Gold(t)ene Zeiten

Die allseits so verhasste Plattitüdenmeersau, eine enge Verwandte des nicht minder abgelehnten Phrasenschweins, hat sich wieder aus dem Kleintierstreu hervorgewühlt, aber seis drum.

Komme soeben von drei Stunden meisterhaftem Lesevergnügen mit kleinen, preußisch-anmutenden Chanson-Sängerinnen, die zu aufrechtem, lautem Gesang mahnen und bei denen man unter anderem nicht das Wort Oberschenkelhalsbruch nutzen sollte.

Kurz um: Max Goldt hat in der Central Station gelesen und es war wie auch schon im letzten Jahr eine Wonne, wenn gleich das neue Buch „QQ“ etwas weniger humorvoll geschrieben ist wie seine bisherigen Kolumnensammlungen. Habe aber heute auch nur einen kleinen Auszug von drei Texten gehört.

Ansonsten immer wieder bemerkenswert, wie schmuckvoll ausgefeilt und difizil Sprache sein kann, ohne angestrengt zu wirken.

Lieblings:

„Früher sprach man vom „akademischen Viertel“. Aber das ist ein obsoleter Ausdruck. Ich schlage vor, von Pünktlichkeit plus zu sprechen, denn dieses nachgestellte plus ist z. Zt. ein großer sprachlicher Hit. Es gibt ein Erfrischungsgetränk namens Apple plus. Es handelt sich um mit Mineralwasser gemischten Apfelsaft. „Früher hieß so etwas Apfelschorle“, mögen nun Scharfzüngige einwenden. Gewiß. Aber auf andere Beisiele läßt sich das nicht übertragen, z. B. das neue Konto Postbank Giro Plus hieß früher nie und nimmer Postbank Giro Schorle. Im allgemeinen will uns das plus wohl sagen, daß man uns mit allerlei Bonusleistungen und Serviceergänzungen zu ergätzen trachtet. Beim Nahrungsergänzungsmittel Calcium plus z. B. wird das nahrungsergänzende Calcium noch zusätzlich durch die Bonusergötzung Magnesium ergänzt. Fordert man die Generation Sixty plus zu einem schwungvollen Dasein auf, kriegt man zusätzlich zu den Sechzigjährigen auch rastlose Siebzig- bis Hundertjährige vor die Kamera. Die Telekom-Tarifsbezeichnung City plus will meinen, daß man zum gleichen Preis wie innerhalb Berlins auch noch mit irgendwelchen ätzenden Kleinstädten in Brandenburg telephonieren kann.“ – Max Goldt

Un wer mir unbedingt was schenken möchte, aber schon ewig grübelt, was mir denn am aller besten gefallen würde, dem sei ab sofort geholfen: DAS, DAS und DAS

One thought on “Gold(t)ene Zeiten

  1. Kolumnistenschwein (anonym)

    Mein großes (unerreichbares) Vorbild! Habe sein neues Buch noch nicht gelesen. Liegt aber schon im virtuellen Warenkorb.

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.