{"id":775,"date":"2008-08-24T21:07:23","date_gmt":"2008-08-24T19:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=775"},"modified":"2008-08-25T15:03:51","modified_gmt":"2008-08-25T13:03:51","slug":"sehr-geehrte-frau-heidenreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/sehr-geehrte-frau-heidenreich\/","title":{"rendered":"Sehr geehrte Frau Heidenreich,"},"content":{"rendered":"<p>verstehen Sie mich nicht falsch. Ich sch\u00e4tze Sie. Ich kenne sie nicht, aber ich glaube, sie wissen meist von was sie sprechen, wenn sie B\u00fccher kritisieren. Ich wei\u00df nicht \u00fcber ihre Biographie und war bisher zu faul, diese bei Wikipedia nachzulesen. Ich vermute aber, sie haben irgendwas Geisteswissenschaftliches mit Schwerpunkt Literatur studiert, was sie dazu qualifiziert, B\u00fccher zu empfehlen, oder eben nicht.<\/p>\n<p>Ich war vergangene Woche in einem &#8222;Bookstore&#8220; &#8211; in einem gro\u00dfen B\u00fccherladen am Stachus. Irgendwo in M\u00fcnchen muss deshalb wohl ein kleiner, hagerer Mann an seinem B\u00fccherladen in einer engen Seitengasse ein Schild mit Aufschrift &#8222;Geschlossen, weil bankrott&#8220; anbringen.<\/p>\n<p>Ich stehe vor einem Regal zusammen mit 15 anderen, die wie ich versuchen, durch ihre iPod-Kopfh\u00f6rer wenigstens ein wenig dem L\u00e4rm zu entfliehen und sich zu konzentrieren. Dabei sto\u00dfe ich auf ein Buch: <a title=\"Hectors Reise\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3492248284\/100007766-21\/?m=A3JWKAKR8XB7XF\" target=\"_blank\">&#8222;Hectors Reise&#8220;<\/a>. Das Cover sieht aus wie eines von diesen Kinderb\u00fcchern, die ehrgeizige Eltern ihren Kleinen kaufen, wenn sie in die dritte Klasse kommen, damit sie auch zu Hause bilden.<\/p>\n<p>Ein Kinderbuch ist es nicht. Sie werden sich erinnern: Es geht um den Psychiater Hector, der es nicht ertr\u00e4gt, dass er seine Patienten nicht gl\u00fccklich machen kann. Er begibt sich auf Weltreise und sucht nach dem Gl\u00fcck. Oder besser nach der Formel f\u00fcr Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckseite von B\u00fcchern steht meist ein Kommentar, von jemandem der es wissen muss: einem Kulturjournalisten, oder Experten wie Ihnen. Das ist nett vom Verlag, dann kann man das Buch gleich ein wenig einordnen. &#8222;Wenn man dieses Buch gelesen hat &#8211; ich schw\u00f6re es Ihnen &#8211; , ist man gl\u00fccklich&#8220;, schreiben Sie \u00fcber &#8222;Hectors Reise&#8220;. Toll, dacht ich mir. Gl\u00fccklich sein, ist gut.<\/p>\n<p>Es tut mir leid, aber was sie da schreiben, stimmt einfach nicht. Hector tr\u00e4gt rund 20 Lektionen zusammen, die Gl\u00fcck definieren. Lektion 1: Vergleiche anstellen, ist ein sicheres Mittel sich das Gl\u00fcck zu vermiesen. 8: Gl\u00fcck, ist mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt. 10 und 13: Gl\u00fcck ist, wenn man eine Besch\u00e4ftigung hat, die man liebt und anderen n\u00fctzlich ist. 14: Gl\u00fccklich ist, wenn man so geliebt wird, wie man eben ist. 15: Gl\u00fcck ist wenn man sich rundherum lebendig f\u00fchlt&#8230; Um nur die Highlights zu nennen.<\/p>\n<p>Ich habe das Buch heute in einem Rutsch gelesen. Das war leicht, weil das Buch in einer naiven Sprache verfasst ist. Ich bin sogar geneigt den Schreibstil &#8222;irgendwie s\u00fc\u00df&#8220; zu nennen. Ich habe also das Buch gelesen und mich danach hundsmiserabel gef\u00fchlt. Sie haben mir versichert, dass ich gl\u00fccklich werde! Ich war aber nicht gl\u00fccklich! Stattdessen zeigt mir der Autor mit dem Buch nur alle Unzul\u00e4nglichkeiten auf. Alle Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum ich ungl\u00fccklich bin und dass sich daran in naher Zukunft nichts \u00e4ndern wird!<\/p>\n<p>Sie pauschalisieren. Sie gehen davon aus, dass jeder Mensch gl\u00fccklich wird, wenn er davon liest wie schlecht es anderen geht und sich dann automatisch dieses &#8222;Hach mir gehts ja eigentlich prima&#8220;-Gef\u00fchl einstellt. Tut es nicht. Vielen Dank.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nP.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>verstehen Sie mich nicht falsch. Ich sch\u00e4tze Sie. Ich kenne sie nicht, aber ich glaube, sie wissen meist von was sie sprechen, wenn sie B\u00fccher kritisieren. Ich wei\u00df nicht \u00fcber ihre Biographie und war bisher zu faul, diese bei Wikipedia nachzulesen. Ich vermute aber, sie haben irgendwas Geisteswissenschaftliches mit Schwerpunkt Literatur studiert, was sie dazu qualifiziert, B\u00fccher zu empfehlen, oder eben nicht. Ich war vergangene Woche in einem &#8222;Bookstore&#8220; &#8211; in einem gro\u00dfen B\u00fccherladen am Stachus. 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