Bye bye, BVI

Wenn man in der Position ist, die Türkistöne des Wassers an der einen Insel für viel schöner zu befinden als an der anderen, dann macht man schon ganz schön dekadent Urlaub.

Wir sind gut eine Woche auf den British Virgin Islands und entspannt zwischen Virgin Gorda, der fetten Jungfrau im Osten, Richtung Jost van Dyke im Westen gesegelt. Dort am Green Cay ist dieses kitschige Foto links entstanden.

Johannes ist dafür extra todesmutig ohne Gurt auf die Mastspitze geklettert, nur um die komplette Internetgemeinschaft außerhalb der Karibik ganz arg neidisch zu machen. Bis auf einmal Geraderücken wurde an dem Bild nichts verändert. Farben, Wolken, kitschig einsames Boot: alles so gesehen. Und dazu stetig 29 Grad. Schrecklich.

Aber bald ist der Spaß vorbei. Das Boot ist klar; heute verlassen wir die Virgins und ziehen gen Nordosten. Nächster Halt: Azoren. Ich meld mich dann in etwa drei Wochen wieder. Dann gibts hoffentlich auch mal mehr Fotos aus der Kitschhölle hier. Alle mit freundlicher Genehmigung von Johannes, der einfach die bessere Kamera hat.

Joa, dann ma schüss, ne von Johannes, Bernd und mir (v.l.n.r.)

Und man wünsche uns statt „Mast- und Schotbruch“ bitte lieber „Immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel“. Das findet unser Skipper positiver.

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(Bilder: Johannes Lampelt und Pia Röder)

Schlafen in der Achterbahn

Wenn der Kapitän nachts um eins zu einem sagt: „Das wollte ich Euch eigentlich ersparen“, dann weiß man auch als Laie, dass die erste gemeinsame Nachtfahrt ungemütlicher als geplant verläuft.

Zwischen Saint Martin und den British Virgin Islands peitschen wir bei durchschnittlich sechs Windstärken und sieben Knoten gehn Westen. Spitzenwert in dieser Nacht: zwölfeinhalb Knoten, 80 Meilen in elf Stunden – sportlich.

Wenn der Mond zwischen den schweren, milchigen Wolken hervorlukt, sieht man die Urgewalt des Meeres, die ich bis dato noch unterschätzt hatte. Zwei Meter hohe Wellen heben und senken das Boot wie einen Fahrstuhl. Sollten sie zumindest in der Theorie. Doch auf unserem Weg ist der Meeresgrund so uneben – mal 100 mal 1000 Meter tief – dass die Wellen keinem Schema mehr gehorchen wollen und von allen Seiten kommen. Ein riesen Durcheinander auf See.

Und in der Koje dröhnt und röhrt es. Das Wasser klatscht an die Unterseite des Katamarans, die Wellen schieben von hinten, brechen an Steuerboard; Wasser schwappt durch die Luke an Board. Und es plätschert im Schrank. In dem Fall gilt auf See, was auch an Land gilt: Im Schrank hat gefälligst nix zu plätschern!! Tut’s auch nicht. Alles draußen, da wo man bei einem solchen Wind nicht hin will.

Aber Frischluft muss sein. Gerade wenn einem trotz stabiler Seitenlage in der Koje speiübel wird. Ein tiefer Atemzug an Deck und schon geht’s los. In den Eimer.

Stellt sich übrigens raus, dass Kotzen vor Publikum weniger peinlich ist, wenn alle Anwesenden nüchtern sind. Aber dennoch schade um den guten Couscous.