Zieh dir was an, du kommst ins Fernsehn!

Am folgenden Beispiel lässt sich wunderbar demonstrieren, wie eklatant wichtig es ist, jeden Tag gut angezogen zu sein und rundherum perfekt auszusehen.

Nein, das wird jetzt nicht so ein „Ich muss mir jeden Tag die Brüste unters Kinn dudeln und riesige Ohrringe tragen, sonst bin ich keine Frau“-Tussi-Ding. Aber man sollte sich doch bemühen, zumindest das Gröbste auszumerzen, wenn man vor die Tür und auf eine Pressekonferenz geht.

Es könnten nämlich Kameramänner des ZDF auf die Idee kommen, auch mal die Journalistenschaar zu filmen während sich Kriminalkomissare und Staatsanwälte fünf Meter weiter vorne einen Wolf reden. An sich ja nicht schlimm. Die Welt soll ruhig sehen, dass wir auch was arbeiten. Aber sich neben mich zu knien und einfach draufzuhalten, während ich Blödsinn auf einen Block kritzel, ist echt unangenehm. Auch noch schön von schräg unten. Das Doppelkinn und die dicken Oberarme sollen ja perfekt zur Geltung kommen!!!

Wenn also irgendjemand heute morgen oder irgendwann in einem Beitrag des ZDF eine dunkelhaarige Frau mit weißem Shirt sehen, die dilletantisch Notizen macht und offenkundig keinen Schimmer hat, der möge bitte beschämt wegschauen und so tun als sei das nie passiert.

Nachtrag: Beitrag ist gerade gelaufen – ohne mich. War klar. Warum sollen die auch Journalisten zeigen, wenn sie Bilder von Chemikalien und Fast-Drogen haben?

Quoten, Klicks und Kohle

Heute im SWR: „Objektive“ Berichterstattung zum Thema Quotendruck in den Medien.

Tenor: Private Sendeanstalten und Verlagshäuser sind per se böse, niederträchtig profitgierig und würden am liebsten ARD und ZDF ganz von der Bildfläche verbannen (Wortspiel! Wuhu!) aber da das nicht möglich ist, doch dann wenigstens aus dem Internet fernhalten.

Dafür steht der Autor des Beitrags und sein Kampfschwadron des seriösen Journalismus. Alle Raffs, Schächters und Piels der deutschen Fernsehlandschaft wettern gegen die fiesen Privaten. Es wird natürlich DSDS aus der Mottenkiste gekramt, um das niveaulose Privatfernsehen zu unterschtreichen. Sat 1 schmeißt das Nachrichtenteam gleich komplett raus und im Internet bekommt man eh nur Klicks mit Titten. 

Da fragt man sich so nach einer halben Stunde Sendezeit: So what? So funktioniert das nunmal. Wettbewerb. Private buhlen um jeden mickrigen Zuschauer, sei er noch so hohl und unbedarft. Das geht am besten mit miesem, einfach gestricktem Programm. Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Qualitätsanspruch (und die Verpflichtung dazu), und um den umzusetzen auch genügend Geld im Hintergrund. 

Hetze und „Kampagne“ gegen ARD und ZDF soll die Verlagslobby ausüben. Hetze gegen was? Qualität? Gegen die Tatsache, dass Werbeeinnahmen flöten gehen wenn die öffentlich-rechtlichen“Qualitäts-Internet“ betreiben? Glaubt doch kein Mensch, dass plötzlich jeder nur noch tagesschau.de klickt, nur weil er mitbekommen hat, dass die Inhalte dort von Korrespondenten aus der ganzen Welt recherchiert sind und man sich darauf verlassen kann, was da steht. 

Ich bin der Ansicht, dass die Online-Auftritte von ARD und ZDF ganz fein neben Privaten existieren können. Sowas nennt man Vielfalt und vielfältige Meinungen sind Grundpfeiler einer Demokratie. Spiegel-Chef (und ehemalige Chef von spiegel-online) Blumencron hat das schön zusammengefasst: Man betrachte das breitgefächerte Spektrum der Newsangebote im Internet mit Interesse. Es werde nur gefährlich denn die Öffentlichen zu viel Geld in ihr Online-Angebote fließen lassen und die anderen nicht mehr mitziehen können.

Und bis es soweit mal kommt, müssen die GEZ-Gebühren noch um einiges erhöht werden. Uns selbst wenn: Das wäre ein Anreiz für die Privaten, nicht auf Quoten, Klicks und Kohle, sondern auf Inhalt zu setzen. Wo wir wieder bei Wettbewerb werden. Qualitäts-Wettbewerb. Vielleicht der tiefere Sinn des Ganzen. 

Und ich hab noch nie erlebt, dass in einer Sendung der Interviewer öfter im Bild ist, als sein Gesprächspartner. Wie selbstverliebt kann man denn bitte sein?? Und dieses seltsame Zapping-Geräusch, jedes Mal wenn ein Textfeld eingeblendet wurde, hätts auch nicht gebraucht. Weglassen. Kostet auch nix.