Behindertengerechtes Wandern

Tongariro Alpine Crossing – das klingt nach Spikes an den Schuhsohlen, nach Ötzi, erfrorenen Fußzehen und Überleben dank Trockenfleisch. Ja, klingt so.

Busweise werden die Touris von den Hostels und Lodges in Orten, wie National Park oder Ohakune, zu dem Vulkan gekarrt, der in Herr der Ringe als Mt. Doom die felsige Hauptrolle spielte. Dann geht’s los: 19,4 vom Mangatepopo Car Park bis zum Katetahi Car Park in auf der anderen Seite der Berge. Ich weiß das so genau, weil alle 2 Kilometer ein Schild steht, das einem verrät, wie weit es noch ist. Man kann auch einfach die orangenen Fähnchen mitzählen, die den Weg über das Lavagestein säumen. Fehlt nur noch der Personal-Trainer, der einem alle paar Meter ein Status-Update gibt, wie weit es denn noch ist, wie viel Kalorien man bisher verbraucht hat, und wie man am besten seinen Schritt setzt, um möglichst unbeschadet die nicht ganz so idiotensicheren Abschnitte raufzukraxeln.

Ist das heute so? Wird jedes Stückchen wilde Natur behindertengerecht aufbereitet? So, dass auch dem Fettesten, Unsportlichsten und Gebrechlichsten das Glücksgefühl zuteil wird, einen Berg zu überqueren? Egal, ob man in Patagonien, den Fitz Roy besteigt oder das Wadi Arugot am Toten Meer durchquert – überall Fähnchen, Schilder, Dixi-Klos. Muss man heute tatsächlich mit einen Wingsuit durch winzige Felslöcher fliegen oder sich mit einem Snowboard unter den Füßen von einem Helikopter auf eine Gipfel der Rockys abseilen, um noch echte Abenteuer erleben? Und selbst das machen schon zu viele!

Ich will in einen Wald gehen, ohne an einem Eingangstörchen Tickets mit Faltkarten kaufen zu müssen. Ich will nicht permanent auf den fremden Hintern, der vor mit durch die Pampa wackelt, starren. Ich will nicht wissen, wo ich in 7 Stunden ankomme. Ich will kein Busshuttle, das mich am Ausgang wieder abholt. Ich will mich mal wieder verlaufen.

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Trotz behindertengerechtem Trail: eine wahnsinnig schöne Landschaft, die leider schon viel zu oft fotografiert wurde. War eine echte Herausforderung, nicht allzu viele Touris zu knipsen.

Tongariro_Panorama2

One thought on “Behindertengerechtes Wandern

  1. Jenny

    Unberührte Natur ist auf jeden Fall was Geiles und wenn ich die Wahl habe und mich fit genug fühle, entscheide ich mich gerne fürs Verlaufen in selbiger. Ich kann viele deiner Punkte echt unterschreiben, weil´s auch mich oft nervt. Aber ich zähle zu den „Gebrechlichen – aka Behinderten“ und freue ich mich trotzdem die Chance zu haben: das auch mir das Glücksgefühl zuteil wird, ab und zu einen Berg zu überqueren…

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