{"id":6301,"date":"2014-06-03T20:47:10","date_gmt":"2014-06-03T08:47:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=6301"},"modified":"2015-01-28T08:03:49","modified_gmt":"2015-01-27T19:03:49","slug":"ein-babysitter-fuer-die-kiwis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/ein-babysitter-fuer-die-kiwis\/","title":{"rendered":"Ein Babysitter f\u00fcr die Kiwis"},"content":{"rendered":"<p>Die Neuseel\u00e4nder sind geradezu besessen von Schutzkleidung und Warnschildern. Dabei passiert ihnen in diesem harmlosen\u00a0Land doch gar nichts. Was soll das?<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Neon ist der letzte Schrei in Neuseeland: M\u00e4ntel, Hosen, Westen in leuchtendem Orange, gerne aufgepeppt mit Silberstreifen. Auch Plastikhelme in Gelb, Blau und Wei\u00df sind hip, nicht nur bei Bauarbeitern. Helmpflicht f\u00fcr Radfahrer ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Besonders Eifrige ziehen au\u00dferdem gut sichtbare Westen an. Nachts radelt hier niemand, zu gef\u00e4hrlich. Einen Job zu finden, bei dem man keine Schuhe mit Stahlkappen tragen muss, ist hier so gut wie unm\u00f6glich. Da muss man schon als Redakteur arbeiten und seinen Tag ganz ungef\u00e4hrlich hinter einem Computerbildschirm fristen.<\/p>\n<p>Der Neuseel\u00e4nder hat dauernd Angst, dass ihm etwas auf den Kopf f\u00e4llt, \u00fcber die F\u00fc\u00dfe f\u00e4hrt oder, dass er in ein Loch f\u00e4llt. Deshalb tr\u00e4gt hier jeder Schutzkleidung und \u00fcberall stehen Warnschilder, die zum Tragen selbiger anhalten oder \u00fcber Gefahrenquellen informieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch18.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6316\" src=\"http:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch18.jpg\" alt=\"Hazards!!!\" width=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch18.jpg 1500w, https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch18-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch18-771x1024.jpg 771w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Warum sind die Kiwis so besessen, ihren K\u00f6rper gegen alles Gef\u00e4hrliche abzuschirmen? Das ist doch ein sicheres Land. Keine direkten Nachbarn, die heimlich einen Feldzug planen, keine Terroranschl\u00e4ge. Hier gibt es nicht einmal Schlangen!\u00a0Ein Land, das einen wattebauschf\u00f6rmigen, flugunf\u00e4higen Vogel, der auf dem Waldboden lebt, als Wappentier hat, kann nicht gef\u00e4hrlich sein. Und doch, irgendwas scheint den Neuseel\u00e4ndern Angst zu machen.<\/p>\n<p>Hier in Christchurch ist das gesteigerte Schutzbed\u00fcrfnis noch irgendwo gerechtfertigt. In der im wahrsten Sinne krisengesch\u00fcttelten Stadt ist die Wahrscheinlichkeit gr\u00f6\u00dfer, dass man von einem Betonklotz erschlagen wird, als in vielen anderen Gegenden der Welt. Hier wird seit dem Erdbeben vor drei Jahren gebaggert, abgerissen und plattgemacht. Riesige Dinosaurier mit Stahlgebiss fressen sich durch Parkh\u00e4user, Presslufth\u00e4mmer nagen am Asphalt. Bei solch einem Festessen, kann schon mal ein Brocken daneben gehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch5.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6320\" src=\"http:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch5.jpg\" alt=\"Nom nom nom\" width=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch5.jpg 1125w, https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch5-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.pia-roeder.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/christchurch5-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1125px) 100vw, 1125px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Das ist Christchurch. Warum aber tr\u00e4gt auch im Rest des Landes jeder seine orangefarbene R\u00fcstung?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Mein Mitbewohner sagt, Schuld sei der \u201eNanny-State\u201c. Die Kiwis tragen n\u00e4mlich gar nicht freiwillig Orange. Der Staat will es so und behandelt seine Einwohner wie ein \u00fcbervorsichtiges Kinderm\u00e4dchen. Der Staat scheint gro\u00dfe Angst um seine Kinder zu haben. Das ist verst\u00e4ndlich. Es gibt ja nur rund 4,5 Millionen von ihnen. Und die muss man irgendwie am Leben erhalten, und sei es, indem man sie vor der gef\u00e4hrlichen Welt mit Stahlkappen sch\u00fctzt. Aber er packt die Kiwis mit Regeln und Vorschriften so lange in Watte bis ihnen vor lauter Sauerstoffmangel ganz schummrig vor Augen wird.<\/p>\n<p>&#8222;Dieses Staats-Diktat geht zu weit&#8220;, sagt der Mitbewohner. Unm\u00fcndig und bevormundet f\u00fchle man sich da. Eben genau wie ein Kleinkind. Dabei, hei\u00dft es doch immer, sollen Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie sollen sich die Knie auf dem Bolzplatz aufhauen oder die Augenbrauen beim Bauen von Knallfr\u00f6schen absengen. Das ist wichtig f\u00fcr die Entwicklung. Das geh\u00f6rt zum Erwachsen werden dazu. Wer nur durchs Fenster \u2013 oder, im Fall der Kiwis, durchs Plexiglas-Visier des Sicherheitshelms \u2013 zuschaut, verpasst so viel.<\/p>\n<p>Der Staat macht mit seinen Vorschriften und Regeln seine Einwohner zu echten Kiwis: Er stutzt ihnen die Fl\u00fcgel und hindert sie so daran, eigene Erfahrungen zu machen und \u2013 ja \u2013 erwachsen zu werden.<\/p>\n<p>Traut Euch Kiwis und werdet fl\u00fcgge! Geht bei Rot \u00fcber Ampeln! Radelt ohne Helm! Nachts! Am besten zu zweit auf einem Rad! Pfeift auf Sicherheitsbrille, Helm und Handschuhe! Ich hab es ausprobiert, hier in Neuseeland. Es f\u00fchlt sich wunderbar an.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auf Englisch im Neuseel\u00e4ndischen News-Blog <a title=\"Whail Oil - Babysitting the Kiwis\" href=\"http:\/\/www.whaleoil.co.nz\/2014\/05\/guest-post-babysitting-kiwis\/\" target=\"_blank\">www.whailoil.co.nz<\/a> erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neuseel\u00e4nder sind geradezu besessen von Schutzkleidung und Warnschildern. Dabei passiert ihnen in diesem harmlosen\u00a0Land doch gar nichts. 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