*klack* Hallo, geiles Leben!

Die Entwicklung eines Trends läuft nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Zunächst einmal ist alles doof: Arbeit doof, Studium doof, Girokonto doof, Haare doof, Waage doof, Männer doof.

Und dann geschieht irgendwas – irgendeine Kleinigkeit, von der man nicht mal weiß, dass sie passiert ist. Dann wird alles anders. Als ob jemand einen Schalter umgelegt hat. *klack* Hallo, geiles Leben!

Plötzlich rockt die Arbeit und Texte, die man irgendwie aus dem Ärmel schüttelt, gehen minimalredigiert online. Der Chef schätzt einen und bedankt sich für die Mitarbeit. Das Studium nervt zwar immer noch, aber nur noch ein Semester lang und das Thema für die Diplomarbeit ist auch im Kasten.

Ab Oktober steht ein rentabler Job in Aussicht, mit dem man die Backpacker-Tour durch Argentinien im nächsten Sommer, die noch völlig ungeplant in den Hirnwindungen herumgeistert, bezahlen kann.

Die Haare sind wieder gewachsen und sehen nicht mehr ganz so Alice-im-Wunderland-mäßig aus. Drei Kilo sind auch auf wundersame Weise verschwunden.

Perfektioniert würde das, wenn man an einem sonnigen Sonntagmorgen neben einem Fotomodel mit entsprechend guter Gesichtsbehaarung aufwachte, der sich die Augen reibt und fragt: „Kaffee oder Tee?“

Aber so geil ist das Leben dann doch nicht. War Samstagmorgen, es hat geregnet und es gab entweder Tee oder Wasser. Aber bin eh nicht so der Kaffeetrinker.

*klack* Hallo, geiles Leben!

Na, du Brett!

Ganz ehrlich: Ich liebe Baumärkte. Hornbach, Hellweg, Obi – wie sie nicht alle heißen. Gibts nichts Besseres als sich an einem Samstagmorgen zusammen mit einem Dutzend schwitzender Hobby-Handwerker (inklusive Klemptner-Dekoltee und Bierbauch) durch die Gänge zu schieben: Rechts Winkelschleifer, links Kreuzschliffblairgedendwas und geradeaus Sperrholzplatten mit Kirschholzfunier.

Ich hab bei den meisten Gerätschaften nicht die leisteste Ahnung was man alles mit ihnen anstellen kann. Ist mir auch eigentlich wurscht. Weil Fakt ist: Ein Baumarkt toppt den besten H&M. Definitiv. Am tollsten ist die Abteilung „Holz und Funier“. Könnt mich an Eckleisten und Brettern dumm und dämlich kaufen. Irgendwann gehen einem aber zu Hause die Ecken aus, in die man die Leisten tackern kann, aber was solls. Das nächste Haus kommt bestimmt und dann gehts wieder von vorne los und dann hat man wenigstens schon mal was da.

Ganz groß im Sommer ist auch die Gartenteich- und Vogelhäuschen-Abteilung. Schwarze Folie, Becken, Pumpen. Unglaublich nutzloser Schnickschnak, den ich auf keinen Fall brauche, aber gerne anfasse und haben will. Ich hab überhaupt keinen Teich und in Zeiten es globalen Klimawandels is auch kein Vogel mehr auf meine Almosen in Futterhäuschen angewiesen. Weil friert ja hier im hessischen Süden sowieso nix mehr zu. In der Garage nistet ja sogar ein Schmetterling. Halloo Frühling?! Aber allein der Gedanke, dass ich ja theoretisch so ein handgedrechseltes Vogelhäuschen mein Eigen nennen könnte, wenn ich wollte, übertrifft nicht nur jede Grenze des erträglichen Spießertums, sondern schießt noch weit weit übers Ziel hinaus.

Woaaahhh und erst die Tapeten!! Zugegeben sind Tapeten das wohl sinnloseste in einem Raum. Sind engergieeffizienz-technisch komplett irrelevant und tragen auch nicht zur besseren Luftzirkulation bei. Aber in der Tapetenabteilung tummelt sich gerne ein besonderer Schlag Menschen, der mir unglaublichen Spaß macht: Junges Pärchen, Mitte 20, erste eigene gemeinsame Wohnung. Sie will „irgendeinen warmen Farbton, der das Zimmer nicht so klein erscheinen lässt“ und ihm ist es berechtigterweise ziemlich egal, wie die Wand hinter dem Fernseher aussieht. Ergebnis der Geschichte: 16 Rollen Wandpapier – Reliefoptik in apricot. Sie strahlt und er denkt daran, dass er den Scheiß in den nächsten Tagen alleine an die Wand kleben muss. Unendlich amüsant.

Außerdem gibts in Baumärkten ganz günstig Künstlerpinsel. Also die dünnen, mit denen man damals in der Schule dem Tischnachbarn in Kunst Penisse auf den DIN A3-Block gemalt hat. Denn sobald die Sonne wieder scheint, gehts raus in die Natur. Dann setz ich mich wieder an den imaginären Teich und schau den Vögeln zu wie sie aus dem nichtvorhanden Vogelhäuschen Körner picken und das mal ich dann. In Öl. Auf meine Leinwand. Die man übrigens auch im Markt bekommt.

Wuuaahuuaa, Daumen hoch für Baumarkt!