Zum Tod Schlingensiefs

Mit Christoph Schlingensief ist es so wie mit Helmut Newton. Als der vor ein paar Jahren gegen die Mauer gefahren ist und das nicht überlebt hat, war ich auch bestürzt. Bestürzt, weil ein Künstler gestorben ist, den ich faszinierend fand, von dem ich aber nichts wusste, allenfalls ein paar seiner berühmtesten Bilder kannte. Plötzlich war er nicht mehr da und hat eine Lücke hinterlassen.

Bei Schlingensief ist das jetzt genau so. Sicher, die jüngeren Werke wie den Parsifal in Bayreuth hab ich auch mitbekommen. Anderes, wie sein Bad mit hunderten Arbeitslosen im Wolfgangsee und seine Partei mit der er mit dem Slogan „Scheitern als Chance“ in den Bundestag einziehen wollte: Nie davon gehört. War nicht meine Zeit. Jetzt ist Chrsitoph Schlingensief tot. Das find ich schlimm. So schlimm, dass es mir einen schönen, heißen Sommertag vermiest.

Ich bin kein Kunstmensch, kenne die Szene nicht, gehe nie in die Oper. Ab und zu ins Theater. Kunstausstellungen? Joa, wenn es sich ergibt, muss aber nicht. Warum mich sein Tod dennoch so betroffen macht? Schlingensief war für mich der letzte echte Punk in Deutschland. So steif und uninteressant unser Land auch geworden ist. Schlingensief hat auf den Haufen Scheiße gezeigt und ihm Farbe verliehen. Er wurde nie alt, nie langweilig. Eine schillernder Fleck in einem öden Land. Er war ziemlich cool.

Das Land ist ohne ihn eine Nuance grauer geworden. Das ist ganz schön traurig.