Polar/Solar

Ich muss jetzt mal eine Lanze für das Landleben, genauer gesagt für Partys auf dem Land brechen:

Es gibt nichts (NICHTS!) Besseres als die Ringheimer Polar- bzw. Solarparty. Zwei Mal im Jahr (am Samstag nach Fasching bzw. am Samstag nach der Sommersonnenwende) stehen/sitzen etwa 100 Leute um ein gigantisches Lagerfeuer rum, trinken Bier und hören Metal. Den ganzen Abend. Dann fägt irgendjemand an zu grillen, während andere mehr Paletten auf die Glut werfen. Dresscode gibt’s nicht. Am besten man fischt die alte Jeans wieder aus dem Wäschekorb und schlüpft in die uralten Dunlops, die man zu seiner Zeit dem Exfeund abgeschwatzt hat. Im Sommer geht auch barfuß. So und dann? Hinsetzen, Feuer angucken, entschleunigen und diese ganze absurde Twitter/YouTube/Blog-Scheinßwelt für eine Nacht mal vergessen.

P1 – Tempel der Offensichtlichkeiten

Ich sags gleich vorweg: Ich war rein dienstlich im P1. Also nicht, dass jemand glaubt, ich hätte in einer Dienstagnacht nichts besseres zutun, als mich zwischen hunderten Models rumzutreiben, die sich mit den Champagner intravenös zuführen und sich kiloweise Koks in sämtliche Körperöffnungen stopfen.

Gestern war Sommerfest unter dem Motto „Flowerpower“. Man darf sich also alle Klischee-Outfits (Peace-Zeichen um den Hals, Stirnbänder, gigantische Sonnenbrillen etc.) vorstellen und die entsprechenden Leute reinstecken. Dazu läuft die Standard-Lorette-del-Mar-Partymusik (da war ich zwar nie, aber ich stells mir genau so vor) und fertig ist die Dekadenz-Sause.

Ich hasse Offensichtlichkeiten. Furchtbar, wenn alles genau so kommt, wie ich vermutet habe. Ein Essen sollte immer anders schmecken, als ich es erwarte. Ein Mann, der genau in die Schublade passt, in die ich ihn nach dem ersten Treffen stecke, langweilt mich.

Und so ist das P1. Alle meine Vorurteile wurden bestätigt. Die Menschen sind schön, selbstverliebt und halten sich für etwas Besonderes, weil sie auf einer Party sind, an deren Eingang eine Gästeliste über „in“ und „out“ entscheidet. Dabei war das gestern das Gewöhnlichste, was ich seit langem erlebt habe.

Doch man muss fair bleiben: Die Location ist beeindruckend. Ein risiger Tempel mit gigantischen Räumen und verwinkelten Bars. Draußen gibts Bühnen, Beduinenzelte und „Liege-Plätze“. Wenn sie da gute Musik spielen und normale Leute reinlassen würden, könnte man da öfter hingehen. Aber so? Ähm nein.

(Wer meine Partyfotos sehen will, möge diese auf entsprechender Nachrichten-Website suchen)

