Um den Schlaf gebracht

Erst der Pocher bei Harald Schmidt, dann treten die Nachbarn die Türen ein. Alles Gründe warum das Schlafen schwer fällt

Zunächst zu diesem elenden Pocher. Wollt die Sendung ja von Anfang an schauen. Aber dann kam mir eine Reportage über Karol Wojtyła auf arte dazwischen und ich bin logischerweise auf der Couch eingeschlafen. Also um 23:15 Uhr begann dann auch für mich die Stunde Null der deutschen Late Night-Unterhaltung. Harald Schmidt und Pocher zusammen. In einem Studio. Eine volle Stunde.
Der Kasper sitzt da, imitiert Stimmen, zieht Grimassen und darf die Pointen auf Schmidts Vorgaben setzten. Im Pocherstil. Also frech (nein, nicht im „jung und trendy“- Sinn), platt und ziemlich fad. Er darf den Assi vom Chefarzt spielen – im wahrsten Sinne. Wurde scheinbar mal wieder Zeit für Sketche bei Schmidt. Wann gabs das zu letzt? Bei Schmidteinander, erinnere ich mich. Aber Feuerstein ist wenigstens zu was zu gebrauchen.
Poldolski kann der Pocher gut nachmachen… wunderts wen?? So und dann wieder eingepennt. Aufgewacht und plötzlich sitzt Günther Jauch da. Judas, auch du! Witzelt flach mit und als Pocher dann folgenden Satz von sich gab: „Man kommt ganz schön leicht zur ARD“, schaltete ich das Gerät aus.
Man wie schäbig ist denn diese Medienbrache bitte, dass man diesem Humor-Totschläger auch nur eine Sekunde kostbare Sendezeit einräumt??

Eine etwas ausgefeiltere Meinung von jemandem, der Recht hat

Dann zu den Nachbarn. Ausgesperrt haben se sich. Und statt den Schlüsseldienst zu holen rennen sie lieber innerhalb von zehn Minuten sieben Mal die Treppe rauf und runter (kommt besonders gut im Altbau, wenn man genau neben eben erwähnter Treppe sein Schlafgemach hat) und versuchen die Tür mit hochhackigen Stiefeln einzutreten. Entweder man machts gescheit oder lässt es bleiben. Hat nämlich auch nach gefühlten 73 Versuchen nicht so ganz funktioniert. Dann klopft es und man bittet mich nach einer Haarnadel. Super, bei der Polizei anrufen und angeben bei den Nachbarn würde eingebrochen, funktioniert also auch nicht mehr. Steck jetzt ja mit in der Scheiße.

Toll und jetzt Schlafen bringts auch nicht mehr. In 6 Stunden klingelt der Wecker…

Same toaster as every day

Erinnert sich noch jemand an das Berliner Küchenlied „Mutter, der Mann mit dem Koks is da“? Das irgendjemand mit schlechten Technobeats unterlegt hatt, aufdass es in den frühen Neunzigern seine Rennaissance erlebte? Nunja, hätte da zumindest eine kleine Abwandlung: Mutter, der Mann mit dem Toast ist da.

Warum? Denn täglich grüßt der Chromtoaster aus der Küche gegenüber, in die ich allmorgendlich beste Sicht habe. Meistens nur versperrt durch den immer gleichen aschblonden Mann in zu kurzer Bügelfaltenhose und beigen Socken zu den karierten Filzpantoffeln.

Ist nicht so, dass sich bei mir voyeuristische Tendenzen auftun, nur bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man aus der Dusche steigt und Spiegel und Fenster quasi identisch sind. Und wenn einer spannend (mir war bisher die Doppelkeitigkeit des Wortes nicht bewusst. Es ist ein Partizip UND ein Adjektiv in einem mit völlig unterschiedlichen Bedeutungen!!! Oh Gott, man lernt wirklich nie aus!!) unterwges is, dann Mister „gestärkter Kragen“. Der hat von seinem Loge an der Acrylmid-Maschine aus einen wunderbaren Blick in das Badezimmer, in dem man verzweifelt versucht, innerhalb von 20 Minuten eine Metamorphose von „komplett zerzaust und ungeduscht“ zu „komplett zerzaust aber sauber“ zu vollziehen. Er prostet sogar manchmal mit seinem Aprikosengelee-Toast zu. (definitiv zu ocker, dieser Mensch). Würde ich nicht in der Küche frühstücken, könnte ich ja zurückprosten. Macht sich aber mit Müsli so schlecht.

Steht man dann um 20 vor 8 an der Bushaltestelle, kommt auch er herbeigeeilt. Toastkrümel am Kinn und im beigem Trenchcoat.

Die Mädels, denen der Balkon schräg über dem Badezimmerfenster gehört, sind auch nicht viel besser, nur dass die keinen mir ersichtlichen Toaster haben und sich auch eher für den seltenen Herrenbesuch in unserer bescheidenen Hütte interessieren, der genau zur richtigen Zeit im Adamskostüm aus der Dusche hüpft. An dieser Stelle einen lieben Gruß nach China, Jens! 😉