Der Pegel vor München

Ich weiß nicht welcher Schutzpratron des geselligen Besäufnisses in Regionalzügen der Deutschen Bahn heute Namenstag hatte, aber man kann die Sauferei nachmittags um halb drei auch wirklich übertreiben.

In Aschaffenburg sind ungefähr drei Fußballmannschaften in mein Abteil gestürmt und haben fässerweise Warsteiner in sich hineingeschüttet (ja, A’burg is eben doch nicht so ganz Bayern) und dazu über das (Nicht)Können der deutschen Nationalelf debattiert. Wollte Gehaltvolles zu Metzes Bart beitragen, aber das schien mir unpassend. Die hätten mit ihrem besoffenen Kopf gar nicht die philosophische Tragweite meiner Gedanken erfasst.

So kurz vor Nürnberg dacht ich mir, dass ich keine Lust mehr auf stinkende Sportler hab. Irgendwann is auch mal gut. Der Gedanke, in ein andere Abteil zu wechseln, stellte sich schon als Fehler raus, bevor ich überhaupt drin war. Unter dem Türschlitz ist schon eine Duftmischung aus Wodka-Kirsch und Kotze  in Richrung meiner Nase gewabert.  Wodka-Kirsch?? Eine Leber hat doch auch ihre Würde!!

In Nürnberg sind dann seltsamerweise alle Menschen ohne erkennbare Körperbeherrschung ausgestiegen. Frag mich was da heute los war. Rock im Park war ja schon…

Wie dem auch sei. Im Zug nach München hats dann nach Leberkässemmeln gerochen. Willkommen.

Das Grauen: Bahn

Es gab wirklich noch keine einzige Zugfahrt, nach der ich völlig zufrieden war und sagen konnte: „Jaaa das war schön. Danke Gott für die Stunde Ruhe und danke dem Rest der Welt, dass mir keiner auf die Nerven gegangen ist.“

Das passiert nämlich nicht. Entweder ich werde von irgendwem vollgelabert, oder – schlimmer – vollgestunken. Geruchstechnisch belästigt und damit provoziert bis aufs Äußerste. Vielleicht bin ich einfach inkompatibel mit allen anderen Menschen dieser Erde. Vielleicht bin die Einzige, die komplett ausrastet, wenn sich jemand im Zug neben mich setzt, der offensichtlich mehrere Wochen seine Klamotten neben einer toten Katze im Ausguss gelagert hat. Andere stören sich daran vielleicht nicht. Kann ja sein. Vielleicht ist die Strecke nach Frankfurt DAS Sammelbecken für obskure humane Geruchskuriositäten. Alle Stinker wollen nach Mainhattan…

Ich finds unerträglich. Aber bin zu nett (oder zu verschlagen/fies/feige/hinterfotzig), um das den Betreffenden zu sagen. Lieber sitz ich etliche Haltestellen daneben, atme durch den Mund und versuch irgendwie den Ausdünstungen zu entkommen. Ich schmier mir Creme auf die Hände und riech die ganze Zeit daran. Oder ich les irgendwas. Druckerschwärze riecht wesentlich angenehmer. Oder ich halte so lange die Luft an bis ich blau anlaufe und mein Kopf gegen die Scheibe schlägt. ENTSPANNEND IST DAS NICHT!!!

Wenn ich das nicht mehr ertrage, tu ich so, als wollte ich aussteigen. Lächle freundlich und verabschiede mich. Dann setz ich mich um die Ecke acht Plätze weiter. Freiheit, frische Luft, das Leben kann weitergehen. Bis der nächste Aroma-Vollpfosten ankommt. Gleiches Spiel von vorne. Daher kommen die Augenringe und der Kummerspeck.

Hab ich erwähnt, dass ich Menschen hasse?