Geschichten von Mitmenschen

Ich hasse es, wenn man mir vom tollen Leben anderer Menschen erzählt, mit denen ich vor Jahren mal was zutun hatte – von ehemaligen Klassenkameraden zum Beispiel.

„XY lebt jetzt in Irgendwowoesbesseristalshier. XY ist immer noch mit ihrem Freund zusammen. Sind jetzt schon vier Jahre! XY studiert Publizistik und Kulturanthropologie UND hat ein Stipendium. XY macht jetzt richtig viel Sport.“

Kann man mir nicht Sachen erzählen, die mich ein kleines bisschen besser dastehen lassen? Sowas wie „XY wohnt zu Hause und arbeiten seit drei Jahren beim Metzger. Ihr Freund hat Schluss gemacht und seit dem versucht sie den ekelhaften Metzgermeister loszuwerden, der auf sie abfährt. XY ist richtig fett geworden, weil sie in jeder Mittagspause ein halbes Schwein isst. XY hat auch Pickel.“

Aber nein… immer weiter so. Werdet ja schon sehn, was ihr davon habt!!

Dämlicher Verpeiler

Es gibt ein paar Gründe, warum ich ein bisschen dämlicher bin als andere Menschen und warum „verpeilte Alte“ der Beschreibung meiner Person als solche am ehesten gerecht wird.

Zum einen verliere ich pünktlich vier Wochen nach Semesterbeginn meinen Studentenausweis, weil ich ihn vorzugsweise in der Gesäßtasche meiner Jeans lagere. Genau so wie Kleingeld. Und wenn ich das raushole, verschwindet damit auch der Ausweis. Das ist mittlerweile schon zwei Mal passiert und ich lerne aus solchen Sachen auch nichts.

Sich einen neuen Ausweis ausstellen zu lassen, kostet 20 Euro. Aus finanziellen Gründen und aufgrund der Tatsache, dass man mir im vierten Semester bereits gesagt hat, dass man mich wohl verklagen werde, sollte ich den Ausweis zum dritten Mal verlieren (warum weiß ich nicht), habe ich mich dazu entschlossen, lieber gleich offensichtlich kriminell zu werden und den Photoshop anzuschmeißen.

Ein weiterer Grund für meine grenzenlose Dämlichkeit hängt mit meinem Gedächtnis zusammen. Das Belegverfahren an der Uni läuft dieses Semester zum ersten Mal online. Mit TANs und PINs ud Passwörtern und Transaktionsnummern. Der Hinweis lautet ausdrücklich, dass man nach der Erstanmeldung sein Passowort SOFORT ändern soll. Dass man es sich danach auch merken soll, steht da nicht. Wenn man sein Passwort vergessen hat, bekommt man gegen Vorlage des Studentenausweises (s. o.) in der Verwaltung ein neues. 

Wie verbringe ich also den Tag morgen? Ich fahre zur Hochschul-Verwaltung, zahle 20 Euro für einen neuen Ausweis, lege ihn nach Erhalt vor und bekomme ein neues Passwort, um mich online für Prüfungen anmelden zu können. Freue mich schon auf den Brief vom Anwalt. Wäre dann der zweite diese Woche.

Wie ich es schaffen werde, nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre als Penner unter einer Brücke zu landen, weiß ich nicht.

Studieren ein Leben lang

So nach drei Monaten gesetzmäßiger Arbeit from nine to five, (oder eher to six or sometimes auch to seven) bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Studieren (meine empfindlichen Leser mögen den Ausdruck entschuldigen) scheißegeil ist.

Was gibt’s schöneres als morgens aufzuwachen, kurz einen Gedanken an die erste Vorlesung Medienrecht oder Business-Englisch zu verschwenden und sich dann einfach wieder umzudrehen. Muss jetzt noch nicht sein. Was solls.

Doch selbst wenn man sich entschließt in die Uni zu fahren, hat man einen ganzen Tag nicht enden wollenden Spaß vor sich. Man lungert entweder auf von unzähligen Hintern breitgesessenen Sofas herum, schlürft in der Kaffeecke das ein oder andere Bierchen oder sitzt dann doch mal in der Vorlesung vor einem sehr schmalen Tisch und spielt mit dem Banknachbar Schiffeversenken oder Bullshit-Bingo.

Zu Hause lädt man sich dann die Scripte der nicht wahrgenommen (ob nun anwesend oder nicht) Vorlesungen vom so genannten Blackboard, geht es in aller Muse mal durch und beschäftigt sich dann mit dem eigentlich Interessantem und Erquickendem (Menschen, die mich kennen, wissen dass ich das ernst meine):
Man bereitet schon mal alles für die Präsentation in sechs Wochen vor. Zum Beispiel mit dem schönen Thema „Studie des kognitiven Leseverhaltens zielgruppenrelevanten Rezipienten im Zusammenhang mit medienökologischen pull-down Strukturen am Beispiel Bertelsmann“.

Vorbereiten heißt: Das Layout der Präsentation basteln, Farben wählen, stundenlang über die richtige Type nachdenken, Kästchen nach links schieben. Oder nää, doch lieber wieder nach rechts. Und das Menü soll wohin?! Hach, immer diese Entscheidungen.

Schön ist das. Könnt ich ein Leben lang machen. Einfach studieren, Wissen aneignen, den Tag mit Menschen verbringen, von denen man kein Geld bekommt, damit man mit ihnen Lebenszeit teilt. Generell leben. Also nicht neun Stunden lang den Hintern mit Absicht breitsitzen, um dann abends die letzten Kräfte zu sammeln den Fernseher anzuschalten und dann nach gerade mal 32 Minuten davor einzuschlafen.

Wenn das mit den Studiengebühren nicht wäre, würde ich mich nicht ungern überreden lassen nicht bis 2009 sondern bis mindestens 2015 zu studieren. Erst Online-Journalismus fertig machen. Dann eventuell Tourismusmanagement, vielleicht vergleichende Literaturiwssenschaften, Baumkunde, Skandinavistik, Agribusiness, Jiddistik, Saiteninstrumente (Kontrabass), Papyrologie, Holzbläser, Ver- und Entsorgungstechnik, Malerei. Irgendwas. Welt ist voller interessanter Wissensgebiete.

Muss nur noch einen Finanzplan ausarbeiten. Dann geht’s los.