Bekenntnisse einer Chipsschlampe©

So als armes Umfrage-Tierchen zeigt man sich ja gerne solidarisch mit anderen, die ähnlich Qualvolles verrichten müssen. Kaum bin ich also heute an der Konstabler aus der U-Bahn gekrochen und 100 Meter die Zeil entlang gelaufen, spricht mich und die Kollegin eine alte, vertrocknete Pflaume an, ob man nicht an einem Geschmackstest teilnehmen möge. Dauert auch nicht lang.

Fünf Minuten und zehn Fragen „für die Statistik“ später sitze ich im vierten Stock eines Frankfurter Neubaus gegenüber eines19-Jährigen mit Migrationshintergrund, vor mir sieben Schalen Kartoffelchips. Paprika-Geschmack. „Vor sich sehen sie… sie sieben Schalen Chips. Probieren Sie bitte mindestens vier Sorten und schildern Sie mir ihr Geschmackserlebnis“, las es vor und schaute dumpf.

Viermal durfte ich verköstigen und jeweils 25 Fragen beantworten. Sinnhaftes wie „Sind ihnen sie Chips zu salzig?“ oder „Wie schätzen Sie den Salzgehalt der Chips ein?“ oder „Halten Sie die Chips für zu salzig“. Ich kann nicht leugnen, nicht aggressiv geworden zu sein.

Armer Junge. Eine Furie vor sich sitzen und hinter der verspiegelten Wand beobachten ihn seine Vorgesetzten, während ihm die Furie den Fragebogen mit den Worten „Gib das mal her. Ich füll das selbst aus. Nimmt ja sonst nie ein Ende!“ aus den Händen reißt.

Zur Belohnung gabs zwei Euro. Also für mich. Davon hab ich mir einen Tee gekauft. Was die Finanzkrise alles aus uns macht… Dabei mag ich noch nicht mal Chips. Schon gar nicht morgens um elf.

© Sascha P.