Das Grauen: Bahn

Es gab wirklich noch keine einzige Zugfahrt, nach der ich völlig zufrieden war und sagen konnte: „Jaaa das war schön. Danke Gott für die Stunde Ruhe und danke dem Rest der Welt, dass mir keiner auf die Nerven gegangen ist.“

Das passiert nämlich nicht. Entweder ich werde von irgendwem vollgelabert, oder – schlimmer – vollgestunken. Geruchstechnisch belästigt und damit provoziert bis aufs Äußerste. Vielleicht bin ich einfach inkompatibel mit allen anderen Menschen dieser Erde. Vielleicht bin die Einzige, die komplett ausrastet, wenn sich jemand im Zug neben mich setzt, der offensichtlich mehrere Wochen seine Klamotten neben einer toten Katze im Ausguss gelagert hat. Andere stören sich daran vielleicht nicht. Kann ja sein. Vielleicht ist die Strecke nach Frankfurt DAS Sammelbecken für obskure humane Geruchskuriositäten. Alle Stinker wollen nach Mainhattan…

Ich finds unerträglich. Aber bin zu nett (oder zu verschlagen/fies/feige/hinterfotzig), um das den Betreffenden zu sagen. Lieber sitz ich etliche Haltestellen daneben, atme durch den Mund und versuch irgendwie den Ausdünstungen zu entkommen. Ich schmier mir Creme auf die Hände und riech die ganze Zeit daran. Oder ich les irgendwas. Druckerschwärze riecht wesentlich angenehmer. Oder ich halte so lange die Luft an bis ich blau anlaufe und mein Kopf gegen die Scheibe schlägt. ENTSPANNEND IST DAS NICHT!!!

Wenn ich das nicht mehr ertrage, tu ich so, als wollte ich aussteigen. Lächle freundlich und verabschiede mich. Dann setz ich mich um die Ecke acht Plätze weiter. Freiheit, frische Luft, das Leben kann weitergehen. Bis der nächste Aroma-Vollpfosten ankommt. Gleiches Spiel von vorne. Daher kommen die Augenringe und der Kummerspeck.

Hab ich erwähnt, dass ich Menschen hasse?