Torschlusspanik-Party

Ü-30 Parties sind traurig. Also für die Betroffenen. Alle, die deutlich unter 30 sind, empfinden entweder Mitleid, Abscheu oder amüsieren sich prächtig. Ich schwanke zwischen eins und drei. (Zunächst muss man hier erklären, wie ich mit Anfang/Mitte 20 auf eine Ü-30-Party komme. Strengenommen war es keine Party, sondern schlicht eine Bar, in denen sich Menschen, die Queen noch live erleben durften, tummelten. Ich möchte jetzt keinem dort fälschlicherweise einen guten Musikgeschmack unterstellen… fiel mir nur so ein. Wie dem auch sei)Bars mit Menschen über 30 gleichen einem gigantischen Uterus. Fein aufgereiht sitzen eine Hand voll pulsierende Ovarien (Frauen) fest verankert und lassen sich bewundern, während um sie herum hunderte Spermien (Männer) nervös tänzeln. Sie schubsen sich, jeder will der erste sein und alle sind unendlich aufgeregt, weil sie noch nicht so wirklich ans Ziel gelangen. Denn wenn man mal ehrlich ist: Wieso gehen Singles über 30 abends weg? Eben: Um möglichst bald unter die Haube zu kommen und Kinder zu zeugen. Die Sturm- und Drangzeit ist vorbei, der größte Teil des Freundeskreises hat sich familiär zu Ruhe gesetzt, ein Nest gebaut und sie sind der traurige Rest. Die Hängengebliebenen, die mit Ende 20 nicht den Absprung geschafft haben und sich immernoch durch die tückische Singlewelt kämpfen müssen. Nur dass das auf einmal viel schwerer ist als damals, als man auf Studentenparties noch jede Woche eine andere mit nach Hause genommen hat.Man kann die Gäste grob in drei Gruppen unterteilen:Typ A ist Sabine. Sabine ist tagsüber Bürokauffrau oder Zahnarzthelferin und schaut sich gerne nach Feierabend Verbotene Liebe an. Wenn sie mal abends ausgeht, dann mit ihren zwei besten Freundinnen, von denen sie die Mauela schon n bissl lieber mag als die Michaela. Die blonden, dauergewellten Haare hat sie mit Haarspray festbetoniert und als neckischen Akzent eine kleine Glitzerspange festgeklippt. Die S.Oliver-Jeans wird brav in die Stiefel gesteckt und so nippt sie an ihrem Vodka-Lemon und konzentrieren sich darauf, dass das etwas zu enge Top nicht verrutscht, während sie sich mit Dirk unterhält. Dabei vergisst sie nicht, mit dem linken Zeigefinger ständig eine Haarsträhne auf- und wieder abzurollen. Denn sie hat natürlich Sami Molcho auswendig gelernt und kennt sich aus mit Körpersprache und weiß wie man die Männer verrückt macht.Typ B ist Marcus. Marcus ist Systeminformatiker und kocht privat ganz gerne. Wenn er mal abends weggeht, dann am liebsten in seinem schwarzen Glanzhemd vom NewYorker, das mit dem Tribal quer über die Schulter. Seine Kumpels, mit denen er normalerweise online zockt, wohnen zu weit weg und er kennt sie auch nicht richtig. Also geht er lieber alleine und tanzt. Einfach so lässt er seine etwas zu dünnen Beine in den etwas zu kurzen Hosen, deren Bund etwas zu hoch in der Taille sitzt zu Gloria Estefan und Dr. Alban zucken. Wenn die Musik stoppt ist er derjenige, der sich trotzdem bewegt. Balztanz mit ungewisser Zielsetzung.Typ C ist Thorsten. Thorsten hat gerade so ein Geschäft mit einem Kumpel laufen. Wird was ganz großes, weswegen er statusbedingt auf der Party mit Hemd und Anzughose erscheint. Die Haare sind streng nach hinten gegeelt und die Schuhe poliert. Ein Finger steckt im Haken des Sackos, das er so lässig über der Schulter trägt. Natürlich kennt der den Barkeeper persönlich, begrüßt ihn mit Handschlag und bestellt für die „Ladies“ am Tresen einen Prosecco. Gleich mal Eindruck schinden. Er palavert mit großen Gesten, zupft sich alle paar Minuten einen nichtvorhandenen Fussel vom Hemd und lehnt sich interessiert nach vorne, wenn eine der „Ladies“ von ihrem Nagelstudio erzählt.Keiner der drei hat Erfolg an diesem Abend. Ok, vielleicht Markus. Der ist zumindest ohne Erwartungen bei der Torschlusspanik-Party erschienen.Sollte ich wirklich eine steile Karriere hinlegen, bei der jegliches Privatleben tief begraben liegt, werde ich als Ü-30 NIEMALS solche Etablissements aufsuchen. Eher sterb ich einsam aber in Würde.

Ün typisch frosösisch Partí

Ich hab ja schon ziemlich alberne Vorurteile über Franzosen. Ich war erst zwei Mal im Land. Einmal in Strasbourg und das andere Mal in Paris über Silveser 2006 (Davon weiß ich allerdings nicht mehr viel). Ich durfte auch nie Französischunterricht im der Schule genießen. Habe mich fleißig ach Jahre Lang mit Latein rumgeschlagen und bin deshalb frei von jeglicher Beeinflussung durch Lehrerinnen mit Pagenfrisur (In meiner Phantasie haben die immer den Haarschnitt von Amélie Poulain …und eine Brille auf der Nasenspitze). Auch wurde ich nie in einen Bus gezwängt und auf Austauschfahrt in die Provence verfrachtet, um „Land und Leute besser kennenzulernen“. Ich kann mich also ganz und gar auf meine völlig unqualifizierte und unfundierte Meinung stützen:Franzosen haben für mich immer eine Kopfbedeckung auf. Sei es eine Baskenmütze, einen Asterix-Helm mit Flügeln an der Seite, oder eine rote Mütze wie sie Jacques Cousteau und seine Crew getragen haben. Außerdem essen Franzosen ständig selbstgemachte Quiche lorraine und Crepes und trinken dazu billigen Champagner aus Plastik-Sekt-FlötenMusikalisch sind unsere Nachbarn in den 90ern hängengeblieben. Irgendwo zwischen Bravo Hits 27 und Liquido. Gegen letztes ist per se nichts einzuwenden, aber ist schon langsam echt viel zu alt, um noch als akustischer Lichtblick auf einer Party zu gelten. Alles Electro-Pop-Charts-Partykracher-Fetenhits-Rock-KateRyan-Volksmusik-Techno-Blackmetal-MirahCarey-Scheiß. (Und einmal „Seven Nation Army“ zu spielen, macht das auch nicht wieder gut!!!) Dazu tanzen sie dann. Ausgelassen. Als obs nichts besseres gäb.Der Franzose an sich bietet ganz natürlich – quasi im Frosösisch-Rundum-Paket inbegriffen – einen French Kiss an und säuselt dann mit typischem Akzent „Isch kann ganz dreckische frosösische Sache mit dir mache. Also alte disch fern von mir, Mon Cherie!“ Aähhh, ja ne is klar. Puh schon so spät. Zeit, nach Hause zu gehen.Und was soll ich sagen… Alle Vorurteile bestätigen sich. Zumindest auf Erasmus-Partys.