein? Hätte ich das früher gewusst, hätte ich schon viel früher meine Tüchersammlung eingepackt und hätte dir aufgelauert..

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  4. Pisaei

    REPLY:
    Tja lass mich nicht immer drauf ein, aber der hat nicht ausgesehn wie ein Psycho…nur etwas seltsam. Und ich leb noch *g* Und außerdem: Wer bist du?

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  5. Pjotr (anonym)

    REPLY:
    Na anonym! Ich kann meine Tarnung hier nicht so ohne weiteres Auffliegen lassen, wo ich doch so sorgfältig darauf geachtet habe, dass du mich nicht entdeckst, wenn ich mit einem meiner Seidentücher (braun bis okker farben) einsam in einer Ecke stehe und dich anschaue (und mich freue).

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