Sonne, Schnee, Leihhund

Eigenlich ist es gar nicht so schlecht, jeden Tag von früh bis spät zu arbeiten. Ansonsten wüsste ich freie Nachmittage gar nicht zu schätzen.

Genau so wie auf diesem von mir hier heute höchst persönlich geschossenem Bild muss Winter sein: krachender Schnee unter den Stiefeln, eisblauer Himmel und Luft frischer als dreizehn TicTac auf einmal im Mund (auch schon gemacht).

Alleine rausgehen, ist natürlich fad, deshalb hab ich mir den Hund der Nachbarin ausgeliehen. Nelly wollte sich aber nicht fotografieren lassen. Meinte sie müsse erst noch ein paar Pfund abnehmen und sie sei sowieso unfotogen blaaa… Frauen. Man kennt das ja.

Zugegeben, mein Lieblingshund, mit dem ich zwölf wunderbare Jahre verbringen durfte, war wirklich viel schöner und schlanker. Aber man darf nicht meckern. Einem geborgten Hund schaut man schließlich nicht in den Mund (Muha. Gott, bin ich gut.)

Entweder muss Winter genau so weitergehen, oder es soll morgen Nacht 21 Grad warm sein. Alles dazwischen zählt nicht. So sei es.

Blaupause

Es stimmt was Konstantin Wecker über München sagt: „Tiefblau ist der Himmel nur in München. Über der Ludwigstraße.“ Davon weiß ich nichts. Ich kann nur sagen, dass der Himmel über der Sendlinger Straße verdammt nochmal richtig arg blau ist… soweit ich das hier aus dem Bürofenster beurteilen kann.

Sonniger Spätsommer macht immer ein bisschen wehmütig. Wie kann es denn sein, dass die letzten drei Monate einfach so an mir vorbeigezogen sind? Wieder hab ich die heißen Monate irgendwie verpasst. Statt grillen am See, googeln in Raum 102. Statt Eis und Groschenroman, Nudelsuppen und heute Journal.

Und dann ist es plötzlich kurz vor Winter, die Blätter sind nicht mehr ganz so grün und trotzdem lacht einem die Sonne immernoch dreckig ins Gesicht: „Tja haste mich verpasst. Loser. Arbeite du mal schön weiter. Ich schein hier noch die nächsten drei Wochen bis du wieder zu Hause bist im Wald – bei Wind und Regen.“

Aber seltsamerweise freu ich mich darauf. Ich freu mich auf bunte Blätter, auf absolute Stille im Wald, auf eine kalte Nase, auf Schals und Stulpen. Äh ne, doch nicht. Stulpen sind so ein Pferdemädchen-Equipment. Aber auf Handschuhe freu ich mich.

Zusammengefasst: Ich werde den halben Winter (also jede freie Zeit, die ich nicht in der FH, auf der Arbeit und im Bett verbringe) draußen sein. Dafür werde ich mir von irgendwem, der selbst zu faul oder verhindert ist, den Hund ausleihen und mit ihm Gassi gehen. Oder noch besser: Ich hol mir wieder einen kleinen, flauschigen Welpen, der innerhalb von acht Monaten zu einem riesen Vieh ranwächst und mir die Haare vom Kopf frisst – wie damals vor zwölf Jahren. Dann ist zwar mein ganzes hart-verdientes Geld wieder weg, aber ich hab immerhin jemanden zum Spielen.

Das ist übrigens ein Schmetterling

Auf meiner Hand. Am 4. Februar. Da sag nochmal einer es sei Winter!(24 Minuten bis zu dieser Aufnahme… Tierfotograf werd ich schon mal nicht. Bin viel zu ungeduldig)