US-Kindergeburtstag

Mit Verlaub, aber ich halte den US-Wahlkampf für einen ziemlichen Kindergeburtstag.           


Es wird aus jedem bisschen ein riesen Eklat gemacht und prognostiziert, dass irgendein Furz, den einer der Kandidaten während eines Galadinner gelassen hat, ihm wohl die Kandidatur kosten wird. Erst verplappert sich Obamas Priester, dann behauptet Hillary, man habe ihr die Perrücke vom Kopf schießen wollen und jetzt verärgert Obama irgendwelche weißen Bauern im mittleren Westen. Und jedesmal schreit die Presse: „Wuuaahua DAS ist jetzt aber wirklich das AUS!“ Jede Woche über einen anderen, jede Woche das Gleiche.

Für wie dämlich hält die Welt denn das amerikanische Volk? Es leben dort nicht nur komplette Vollidioten mit Waffenfetisch. Da wird sich schon der ein oder andere selbstständig seine Meinung bilden können – abseits dessen, was die Medien von sich geben. Außerdem will ich nicht glauben, dass sich eine ganze Nation ausschließlich von chroalem Kampfgeschrei wie „Yes, we can!“, das in der Vortragsart eher an die Jahreshauptversammlung von Scientology erinnert, leiten lässt. Ich trau 140 Millionen als Wahlberechtigte registrierte US-Amerikanern tatsächlich mehr zu. Mag seltsam klingen, aber ja.

Und wieso zerren sich die Kandidaten denn ständig selbst vor die Kamera sobald ein „Skandälchen“ aufkeimt. „Hillary lauert schon“, „Obama patzt“. Hallo?? Das ist schlimmer als Kindergeburtstag. Kinder legen sich da schlimmstenfalls gegenseitig Reißzwecken auf die Stühle, dann weint einer und es gibt hinter die Löffel. Beim Wahlkampf weint keiner (doch, Hillary einmal. Aus Kalkül Leidenschaft) und es gibt auch keinen Papa, der mal für Ordnung sorgt. Das ist Anarchie-Kindergeburtstag. Kevin allein zu Haus für Erwachsene. Und wenn es eben nicht klappt, feuert man einfach den PR-Manager!!! Und dazu singt eine brünette Hupfdohle!!! Herrgott, sind denn alle verrückt geworden???

Ich bin für ernsthaften Diskurs: Truppenabzug aus dem Irak, marode US-Wirtschaft, desolates Gesundheitssystem. Statt um echte Themen dreht es sich nur darum, wer hier wem das Bein stellt und wer kichernd im Schrank sitzt. So wird das exakt so eine weltfremde Lachnummer wie in den vergangenen acht Jahren. Und von dem darf ich gar nicht erst anfangen. Noch nie gesehen, wie sich jemanden so penetrant aus allem raushält!

 

2 thoughts on “US-Kindergeburtstag

  1. Nils

    Im Grunde ist ja überhaupt nichts verwerfliches daran manche Sachen wie auf einem Kindergeburtstag zu regeln, dabei kommen definitiv interessante Sichtweisen und Lösungsansätze zu Tagefür die Probleme dieser Welt, solange man eben eine gewisse Seriosität wahrt, was leider im US-Wahlkampf nicht gegeben ist.

    Aber wir Hessen/Deutsche sollten uns da auch an die eigene Nase packen und nicht alles was über den Teich schwimmt direkt ohne nachzudenken übernehmen, wie es leider bei der letzten Landtagswahl geschehen ist. Da haben Menschen (in Erwachsenenkörpern) versucht eine Mannschaft aufzustellen und haben jämmerlich versagt, eine Mannschaft aus einem vorher bestimmten Pool von Mitspielern zu formen, jedes Kindergartenkind schafft dies hingegen mühelos. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, das die Politik immer öfter an den grundlegenden einfachen Dingen des Lebens scheitert, während sie von ihren Wählern verlangt immer größere Probleme ohne Hilfestellung zu bewerkstelligen. Daher wäre es durchaus wünschenswert, wenn endlich jemand den Poltikgurus dieser Welt die Augen öffnet und sie aus ihrem Hemisphären wieder zurück in die Realität holt.

    Die Hart aber nicht Fair ist.

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  2. Nyxon

    „Das ist Anarchie-Kindergeburtstag. Kevin allein zu Haus für Erwachsene.“

    Ein herrlicher Vergleich! Allerdings war es in den Staaten wohl noch nie anders und der Trend seltsame Dinge auf das deutsche System zu übertragen wird ja auch immer durchschlagender. Den Gegner mürbe machen und dabei die Sachdiskussion auf ein Minimum ausblenden verkommt zu einer immer besser funktionierenden Taktik im Wahlkampf.
    Hier in Deutschland würde ich behaupten, dass das kalkulierter Skandal ist, um überhaupt die Menschen etwas für Politik zu interessieren. Vielleicht fühlen sich manche Wählerschichten durch regelmäßige Skandälchen und Ausfallerscheinungen der Kandidaten mehr vom Thema Politik angesprochen und verfolgen es, als wenn es nur um komplexe Fachtermini geht, die nicht einmal die Ausschussexperten komplett zu verstehen vermögen.

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