Menschentransport

Ich erinnere mich an die Mitfahrzentrale als eine Ort an dem sich Menschen gefunden haben, die das gleiche Ziel hatten und sich aus finanziellen Gründen oder aus Liebe zur Umwelt zusammengeschlossen haben. Ein Privatmann ist von A nach B gefahren, hat in seinem Privatauto zwei bis vier Menschen mitgenommen und von jedem soviel Geld verlangt, dass er entweder bei null oder maximal zehn Euro im Plus rausgekommen ist. Das ist völlig in Ordnung.

Ich nutze seit gut zwei Jahren nur noch die Mitfahrzentrale, fahre kein Zug mehr, Bus auf Langstrecken nur äußerst selten. Zusammen in einer kleinen Gruppe im Auto zu fahren, hat immer Spaß gemacht. Man trifft interessante Menschen, jeder hat irgendwas Spannendes zu erzählen. Manchmal tauscht man auch Nummern aus. Kommt selten vor aber passiert.

In letzter Zeit werden solche lockeren Fahrten leider immer seltener. Einige wittern das große Geschäft, jeden Tag Leute in gemieteten Kleinbussen durch halb Deutschland zu karren. Morgens hin, abends zurück. Menschen werden im Konvoi über die Straßen buxiert und man hat, eingepfercht mit neun weiter Menschen, nicht das Gefühl, nach Hause zu  fahren, sondern ins nächste Arbeitslager abtransportiert zu werden. Die Stimmung ist entsprechend und der „Ick mach Pause wann ick det für richtig halte, verstehste!“-Sergio macht’s nicht besser. Aber dann trotzdem von jedem 30 Euro nehmen.

Die Mitfahrzentrale müsste wie Ebay funktionieren. Man sollte sofort sehen, ob man es mit einer Privatfahrt oder mit einem „Topseller“ zutun hat. Spart viel Ärger.

Woran man merkt, dass man wieder in Hessen ist:

Man fährt nach 5 Stunden Autobahn zügig mit 170 km/h die A5 an Frankfurt vorbei und bewundert die Heimat. Die in der Abendsonne rot strahlenden Wolkenkratzer, die grau-grünen Lärmschutzwände am Seitenstreifen, den kahlen Wald.Hinter einem drängelt ein 7er BMW mit Lichthupe. Vor einem schleicht ein Renault Twingo mit „Jaqueline und Kevin“-Aufkleber auf der Heckscheibe und man schreit „Faaaahr doch da vorne, du Spast!“ Dann schneidet man vor lauter Todesangst einen VW Golf und fühlt das von Adrenalin übersättigte Blut in der Halsschlagader pochen.Plötzlich ist man nicht mehr der einzig Wahnsinnige auf der Straße…und ein Lächeln huscht über die Lippen.Welcome home 🙂