Wems noch nicht aufgefallen ist

Das hier ist nicht mehr lustig. Also der Blog. Kurz und schmerzvoll muss man das einfach mal so nüchtern feststellen. Das hier war mal amüsant, ideenreich, locker und nett zu lesen. Ich weiß das. Habs von vielen schon gehört. Aber ich habe meinen Groove verloren. Hab kein Spaß mehr am Schreiben, keine Ideen. Der Wortwitz ist flöten gegangen und die Freude am gepflegten Schreib-Exhibitionismus is auch tot.

Gründe sind plausibel: Nach einigen Monaten Einblick in die Medienbranche hab ich festgestellt, dass das wirkich nicht meine Welt ist. Es gibt tausend Gründe für diese Ansicht. Einer davon ist die Tatsache, dass ich hier einfach nicht mehr planlos vor mich hinschreiben kann, weil es einfach unmittelbar Auswirkung auf alles hat, was ich beruflich tue und in Zukunft tuen werde. Irgendwie frisst mich das auf. Jetzt schon. Nach vier Monaten. Das hat nichts mit dem Praktikum an sich zutun. Liegt eigentlich nur an mir.

Hab einfach keine Lust mich die nächsten 40 Jahre ausschließlich damit auseinander zu setzen, wie ich möglichst viele wichtige Menschen kennenlernen kann, die mir in den journalistischen Olymp verhelfen könnten. Ich will nicht perfekt smalltalken können. Hab keine Lust meine Sprache komnplett auf Medien-Anglizismen umzustellen. Ich will einfach mal vergessen können, dass alles was ich von mir gebe auf die Goldwaage gelegt wird. Ich will wieder Zeitung lesen können, ohne dass ich darüber nachdenke wie der Text aufgebaut ist und welche sprachlichen Kunstgriffe der Autor gemacht hat.

Irgendwann hab ich Journalismus sehr idealistisch gesehen. Eine romantische Vorstellung des rasenden Reporters, der irgendwo hin fährt, schreibt, das in aller Eile an die Redaktion schickt und einfach Spaß an dem hat, was er tut. Dabei ist es Business. Geld verdienen. Möglichst viel, möglichst schnell. Sicher, das hätte man sich auch so denken können, aber man ich habs mir anders vorgestellt als ich mit sieben am Spielfeldrand entlang gerannt bin und Privat-Reporterin für meinen Cousin gespielt habe, der auf dem Bolzplatz ein Tor nach dem anderen geschossen hat.

Eine Möglichkeit, dass man einfach von diesem ganzen Medienbrachen-Beiwerk nicht tangiert wird, wäre einfach gut zu sein. Sicher auftreten, Themen vorschlagen, schreiben. Allein mit Können beeindrucken. Dann kann man sich das falsche Rumgedruchse einfach sparen. Die Leute sehen, dass man recherchieren kann, sich gerne mit Leuten unterhält und in Kontakt tritt. Dass man Ideen hat, begeistert ist von der Welt und dem Leben als solches. Und ganz wichtig: Dass man Informationen äußerst hübsch zu Papier bringen kann. Aber verdammt. So ziemlich nichts davon trifft auf mich zu!!! Mir ist das Scheiben mal leicht gefallen. Jetzt quäl ich mich irgendwie nur noch, weil ich merke, dass ein enormer Druck auf mir lastet, wenn ich mal so darüber nachdenke, dass ich damit mal in naher Zukunft Geld verdienen muss.

Kann mir mal bitte jemand einen anderen Beruf vorschlagen?! Spiele schon mit solchen Öko-Gedanken wie Goldschmiedin oder Staubigem wie Bibliothekarin.