Du Arsch mit Ohren

Vergangene Woche haben wir uns in der Redaktion darüber Gedanken gemacht, dass es schon recht viele Worte und Ausdrücke gibt, die aus dem täglichen Sprachgebrauch verschwinden. So etwas wie „Mumpitz“, „Schwulität“ oder „mopsfidel“. Sagt man einfach nicht mehr.

Zu diesem Thema wusste ich einiges. Seit ein paar Jahren führe ich nämlich ein kleines, rotes Buch, in das all die wundersamen, spachlichen Kuriositäten wandern, die mir so täglich begegnen. Darin stehen schöne Ausdrücke wie „grober Unfug“, „altersmilde“, „lachse Umgansform“ oder „possierliche Tierchen“ (habe ich letztens erst im Theater gehört. Toll.). Die meisten dieser Ausdrücke habe ich aus feullietonistischen Texten überregionaler Zeitungen, die von Journalisten geschrieben werden, zu deren Tagwerk es gehört, seltsame Worte aus den Untiefen des deutschen Sprachgebrauchs wieder hevorzuzerren und sie entsprechend zu verwursten. „Hochjazzen“… auch schön, nie vorher gehört und wird auch nie mehr jemand verwenden. Schade.

Heute saß ich wartend in der Sonne und habe „Chrismon“, das Kirchenheftchen aus der ZEIT gelesen. Normalerweise wandert das immer als erstes ungelesen in den Müll. Aber heute war nichts anderes greifbar und irgendwie fand ich es auch interessant, zu erfahren, über was dieser anderer Menschenschlag so nachdenkt. Ging um das Paradies – warum wir danach streben und wie man irgendwie hinkommt.

Der Mann, der in dem Haus gegenüber meines Sonnenplätzchens wohnte, versuchte gerade, sich sein Paradies möglichst angenehm zu machen und reinigigte seinen – für meinen Geschmack – etwas zu pompösen Gartenteich. Seine Frau half ihm und strecke Schläuche durch verschiedene Öffnungen. Scheinbar machte sie das nicht richtig und er nannte sie „Arsch mit Ohren“. Gleich zwei Mal. Auch so ein Ausdruck, den man heute gar nicht mehr hört. Schade.

Rumgepimmel

Nein, wird garnicht so niveaulos wir der Titel vermuten lässt. Es geht eigentlich eher um die Schönheit und um die Klangfarbe seltsam-interessanter Wörter. 

Ich hab mir im vergangenen halben Jahr zur Angewohnheit gemacht, mir Wörter in ein kleines, rotes Buch zu notieren, die ich irgendwie gut finde. Einfach Wörter, über die ich in Artikeln stolpere oder die ich beiläufig im Gespräch höre. Die schreib ich mir auf. Man kann ja nie wissen, für was man sie noch mal gebrauchen kann. Irgendwann. Wenn man mal einen Job hat. Oder einfach auf ner Party mit lustigen Gesprächen darüber hinwegtäuschen will, dass man NICHTS erreicht hat. Ja ähm, egal. 

Also zurück zu den interessanten Ausdrücken. Zugegeben, so unglaublich viel steht  noch nicht in dem Buch. Eine Seite ist vollgeschrieben. „Grober Unfug“ steht da zum Beispiel. Lieblingsausdruck des Ex-najaalsofürsheiratenhatsirgendwieniegereichtaberliebwarerja-Freundes. Oder „Nota bene“ – wohlgemerkt. Das hat  mal in irgendeinem SZ-Artikel gestanden. Und plötzlich saß ich wieder im Lateinunterricht und dachte leise „hä?!“. Hach ja… damals. „Firlefanz“ ist auch ganz toll. „Hochjazzen“… HOCHJAZZEN! Keine Ahnung was vor fünf Wochen bei Deutschlands Journalisten im Kopf los war, aber ich hab das Wort innerhalb von sieben Tagen einmal im Spiegel, in der SZ und in der Zeit gelesen. Find das Wort eigentlich doof, aber habs mal notiert. Man weiß ja nie.

In den letzten Tagen begegnen mir zunehmend seltsamere Worte. Ein Kumpel verwendet „rumpimmeln“ fast täglich. Ich kannte den Ausdruck vorher nicht, heißt aber so viel wie: „Oh mein Gott, wie können mir Menschen nur so wahnsinnig auf den Sack gehn und es nicht mal merken!!!“ War ja erst skeptisch, aber irgendwie mag ichs. Gibt so ein paar Worte, bei denen ich erst ein bisschen brauche, bis ich mich mit ihnen angefreundet habe. „Prall“ zum Beispiel. SOFORT eine Penis-Assoziation. Oder „Ficken“. Gott wie ich das Wort gehasst habe! Bin eher so der „Vögel“-Mensch. Ficken. Pf. Klingt so… abwertend. Allein von der Lautmalerei her. Keine Melodie. Aber je öfter man so dran denkt wird das Wort an sich immer attraktiver. Ficken… mhh…

Ach jetzt wurde das doch genau so niveaulos wie im Titel angekündigt. Naja egal.