abgehängt (1)

Es gibt unglaublich viele arschige Sachen, die man machen kann. Dinge, zu denen andere nur den Kopf schütteln und sagen: „Mh. Sowas macht man einfach nicht!“ 

Zu den harmloseren dieser Kategorie gehört, an einem Montag-Nachmittag Joggen zu gehen. Es hat 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist auf Sumatra-Niveau. Man kommt selbst kaum noch vom Fleck und dann sieht man vor sich, ungefähr 500 Meter entfernt, einen weißen Punkt, der sich bewegt. Man läuft schneller, die Lunge sticht, die Wadenmuskeln krampfen und der weiße Punkt wird größer. Er entpuppt sich als kleines, dickes Mädel, das den gleichen Plan hat wie man selbst: Joggen, um irgendwann mal wieder jemanden guten Gewissens flach legen zu können. Also mit Licht an und so.

Weil man einfach eine fiese Frau ist und in seiner grenzenlosen Arschigkeit erkannt hat, dass die Gute dazu noch ein wenig länger braucht, als man selbst, erhöht man das Tempo immer weiter. Hohlkreuz, Haare auf und dann zieht man betont lässig an ihr vorbei, während man völlig selbstzufrieden und entspannt lächelt. 

Das Zwerchfell reißt in etwa fünf Sekunden, das rechte Bein droht abzufallen – trotzdem rennt man weiter wie bekloppt. Nur noch über den Hügel, dann kann man in Ruhe in sich zusammensacken. Tot aber glücklich darüber, jemanden besiegt zu haben, der es nicht verdient hat, als Prellbock für die eigene Unzulänglichkeit herzuhalten.

Das ist nämlich nicht nur arschig, sondern in erster Linie unglaublich armseelig. Und darauf eine Flasche Wein, um das Ganze adäquat abzurunden.